Roth & Rau will weiter expandieren - Wachstum oberste Priorität

Donnerstag, 8. April 2010 12:56
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(IT-TIMES) - Auch der in Sachsen ansässige Spezialmaschinenbauer und Solarausrüster Roth & Rau AG (WKN: A0JCZ5) hat die angekündigte Übernahme des niederländischen Konkurrenten OTB Solar - dank Kapitalerhöhung - erfolgreich hinter sich gebracht.

Durch den Zukauf stärkt das Unternehmen seine Marktposition im Markt für die Herstellung kristalliner Silizium-Solarzellen und Turnkey-Anlagen. Die Einheit OTB Printing/PixDro ist zudem im Bereich Tintenstrahldruck-Anwendungen tätig, einem Technologiebereich der künftig noch eine große Rolle bei der Beschichtung von neuartigen Solarzellen spielen könnte.

Daneben soll OTB Solar im laufenden Jahr bereits 45 bis 55 Mio. Euro zum Umsatz beisteuern, wobei das Management weitere Zukäufe andeutet. Man sondiere weiterhin den Markt nach attraktiven Übernahmezielen, heißt es aus dem Unternehmen, um sein Produkt- und Technologieportfolio weiter zu stärken. Oberste Priorität habe derzeit die Finanzierung weiteren Wachstums, lässt Firmenchef Dietmar Roth durchblicken.

Wenngleich Roth & Rau im laufenden Jahr wieder mit einem deutlichen Wachstum rechnet, bleibt man im Analystenlager mehrheitlich zurückhaltend. Bei der WestLB verweist man unter anderem auf den schwachen Auftragseingang. Das Verhältnis zwischen Auftragseingang und Umsatz sei niedriger als eins, was nicht gerade auf ein fulminantes Wachstum hindeute, heißt es bei der WestLB.

Unsicherheit bei der Auftragslage bleibt
Tatsächlich rechnet Roth & Rau Finanzchef Carsten Bovenschen in diesem Jahr mit neuen Bestellungen im Wert von mindestens 200 Mio. Euro - eine nur leichte Verbesserung gegenüber dem Vorjahr. Hintergrund dürfte die anhaltende Unsicherheit über die Finanzierung von solaren Großprojekten sowie über das Geschäft im zweiten Halbjahr 2010 sein, nachdem die Förderung von Solaranlagen in Deutschland zur Jahresmitte drastisch gesenkt werden soll. Da Deutschland der bislang größte Solarmarkt ist, könnte sich dies auch auf die Geschäfte der Zulieferer auswirken.

Zwar wollen chinesische Anbieter weiter kräftig ihre Kapazitäten ausbauen, doch könnte die Euphorie ein schnelles Ende finden, sollten die Preise für Solarzellen und Module im zweiten Halbjahr erneut unter Druck geraten. Viele andere Hersteller außerhalb Chinas bleiben daher vorsichtig, um Fehler der DRAM-Industrie zu vermeiden. Durch einen massiven Kapazitätsausbau waren die DRAM-Preise zur Mitte des vergangenen Jahrzehnts ins Bodenlose gefallen. Erst langsam erholt sich die Industrie wieder von dieser Fehleinschätzung…

Kurzportait
Die in Hohenstein-Ernstthal ansässige Roth & Rau entwickelt und fertigt Komponenten und Prozessanlagen für plasma- und ionenstrahlgestützte Verfahren der Dünnschicht- und Oberflächentechnik für den Einsatz in Produktion, Pilotfertigung und Forschung & Entwicklung in den verschiedensten industriellen Branchen. Vor allem in der Photovoltaik ist Roth & Rau AG ein international agierender Anbieter von Plasmaprozesssystemen für die Photovoltaikindustrie. Der Geschäftsbereich Photovoltaik trug im Geschäftsjahr 2008 mehr als 90 Prozent zum Unternehmensumsatz bei. In diesem Segment stellen Produktionsanlagen für Antireflexbeschichtungen (PECVD-Anlagen) für kristalline Silizium-Solarzellen ein Kernprodukt von Roth & Rau dar. Ferner konzipiert und installiert Roth & Rau als Generalunternehmer in Kooperation mit Partnern aus Forschung und Industrie unter der Bezeichnung ASCM (Advanced Solar Cell Manufacturing) international automatisierte Produktionslinien für die industrielle Fertigung von kristallinen Silizium-Solarzellen (Turnkey-Produktionslinien). Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Fertigung von Anlagen für die Beschichtung von Dünnschichtsolarmodulen mit leitfähigen transparenten Oxidschichten (TCO), die in Kooperation mit dem schweizerischen Unternehmen OC Oerlikon Balzers AG erfolgt.

Im Geschäftsbereich Plasma- und Ionenstrahltechnologie produziert Roth & Rau maßgeschneiderte Prozesssysteme für plasma- und ionenstrahlgestützte Dünnschicht- und Oberflächenbearbeitungsverfahren. Kunden sind insbesondere Unternehmen der Halbleiter- und der Automobilindustrie, Forschungs- und Entwicklungsabteilungen verschiedener anderer industrieller Branchen einschließlich der Photovoltaik sowie Forschungsinstitute und Universitäten.

Roth & Rau unterhält mehrere Beteiligungen. So verfügt das Unternehmen über vier Auslandsgesellschaften: Die Roth & Rau Shanghai Trading Ltd., die Roth & Rau Switzerland AG, die Roth & Rau USA Inc, die Roth & Rau Italy, die Roth & Rau Singapore, Roth & Rau Korea, Roth & Rau Australia, die Roth & Rau India befinden sich jeweils zu 100 Prozent im Besitz des Roth & Rau-Konzerns. Auch die Muegge-electronic GmbH, die Roth & Rau Microsys GmbH und die Roth & Rau Dünnschicht Solar GmbH befinden sich zu 100 Prozent im Firmenbesitz. Zusätzlich ist man noch mit 51 Prozent an der SLS Solar Line GmbH beteiligt. SLS Solar Line ist ein Gemeinschaftsunternehmen mit der USK Karl Utz Sondermaschinen GmbH zur Herstellung von Automatisierungsanlagen für die Solarzellenfertigung. In 2008 verstärkte sich Roth & Rau durch die Übernahme des Softwarespezialisten AIS Automation. Anfang 2009 erfolgte die Übernahme der CTF Solar GmbH sowie der Ortner cleanroom logistic systems GmbH (heute Roth & Rau Ortner). Mitte 2009 verstärkte sich Roth & Rau durch die Übernahme des US-Spezialisten Romaric Corp. Im Februar 2010 erwarb Roth & Rau die Solar-Aktivitäten der OTB Group für 35,5 Mio. Euro.

Roth & Rau wurde 1990 gegründet und brachte ein Jahr später als erstes Produkt Komponenten zur Erzeugung von Plasma auf den Markt. Nachdem in den Folgejahren der Schwerpunkt auf der Fertigung von kompletten Plasma- und Ionenstrahlungsprozesssystemen lag und die Expansion ins Ausland (Asien und USA) vorangetrieben wurde, konzentriert sich das Unternehmen seit 2002 strategisch auf den Geschäftsbereich Photovoltaik. Im Jahr 2005 wurde nach eigenen Angaben die Marktführerschaft bei PECVD-Anlagen für die Siliziumnitrid-Antiflexbeschichtung von Solarzellen übernommen. Ein Jahr später erfolgte der Börsengang des Unternehmens. Seither wurde die Belegschaft auf mehr als 200 Mitarbeiter verdoppelt.

Sowohl im operativen Geschäft als auch an der Börse konnte das Unternehmen seither rasant wachsen. Im Zuge der in 2008 abgeschlossenen Bezugsrechtskapitalerhöhung erfolgte der Wechsel aus dem Entry Standard in den Prime Standard, der die Grundlage für die Aufnahmen in den TecDAX bildete.

Zahlen
Der Umsatz lag mit lag mit 197,9 Mio. Euro deutlich unter dem Vorjahreswert von 272,1 Mio. Euro. Es wurde ein EBIT (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) von 16,1 Mio. Euro verbucht, 2008 waren es 28,5 Mio. Euro. Die EBIT-Marge verringerte sich indessen von 10,5 Prozent auf 8,1 Prozent. Damit entsprachen die Ergebnisse der Prognose aus dem November 2009. Roth & Rau erwirtschaftet ein Konzernergebnis von 12,9 Mio. Euro nach 23 Mio. Euro in 2008. Dies resultierte in einem Ergebnis je Aktie von 94 Cent (Vorjahr: 1,82 Euro).

Meldung gespeichert unter: Roth & Rau

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