Rocket Internet - Absturz mit Ansage

Online-Handel - neue Firmen wie am Fließband?

Mittwoch, 8. Oktober 2014 14:54
Rocket Internet Logo

(IT-Times) - Der Fehlstart von Rocket Internet ist perfekt. Der Berliner Internetinkubator hatte die Euphorie rund um den Börsengang von Alibaba geschickt genutzt und war mit viel Vorschusslorbeeren an der Börse gestartet, schließlich will Rocket zum größten Online-Händler abseits der USA und China avancieren. Doch Erstzeichner sitzen inzwischen auf Kursverlusten von mehr als 20 Prozent.

Viele Anleger fragen sich nunmehr, ob die hohen Kursverluste dem allgemein schwachen Marktumfeld oder doch eher bei der hohen Bewertung des Unternehmens zu suchen sind?

Erstaunlich ist, dass beim Einstieg von United Internet Mitte August die Internet-Holding mit 4,3 Mrd. Euro bewertet wurde. Wenige Wochen später zum Börsengang wurde Rocket Internet bei einem Ausgabepreis von 42,50 Euro mit rund 6,7 Mrd. Euro bewertet - ein Bewertungsaufschlag von 55 Prozent binnen weniger Wochen.

Rocket Internet ist nicht Alibaba
Während Alibaba den chinesischen E-Commerce-Markt mit einem Marktanteil von 80 Prozent dominiert, im Online-Zahlungsmarkt aktiv ist und ansehnliche Gewinnmargen vorweisen kann, kann Rocket Internet keine derartig dominante Marktposition vorweisen.

Vielmehr hat Rocket Internet (WKN: A12UKK) ein einfaches wie durchschaubares Geschäftsmodell, die Berliner wollen etablierte Geschäftsideen kopieren und anschließend in Schwellenmärkte exportieren. Startup-Firmen sollen wie am Fließbank gegründet und in Windeseile hochgezogen werden. Diese Prozesse hat Rocket Internet inzwischen zur Perfektion gebracht, so dass vollständige Unternehmen binnen zwei Wochen erfolgreich gestartet werden können. Dabei sind sämtliche Bereiche wie Marketing, Geschäftsentwicklung, Personal-Recruiting und IT-Infrastruktur bis zum Äußersten durchoptimiert.

Durch ein Baukasten-Prinzip können Geschäftsmodelle über verschiedene Plattformen schnell skaliert werden. Werden vom Management Fehlentwicklungen festgestellt, wird umgehend reagiert.

Fragezeichen hinter der Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells
Doch die Sache hat einen Haken. Zur Jahrtausendwende war mit CMGI schon einmal ein Internet-Inkubator mit einem ähnlichen Geschäftsmodell angetreten, heute ist CMGI nicht mehr existent. Der Grund: Das Geschäftsmodell erfordert, dass es dem Internetinkubator stets und dauerhaft gelingt, Marktführer in den jeweiligen Marktsegmenten und Regionen hervorzubringen, um eine erfolgreiche Exit-Strategie zu realisieren. Nur dann lassen sich die hohen Investitionen wieder hereinholen.

Rocket Internet hat zwar bereits ansehnliche Erfolge mit seinen Start-ups erzielt, der richtig große Wurf war aber noch nicht dabei. Tatsächlich hat Rocket Internet trotz jahrelanger Investitionstätigkeit noch kein einziges (!) großes Unternehmen hervorgebracht, welches nachhaltig Gewinne schreibt.

Zudem schläft auch die Konkurrenz nicht. Amazon.com wird seine Größe und Finanzkraft nutzen, um in andere Kategorien und Regionen Fuß zu fassen. Gleiches wird auch die Alibaba Group versuchen. Rocket Internet könnte am Ende als großer Verlierer dastehen, denn Amazon.com und Alibaba treten vielfach mit einer starken Marke als eine Einheit auf, während Rocket Internet auf viele lokale Player setzt.

Kurzportrait

Die in Berlin ansässige Rocket Internet AG ist einer der weltweit führenden Internetinkubatoren. Das Unternehmen, welches im Jahr 2007 gegründet wurde, investiert in junge Start-up-Firmen, um diese zu Marktführern in lokalen Märkten aufzubauen.

Das Geschäftsmodell ist kein Produkt, sondern eine Investment-Philosophie. Das Unternehmen produziert de facto Firmen, die später mit Gewinn weiterverkauft werden oder selbst Gewinn erzielen. Als Vorbild dienen dabei Business-Modelle, die sich bereits bewährt haben. Rocket Internet versucht diese Business-Modelle in Schwellenländern zu exportieren.

Die eigentliche Leistung von Rocket Internet ist die Bereitstellung von Infrastrukturen (Büros, IT-Systeme, Marketing) für junge Start-up-Firmen. Gleichzeitig will Rocket Internet diesen Firmen den Zugang zu Investoren erleichtern. Im Mittelpunkt der Firmenstrategie steht jedoch eine erfolgreiche Exit-Strategie. Rocket Internet investiert vornehmlich nur in solche Unternehmen, die ein Umsatzpotenzial von mindestens 100 Mio. US-Dollar versprechen und in einem Markt mit einem Volumen von rund 1,0 Mrd. Dollar tätig sind.

Dabei konzentriert sich Rocket Internet auf drei Hauptsektoren: E-Commerce, Marktplätze und Finanztechnik. Seit 1999 wurden mehr als 100 Internet-Unternehmen in über 50 Ländern entwickelt.

Meldung gespeichert unter: E-Commerce

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