SAP goes mobile - neue Einheit gegründet

Freitag, 8. Oktober 2010 13:15
SAP Unternehmenslogo

(IT-Times) - Nachdem Abschluss der übernommenen Sybase blickt der Walldorfer Softwarekonzern SAP AG (NYSE: SAP, WKN: 716460) wieder optimistisch in die Zukunft. Mobile Endgeräte haben sich zum Desktop entwickelt, was man auch bei SAP erkannt hat.

Um die Wachstumschancen in diesem Markt zu nutzen, hat SAP nunmehr die Mobile Business Unit gegründet, in der das Unternehmen die beiden SAP- und Sybase-Teams, die für die Entwicklung von On-Demand-Anwendungen verantwortlich zeichnen, zusammenfasst.

Das Unternehmen will eine Entwicklungsplattform für mobile Anwendungen entwickeln, die gemeinsam mit einem entsprechenden Software Development Kit (SDK) in 2011 auf den Markt kommen soll. Damit sollen Anwender Zugriff auf Anwendungen und Daten von SAP von unterwegs aus erhalten. Man will jedoch keine geschäftskritischen Anwendungen auf mobile Endgeräte bringen, sondern durch Innovationen den Zugriff auf zentrale Unternehmensanwendungen ermöglichen, erklärt SAP-Co-Chef Bill McDermott gegenüber dem Branchendienst Silicon.de.

Die Softwarebranche steht vor einem signifikanten Wandel. Zum einen greifen immer mehr Endanwender über die Cloud bzw. über das Internet auf zentral gelagerte Anwendungen zu. Zum anderen gewinnen mobile Geschäftsanwendungen immer mehr an Bedeutung, wodurch gleichzeitig auch neue Anforderungen im Hinblick auf die Sicherheit entstehen. SAP wird also selbst als Aufkäufer weiterhin in Erscheinung treten müssen, um sich im weltweiten Softwaremarkt zu behaupten.

SAP - Fusionskandidat oder Konsolidierer?
Sollte dies nicht gelingen, droht SAP selbst die Übernahme durch einen größeren Branchen-Player, wie jüngst SAP-Mitgründer Klaus Tschira in einem Interview mit der Wirtschaftswoche andeutete. Denkbare Aufkäufer wären laut Tschira IBM und Microsoft.

Der Redmonder Softwarekonzern hatte im Jahr 2003 schon einmal eine Übernahme von SAP erwogen, diese Pläne aber wegen kartellrechtlicher Bedenken verworfen. Vor den gleichen Problemen dürfte Microsoft auch heute stehen.

IBM gilt daher als wahrscheinlichster Kandidat, zumal IBM Senior Vizepräsident Mike Rhodin im Rahmen der Industriekonferenz in Barcelona jüngst nochmals andeutete, dass IBM weiter zukaufen wolle. Allerdings müsste auch IBM bei einem SAP-Börsenwert von rund 60 Mrd. Dollar tief die in die Tasche greifen - derzeit eher unwahrscheinlich.

Wahrscheinlicher ist dagegen, dass die Übernahme von Sybase nicht der letzte Milliardenzukauf von SAP gewesen ist. Gerüchten zufolge soll SAP schon an dem US-Softwarespezialisten Tibco Software dran sein…

Kurzportrait

Das im Jahre 1972 ins Leben gerufene und in Walldorf ansässige Softwarehaus SAP AG stieg insbesondere in den 80er und 90er Jahren zum weltweit führenden Anbieter im Bereich ERP-Software (Enterprise Resource Planning) auf.

Diese Unternehmenssoftware erlaubt es Firmenkunden wichtige Daten im Bezug auf Geschäftsprozesse, wie der Produktion, Buchhaltung, Personalverwaltung und Vertrieb innerhalb eines Unternehmens im Auge zu behalten und Geschäftsabläufe zu optimieren. Heute setzen bereits mehr als 22.000 Unternehmen in mehr als 120 Ländern weltweit auf Software aus dem Hause SAP.

Mit dem Einzug des Internet ergänzte auch SAP sein Produktangebot entsprechend und bietet neben seinem Internet-Portal mySAP.com mit der komplexen Softwarereihe mySAP Business Suite sowohl Lösungen rund um elektronische Beschaffungssysteme (Supply Chain Management) als auch Kundenmanagement (Customer Relationship Management) an.

Um die einzelnen Märkte, wie IT-Services und elektronische Beschaffungssysteme effektiv bearbeiten zu können, gründete SAP 1997 die Tochterfirma SAP SI. SAP SI wuchs in der Vergangenheit wiederum durch die Übernahme von Prescient Consulting. Später wurde SAP SI wieder in den Konzern rückintegriert. Anfang 2005 übernahm SAP den Softwaredienstleister TomorrowNow. Zudem kaufte SAP mit der kanadischen Triversity und der amerikanischen Khimetrics zwei weitere Softwarespezialisten. Im Frühjahr 2006 übernahm SAP zudem den Softwareanbieter Virsa Systems sowie den Softwarespezialisten Frictionless Commerce. Mitte 2006 wurde der Softwarespezialist Praxis Software übernommen. Im Frühjahr 2007 kaufte SAP den norwegischen Softwarehersteller MaXware sowie die finnische Wicom Communications. Im Bereich Business Intelligence verstärkte sich SAP durch die Übernahme von OutlookSoft und Pilot Software. Nach der Übernahme seines Partners SAP Arabia schluckte SAP im Herbst 2007 den französischen Analysesoftwarehersteller Business Objects. Im Frühjahr 2010 kaufte SAP den US-Softwarespezialisten Sybase. Zuvor hatte SAP bereits den langjährigen Kooperationspartner TechniData geschluckt. Im Herbst 2010 gründete SAP anschließend die Mobile Business Unit.

Im Bereich elektronische Beschaffungssysteme gründete SAP gemeinsam mit Siemens, Bosch, INA, Continental AG und ZF Friedrichshafen das Joint-Venture SupplyOn AG. Während SAP acht Prozent an dem Unternehmen beteiligt ist, hält der Autozulieferer Bosch mit 30 Prozent den Löwenanteil an diesem Projekt. Mit seiner neuesten Version von NetWeaver will sich SAP weitere Geschäftsmöglichkeiten im Integrationsmarkt und im Markt für Application-Server erschließen. Mit dem Projekt „Business By Design“ will sich SAP stärker im Mittelstand und im Markt für Cloud-basierte Angebote engagieren.

Zahlen

Wie SAP mitteilte, erzielt der Softwarehersteller im zweiten Quartal 2010 einen Gesamtumsatz von 2,89 Mrd. Euro und somit zwölf Prozent mehr als im Vorjahresquartal (2,58 Mrd. Euro). Ohne Wechselkurseinflüsse liegt die Steigerung bei fünf Prozent. Bei den Software- und softwarebezogenen Serviceerlösen konnten die Walldorfer um 16 Prozent auf 2,26 Mrd. Euro zulegen (Vorjahresquartal: 1,95 Mrd. Euro). Die Softwareerlöse allein trugen 637 Mio. Euro zum Gesamtumsatz bei. Damit konnte dieser Bereich eine Umsatzsteigerung von 17 Prozent erzielen.

Beim Betriebsergebnis meldete SAP ein Wachstum um 21 Prozent auf 774 Mio. Euro. Im zweiten Quartal 2009 hatte das Unternehmen ein operatives Ergebnis von 641 Mio. Euro eingefahren. Auch hier konnte SAP von Wechselkurseinflüssen profitieren. Ohne diese ergab sich eine Steigerung des Betriebsergebnisses um fünf Prozent. Zugleich kletterte die operative Marge im selben Zeitraum von 24,9 auf 26,7 Prozent. Unterm Strich beendete das Softwareunternehmen das zweite Quartal 2010 mit einem Gewinn von 491 Mio. Euro, der somit 15 Prozent über dem Vorjahreswert von 426 Mio. Euro lag. Unverwässert ergab sich ein Ergebnis je Aktie von 0,41 Euro (2009: 0,36 Euro).

Meldung gespeichert unter: SAP

© IT-Times 2016. Alle Rechte vorbehalten.

Unternehmen / Branche folgen
Unsere Nachrichten auf Ihrer Website

Sie haben die Möglichkeit, mit unserem Webmaster-Nachrichten-Tool die Nachrichten von IT-Times.de kostenlos auf Ihrer Internetseite einzubauen.

Zugeschnitten auf Ihre Branche bzw. Ihr Interesse.

Unternehmen / Branche folgen
Unsere Nachrichten auf Ihrer Website

Sie haben die Möglichkeit, mit unserem Webmaster-Nachrichten-Tool die Nachrichten von IT-Times.de kostenlos auf Ihrer Internetseite einzubauen.

Zugeschnitten auf Ihre Branche bzw. Ihr Interesse.

Folgen Sie IT-Times auf ...