Roth & Rau vor schwierigem Jahr - Unsicherheit über weitere Auftragsentwicklung belastet

Montag, 15. November 2010 13:43
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(IT-TIMES) - Der deutsche Spezialmaschinenbauer und Solarausrüster Roth & Rau AG (WKN: A0JCZ5) schockte zuletzt die Märkte mit einer heftigen Gewinnwarnung, worauf die Aktien des Unternehmens deutlich einbrachen. Der Grund: Auftragsausfälle und Projektverzögerungen in Spanien und Indien haben für einen Wertberichtigungsbedarf in Höhe von 8,5 Mio. Euro im dritten Quartal geführt.

Zu lasche Konditionen - Roth & Rau zahlt Leergeld
Roth & Rau Finanzchef Carsten Bovenschen räumt dann auch Fehler bei den Vertragsabschlüssen ein. Zwar habe man Anzahlungen von Kunden erhalten, Vertragspartner hielten sich aber anschließend nicht mehr an die Zahlungskonditionen. Aus diesen Fehlern will man in Zukunft lernen, so Bovenschen gegenüber der Presse.

Tatsächlich sitzt Roth & Rau auf einen Auftragsbestand von knapp 400 Mio. Euro, wobei diese Aufträge zu anderen Vertragsbedingungen abgeschlossen wurden, spielt man bei Roth & Rau die Befürchtungen über weitere Auftragsausfälle herunter. Zudem hätte sich das Geschäft bei der im Frühjahr 2010 übernommenen OTB Solar gut entwickelt. Statt 50 Mio. Euro werde OTB Solar in diesem Jahr schon 80 Mio. Euro zum Gesamtumsatz beisteuern, heißt es aus dem Management.

Analysten wie Bankhaus Lampe-Experte Frank Neumann sehen die Probleme aber nicht nur bei Auftragsausfällen, sondern auch im Zusammenhang mit der Integration der übernommenen OTB Solar, die nicht ganz reibungslos verlaufe. Auch die Kosten für die Dünnschicht-Technik würden das Ergebnis belasten, so der Analyst. Die Analysten bei der Deutschen Bank erwarten auch in 2011 weitere Auftragsverzögerungen und sehen Risiken für weitere Auftragsausfälle.

Hintergrund ist der zunehmende Wettbewerb in der Solarbranche, der insbesondere asiatische Hersteller dazu gezwungen hat, ihre Anlagen auf den neuesten Technikstand zu bringen. Von diesem Modernisierungstrend haben bislang Anlagenbauer wie centrotherm und Roth & Rau profitiert.

Hohe Abhängigkeit vom Asiengeschäft - Nachfrageeinbruch in 2011?
Nachdem die Solarbranche in diesem Jahr vor allem von Vorzieheffekten profitierte, dürfte der Nachfrageboom im nächsten Jahr 2011 aber zu Ende gehen, glauben zumindest die Marktforscher aus dem Hause IMS Research, die im Jahr 2011 nur noch mit einem Zuwachs bei den Installationen von weniger als zehn Prozent rechnen. Dementsprechend dürfte auch der Bedarf an neuen Anlagen zur Herstellung von Solarzellen- und Modulen zurückgehen, nachdem insbesondere chinesische Anbieter wie Suntech und JA Solar ihre Produktionskapazitäten zum Teil schon deutlich erweitert haben. Ein Nachfrageeinbruch in Asien wäre für Roth & Rau besonders bitter, erzielt das Unternehmen inzwischen knapp 80 Prozent seiner Umsätze in dieser Region?

Kurzportait
Die in Hohenstein-Ernstthal ansässige Roth & Rau entwickelt und fertigt Komponenten und Prozessanlagen für plasma- und ionenstrahlgestützte Verfahren der Dünnschicht- und Oberflächentechnik für den Einsatz in Produktion, Pilotfertigung und Forschung & Entwicklung in den verschiedensten industriellen Branchen. Vor allem in der Photovoltaik ist Roth & Rau AG ein international agierender Anbieter von Plasmaprozesssystemen für die Photovoltaikindustrie. Der Geschäftsbereich Photovoltaik trug im Geschäftsjahr 2008 mehr als 90 Prozent zum Unternehmensumsatz bei. In diesem Segment stellen Produktionsanlagen für Antireflexbeschichtungen (PECVD-Anlagen) für kristalline Silizium-Solarzellen ein Kernprodukt von Roth & Rau dar. Ferner konzipiert und installiert Roth & Rau als Generalunternehmer in Kooperation mit Partnern aus Forschung und Industrie unter der Bezeichnung ASCM (Advanced Solar Cell Manufacturing) international automatisierte Produktionslinien für die industrielle Fertigung von kristallinen Silizium-Solarzellen (Turnkey-Produktionslinien). Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Fertigung von Anlagen für die Beschichtung von Dünnschichtsolarmodulen mit leitfähigen transparenten Oxidschichten (TCO), die in Kooperation mit dem schweizerischen Unternehmen OC Oerlikon Balzers AG erfolgt.

Im Geschäftsbereich Plasma- und Ionenstrahltechnologie produziert Roth & Rau maßgeschneiderte Prozesssysteme für plasma- und ionenstrahlgestützte Dünnschicht- und Oberflächenbearbeitungsverfahren. Kunden sind insbesondere Unternehmen der Halbleiter- und der Automobilindustrie, Forschungs- und Entwicklungsabteilungen verschiedener anderer industrieller Branchen einschließlich der Photovoltaik sowie Forschungsinstitute und Universitäten.

Roth & Rau unterhält mehrere Beteiligungen. So verfügt das Unternehmen über vier Auslandsgesellschaften: Die Roth & Rau Shanghai Trading Ltd., die Roth & Rau Switzerland AG, die Roth & Rau USA Inc, die Roth & Rau Italy, die Roth & Rau Singapore, Roth & Rau Korea, Roth & Rau Australia, die Roth & Rau India befinden sich jeweils zu 100 Prozent im Besitz des Roth & Rau-Konzerns. Auch die Muegge-electronic GmbH, die Roth & Rau Microsys GmbH und die Roth & Rau Dünnschicht Solar GmbH befinden sich zu 100 Prozent im Firmenbesitz. Zusätzlich ist man noch mit 51 Prozent an der SLS Solar Line GmbH beteiligt. SLS Solar Line ist ein Gemeinschaftsunternehmen mit der USK Karl Utz Sondermaschinen GmbH zur Herstellung von Automatisierungsanlagen für die Solarzellenfertigung. In 2008 verstärkte sich Roth & Rau durch die Übernahme des Softwarespezialisten AIS Automation. Anfang 2009 erfolgte die Übernahme der CTF Solar GmbH sowie der Ortner cleanroom logistic systems GmbH (heute Roth & Rau Ortner). Mitte 2009 verstärkte sich Roth & Rau durch die Übernahme des US-Spezialisten Romaric Corp. Im Februar 2010 erwarb Roth & Rau die Solar-Aktivitäten der OTB Group für 35,5 Mio. Euro.

Roth & Rau wurde 1990 gegründet und brachte ein Jahr später als erstes Produkt Komponenten zur Erzeugung von Plasma auf den Markt. Nachdem in den Folgejahren der Schwerpunkt auf der Fertigung von kompletten Plasma- und Ionenstrahlungsprozesssystemen lag und die Expansion ins Ausland (Asien und USA) vorangetrieben wurde, konzentriert sich das Unternehmen seit 2002 strategisch auf den Geschäftsbereich Photovoltaik. Im Jahr 2005 wurde nach eigenen Angaben die Marktführerschaft bei PECVD-Anlagen für die Siliziumnitrid-Antiflexbeschichtung von Solarzellen übernommen. Ein Jahr später erfolgte der Börsengang des Unternehmens. Seither wurde die Belegschaft auf mehr als 200 Mitarbeiter verdoppelt.

Sowohl im operativen Geschäft als auch an der Börse konnte das Unternehmen seither rasant wachsen. Im Zuge der in 2008 abgeschlossenen Bezugsrechtskapitalerhöhung erfolgte der Wechsel aus dem Entry Standard in den Prime Standard, der die Grundlage für die Aufnahmen in den TecDAX bildete.

Zahlen
Für das vergangene dritte Quartal 2010 meldet Rau & Rau einen Umsatzanstieg um 65,8 Prozent auf 70,41 Mio. Euro. Für den Neunmonatszeitraum ergibt sich demnach ein Wachstum von 18,6 Prozent auf 189,24 Mio. Euro. Der Auslandsumsatzanteil hat sich dabei von 81,8 Prozent auf 92,9 Prozent erhöht, wobei auf Asien mit 79,2 Prozent der größte Umsatzanteil entfiel.

Meldung gespeichert unter: Roth & Rau

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