SAP wird mobiler - Analysten sehen mehr Risiken als Synergien

Montag, 17. Mai 2010 13:16
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(IT-Times) - Der Walldorfer Softwarekonzern SAP AG (NYSE: SAP, WKN: 716460) sorgte in der Vorwoche für einen Paukenschlag. Mit der Ankündigung, den US-Softwarespezialisten Sybase für 5,8 Mrd. US-Dollar übernehmen zu wollen, sorgte SAP für eine Überraschung. Der Milliardenzukauf stellt auch eine Kehrtwende in der bisherigen Firmenstrategie dar, nachdem SAP in der Vergangenheit vor größeren Übernahmen eher Abstand nahm.

SAP zahlt vergleichsweise hohen Preis
Analysten monieren dagegen den vergleichsweise hohen Kaufpreis. Mit 65 US-Dollar je Sybase-Aktie zahlt SAP einen Aufschlag von 56 Prozent gegenüber dem jüngsten Schlusskurs. Damit wird Sybase mit dem 4,4-fachen des für 2011 zu erwartenden Umsatzes und mit einem KGV von 23 auf Basis der Gewinnprognosen für 2011 bewertet. Für die Übernahme von Business Objects hatte SAP seiner Zeit ein Premium von 20 Prozent bezahlt.

Sybase selbst konnte für das vergangene erste Quartal 2010 solide Wachstumszahlen präsentieren - gleichzeitig hob das US-Softwarehaus seinen Umsatz- und Gewinnausblick für das laufende Jahr nochmals an. Bei einem Jahresumsatz von 1,23 Mrd. Dollar soll nunmehr ein Nettogewinn von 2,63 Dollar je Aktie zu Buche stehen.

Übernahme gilt als riskant - kaum Synergien im Datenbankgeschäft
Für SAP ist es der zweite große Zukauf nach der Übernahme von Business Objects im Jahr 2007. Analysten und Marktbeobachter fürchten allerdings, dass der jüngste Zukauf weniger Synergien abwerfen könnte, als die Akquisition des Business Intelligence Spezialisten vor etwa zwei Jahren. Hintergrund ist unter anderem die überlappende Kundenbasis, sowie mögliche Risiken im Zusammenhang mit der Integration der Gesellschaft. Auch könnte der jüngste Zukauf die bisherige Partnerschaft von SAP mit den beiden langjährigen Kooperationspartnern IBM und Microsoft gefährden, glaubt Infor-Marktforscher Bruce Richardson. Hintergrund ist der Umstand, dass Sybase mit seinem Produktangebot im Bereich Datenbanken direkt mit IBM und Microsoft konkurriert.

Vorteile sehen Analysten dagegen in der Diversifikation der Produktpalette. Sybase gilt insbesondere im Bereich mobiler Infrastruktursoftware als gut positioniert. Allein das Messaging-Geschäft von Sybase wuchs im jüngsten Quartal um 23 Prozent auf 53 Mio. Dollar. Zugleich präsentierte das US-Unternehmen neue Lösungen wie Mobile CRM for SAP und Mobile Workflow for SAP, womit Kunden auch von unterwegs auf Geschäftsdaten zugreifen können.

Gewinntreiber bei Sybase war zuletzt aber das Datenbankgeschäft. Hier sehen Analysten und Marktbeobachter aber kaum Synergien mit dem SAP-Geschäft. Um die Märkte vom Gegenteil zu überzeugen, wird SAP noch viel Überzeugungsarbeit leisten müssen.

Weitere Zukäufe vorprogrammiert
Zugleich darf man gespannt sein, welches Unternehmen die Walldorfer als nächstes kaufen. Wie es aus informierten Kreisen heißt, soll die Übernahme von Sybase nicht der letzte Coup gewesen sein. Verstärken wolle man sich in Zukunftsfeldern wie im Bereich Cloud- und Mobile Computing, sowie im Bereich Social Media, wie die Wirtschaftswoche erfahren haben will…

Kurzportrait

Das im Jahre 1972 ins Leben gerufene und in Walldorf ansässige Softwarehaus SAP AG stieg insbesondere in den 80er und 90er Jahren zum weltweit führenden Anbieter im Bereich ERP-Software (Enterprise Resource Planning) auf.

Diese Unternehmenssoftware erlaubt es Firmenkunden wichtige Daten im Bezug auf Geschäftsprozesse, wie der Produktion, Buchhaltung, Personalverwaltung und Vertrieb innerhalb eines Unternehmens im Auge zu behalten und Geschäftsabläufe zu optimieren. Heute setzen bereits mehr als 21.000 Unternehmen in mehr als 120 Ländern weltweit auf Software aus dem Hause SAP.

Mit dem Einzug des Internet ergänzte auch SAP sein Produktangebot entsprechend und bietet neben seinem Internet-Portal mySAP.com mit der komplexen Softwarereihe mySAP Business Suite sowohl Lösungen rund um elektronische Beschaffungssysteme (Supply Chain Management) als auch Kundenmanagement (Customer Relationship Management) an.

Um die einzelnen Märkte, wie IT-Services und elektronische Beschaffungssysteme effektiv bearbeiten zu können, gründete SAP 1997 die Tochterfirma SAP SI. SAP SI wuchs in der Vergangenheit wiederum durch die Übernahme von Prescient Consulting. Später wurde SAP SI wieder in den Konzern rückintegriert. Anfang 2005 übernahm SAP den Softwaredienstleister TomorrowNow. Zudem kaufte SAP mit der kanadischen Triversity und der amerikanischen Khimetrics zwei weitere Softwarespezialisten. Im Frühjahr 2006 übernahm SAP zudem den Softwareanbieter Virsa Systems sowie den Softwarespezialisten Frictionless Commerce. Mitte 2006 wurde der Softwarespezialist Praxis Software übernommen. Im Frühjahr 2007 kaufte SAP den norwegischen Softwarehersteller MaXware sowie die finnische Wicom Communications. Im Bereich Business Intelligence verstärkte sich SAP durch die Übernahme von OutlookSoft und Pilot Software. Nach der Übernahme seines Partners SAP Arabia schluckte SAP im Herbst 2007 den französischen Analysesoftwarehersteller Business Objects. Im Frühjahr 2010 kaufte SAP den US-Softwarespezialisten Sybase für 5,8 Mrd. US-Dollar. Zuvor hatte SAP bereits den langjährigen Kooperationspartner TechniData geschluckt.

Im Bereich elektronische Beschaffungssysteme gründete SAP gemeinsam mit Siemens, Bosch, INA, Continental AG und ZF Friedrichshafen das Joint-Venture SupplyOn AG. Während SAP acht Prozent an dem Unternehmen beteiligt ist, hält der Autozulieferer Bosch mit 30 Prozent den Löwenanteil an diesem Projekt. Mit seiner neuesten Version von NetWeaver will sich SAP weitere Geschäftsmöglichkeiten im Integrationsmarkt und im Markt für Application-Server erschließen Mit dem Projekt „Business By Design“ will sich SAP stärker im Mittelstand und im Markt für Cloud-basierte Angebote engagieren.

Zahlen

SAP meldete einen Gesamtumsatz von 2,50 Mrd. Euro nach 2,39 Mrd. Euro im ersten Quartal 2009. Dabei wurden 464 Mio. Euro durch Softwareerlöse erzielt (Vorjahr: 418 Mio. Euro). Software und softwarebezogene Services trugen weitere 1,97 Mrd. Euro zum Umsatz bei, in den ersten drei Monaten 2009 waren es 1,74 Mrd. Euro.

SAP erwirtschaftete ein Betriebsergebnis von 557 Mio. Euro nach 307 Mio. Euro im Vorjahr. Dies entspricht einer operativen Marge von 22,2 Prozent (2009: 12,8 Prozent). Nachsteuerlich verblieb ein Gewinn von 387 Mio. Euro bzw. 33 Cent je Aktie für das erste Quartal 2010.

Meldung gespeichert unter: SAP

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