SAP - was die Concur-Übernahme bringt

Software und Cloud Services

Dienstag, 23. September 2014 13:54
SAP

(IT-Times) - SAP gibt in der Cloud Vollgas. 8,3 Mrd. US-Dollar bzw. 6,5 Mrd. Euro lässt sich das deutsche Softwarehaus den US-Softwareanbieter Concur Technologies kosten - es wäre der größte Zukauf in der SAP-Geschichte.

Nach der Bekanntgabe zeigten sich SAP-Aktien (WKN: 716460) allerdings deutlich schwächer. Kritiker bemängeln insbesondere den hohen Kaufpreis, immerhin zahlt der Walldorfer Softwarekonzern das Neunfache des zu erwartenden Umsatzes für das kommende Jahr. Zum Vergleich: Bei der Übernahme von SucessFactors Ende 2011 hatte SAP das 8,1-fache des zu erwartenden Umsatzes gezahlt, bei Business Objects waren es nur das 3,2-fache.

Es geht vor allem um Wachstum in der Cloud
Congur dürfte im laufenden Fiskaljahr 2014, das im September endet, etwa 700 Mio. Dollar umsetzen, im Fiskaljahr 2015 dürfte die Umsatzmarke von 850 Mio. Dollar fallen. Zudem ist Concur auf Non-GAAP-Basis bereits profitabel und betreut mit 4.200 Mitarbeitern 23.000 Kunden weltweit.

Bei der Übernahme geht es vor allem um mehr Wachstum in der Cloud. Durch die Concur-Übernahme avanciert SAP mit 50 Mio. Cloud-Nutzern mit einem Schlag zum weltweit zweitgrößten Cloud-Konzern nach Umsatz und lässt damit Rivalen wie Oracle hinter sich.

Marktführer bei Reiseausgaben bei Geschäftsreisenden
Im Interview mit Bloomberg TV erläutert SAP CEO Bill McDermott die Motivation für den Zukauf. Concur ist der unbestrittene Marktführer im sogenannten Markt für Travel und Expense (T&E) Management, der auf etwa 1,2 Billionen US-Dollar weltweit taxiert wird. Dabei geht es um Reisebuchungen für Geschäftsreisende und Ausgaben-Management. Es gibt praktisch keine Nummer zwei in diesem Markt, das Marktsegment wird de facto von Concur beherrscht.

Zudem sieht McDermott eine Reihe von Synergieeffekten, vor allem im Vertrieb und im Marketing. Concur ist mit Vertriebspersonal in zehn Ländern vertreten, SAP ist mit seinem Vertriebsteam in 190 Ländern am Start. Die Mehrheit der SAP-Kunden kennt Concur-Lösungen noch nicht, während nur 30 Prozent der Concur-Kunden derzeit SAP-Software nutzen.

SAP avanciert zum Business Netzwerk in der Cloud
Hieraus ergibt sich viel Raum für Cross-Selling-Möglichkeiten und weiteres Wachstum, glaubt McDermott. Durch die Kombination mit der In-Memory-Datenbank HANA könnten zudem weitere neue Geschäftsmodelle rund um Concur entwickelt werden, so der SAP-Chef.

Zusammen mit der übernommenen Ariba, Fieldglass und Concur sieht sich SAP nunmehr als unangefochtener Marktführer im Bereich Business Netzwerke. Nunmehr muss SAP dies noch in Bilanzzahlen ummünzen, dann dürften auch die Aktionäre wieder zufrieden sein.

Kurzportrait

Das im Jahre 1972 ins Leben gerufene und in Walldorf ansässige Softwarehaus SAP AG stieg in den 80er und 90er Jahren zum weltweit führenden Anbieter im Bereich ERP-Software (Enterprise Resource Planning) auf.

Diese Unternehmenssoftware erlaubt es Firmenkunden wichtige Daten im Bezug auf Geschäftsprozesse (Produktion, Buchhaltung, Personalverwaltung und Vertrieb) innerhalb eines Unternehmens im Auge zu behalten und Geschäftsabläufe zu optimieren. Heute setzen bereits mehr als 250.000 Unternehmen in über 180 Ländern weltweit auf SAP-Software.

Mit NetWeaver will sich SAP weitere Geschäftsmöglichkeiten im Integrationsmarkt und im Markt für Application-Server erschließen. Mit der In-Memory-Datenbank HANA will SAP das Analysieren großer Datenvolumina binnen Sekunden ermöglichen. Im Bereich elektronische Beschaffungssysteme gründete SAP gemeinsam mit Siemens, Bosch, INA, Continental AG und ZF Friedrichshafen das Joint-Venture SupplyOn AG.

Um die einzelnen Märkte, wie IT-Services und elektronische Beschaffungssysteme effektiv bearbeiten zu können, gründete SAP bereits 1997 die Tochterfirma SAP SI. Später wurde SAP SI wieder in den Konzern rückintegriert. Im Frühjahr 2007 kaufte SAP den norwegischen Softwarehersteller MaXware sowie die finnische Wicom Communications. Im Bereich Business Intelligence verstärkte sich SAP durch die Übernahme von OutlookSoft und Pilot Software. Nach der Übernahme seines Partners SAP Arabia schluckte SAP im Herbst 2007 den französischen Analysesoftwarehersteller Business Objects. Im Frühjahr 2010 kaufte SAP den US-Softwarespezialisten Sybase. Ende 2011 übernahm SAP den Cloud-Spezialisten SucessFactors, gleichzeitig wurde die Steeb Anwendungssysteme GmbH abgestoßen. Im Herbst 2012 kaufte SAP den US-Softwarekonzern Ariba. Mitte 2013 kaufte SAP den Logistik-Management-Spezialisten Hybris AG. Zudem wurden im Cloud-Bereich mit Fieldglass und SeeWhy weitere Cloud-Spezialisten dazu gekauft. Im Herbst 2014 folgte mit Concur Technologies die bislang größte Übernahme in der SAP-Firmengeschichte.

Markt und Wettbewerb

Meldung gespeichert unter: Cloud Computing

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