Schreibt Google-TV eine neue Erfolgsstory?

Freitag, 4. Juni 2010 12:34
Google Logo

MÜNSTER (IT-Times) - Wirklich überraschend kam die Ankündigung von Google ja nicht, als jüngst bekannt gegeben wurde, dass man sich fortan auch verstärkt dem Thema WebTV widmen wolle. Im Rahmen der der Entwicklerkonferenz I/O in San Francisco wurden Googles Pläne für das Web-TV jedoch näher und tiefer gehend vorgestellt. Das Ziel: Mit dem Projekt Google TV soll das Surfen im Web und durch verschiedene TV-Sender zum Kinderspiel werden. Mit im Boot sind die Hardware-Hersteller Sony, sowie Intel und die Schweizer Logitech. Die ersten Google-TV-Produkte sollen im Herbst dieses Jahres auf den Markt kommen. Die Preise für das Produkt stehen noch nicht fest. Mit dem Vorstoß geht Google einen Markt mit vier Milliarden Zuschauern weltweit an.

Daneben konnte Google auch den Pay-TV-Spezialisten Dish Network gewinnen. Gemeinsam mit Dish will Google eine integrierte TV- und Web-Plattform entwickeln. Google TV soll dann im Herbst auch für Dish-Kunden verfügbar sein, wie es heißt. Zudem will man gemeinsam mit Intel und Sony eine neue TV-Plattform mit dem Namen Smart-TV auf den Markt bringen. Indes: Allen, die in dem Google-Vorstoß die nächste große Revolution vermuten, muss gesagt werden: Dazu muss Google erst noch einmal so manche Frage beantworten. Das hat man übrigens auch bei der Live-Präsentation im Rahmen der Entwicklerkonferenz I/O festgestellt. Ein wenig erinnerte die Vorstellung an die Präsentation des selbsternannten iPad-Konkurrenten WeTab im April. Auch bei der Google-Präsentation gab es plötzlich Probleme, als Google-TV nicht mehr per Fernbedienung angesteuert und bedient werden konnte. Zudem konnten noch nicht klar beantwortet werden, welche Rolle der Chiphersteller Intel bei den Google-Plänen für die Zukunft spielt. Google hat sich bereits entschieden, dass Google-TV auf dem VP8-Video Codec laufen soll, einem patentfreien Datenformat mit dazugehörigem Codec für komprimierte Videodaten. Bislang ist aber noch kein einziger Intel-Chip in der Lage, die VP8-Hardware zu unterstützen. Bei den Atom-Chips solle das aber schon bald durch entsprechende Software-Updates möglich gemacht werden.

Welche Rolle spielt YouTube bei den Google-TV-Plänen? 

Es verwundert aktuell zudem, dass der Videodienst YouTube, der ja im Eigentum von Google ist, eine scheinbar nur geringe Rolle bei den Plänen von Google-TV spielt – jedenfalls wurden im Rahmen der Präsentation nur wenige Worte über Youtube verloren. Es waren auch keine YouTube-Repräsentanten zur Präsentation geladen, was in den US-amerikanischen Technologie-Blogs und –Foren bereits heiß diskutiert wird. 

Ebenso wird diskutiert, ob Google sein TV-Angebot mit Werbung füttern wird, um den ganzen Spaß auf diese Weise zu finanzieren – was ja letztlich mächtig Google-typisch wäre. Aber auch hierzu hält sich das Unternehmen aktuell noch ein wenig bedeckt – als sei man sich hierüber selbst noch nicht so ganz im Klaren. Bislang heißt es seitens des Unternehmen nur: Die Werbung auf Google-TV werde entweder  durch Webseiten generiert oder aber durch die althergebrachten TV-Kanäle. Eine klar definierte Strategie sieht sicherlich anders aus. Eine dritte Möglichkeit könnte darin bestehen, Werbung durch Apps, die auf dem Google-Betriebssystem Android basieren, zu schalten. Diese Möglichkeit liegt – sofern man in Google-Dimensionen denkt – am ehesten auf der Hand, wird von Google allerdings dementiert. Warum, weiß man nicht so recht.

Wird Google-TV ein Flop?

Noch spannender als diese möglicherweise zu detaillierten Fragen ist indes die Frage, ob von der breiten Masse überhaupt gewünscht wird, was Google schon bald anbieten und verkaufen möchte. Man fühlt sich ein wenig an die Pläne von Microsoft erinnert, als das Unternehmen zum Ende der 90er Jahre mit dem Angebot WebTV ebenfalls versuchte, das Internet auf den Fernseher zu bringen – nun gut zehn Jahre später ist es nicht mehr Microsoft, nun hat Google die Führerschaft unter den Web-Unternehmen übernommen und wagt sich nun an die (einstige) Unterhaltungs-Ikone Fernsehen. Nun, damals scheiterte Microsoft und man kann aktuell nicht erkennen, was Google aktuell wirklich besser macht. Noch ist nicht erkennbar, ob es Kunden gibt, die es sich wünschen, im Wohnzimmer am TV-Gerät ihren Twitter-Account, ihr Facebook-Profil und ihr Mailpostfach zu pflegen. Vor allem ist es fraglich, ob sie es so sehr wollen, dass sie bereit sind, dafür Geld in die Hand zu nehmen. Allerdings muss bedacht werden: Ende der 90er Jahre (als Microsoft mit WebTV scheiterte), war das Internet noch eine Textwüste. In Zeiten schneller Verbindungen wurden zunächst Flashprogrammierungen wieder salonfähig und damit das bewegte Bild – vielleicht eine – wenn nicht sogar die – Chance für Google-TV. Zudem kann man von Angeboten wie dem von Hulu oder von Netflix lernen: Diese Dienste zeigen bereits, wie eine erfolgreiche Symbiose von Web und TV entstehen kann - auch in Sachen "Look-and-Feel", was nicht zuletzt ein Erfolgsfaktor für die Akzeptanz beim Verbraucher spielt. Wäre "Look-and-Feel" nicht wichtig, dann würde Apple beispielsweise kaum so erfolgreich sein.

Meldung gespeichert unter: Google TV

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