Research In (Slow) Motion - Wachstum gerät ins Stocken

Montag, 28. September 2009 13:20
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(IT-Times) - Nach einem enttäuschenden Ausblick brechen die Aktien des BlackBerry-Herstellers Research In Motion (Nasdaq: RIMM, WKN: 909607) um rund 17 Prozent ein. An der Wall Street sorgt man sich, dass die glorreichen Zeiten der Kanadier vorbei sind und sich das hohe Wachstum bei den neuen BlackBerry-Abonnenten dem Ende neigt.

Wettbewerb im Smartphone-Markt verschärft sich
Analysten verweisen auf den intensiveren Wettbewerb im Smartphone-Markt. Inzwischen konkurrieren die Kanadier nicht nur gegen Produkte von Nokia, Apple und Palm, sondern auch gegen asiatische Hersteller wie HTC. Grund ist der Vorstoß des Suchmaschinenspezialisten Google, der mit seinem Handy-Betriebssystem Android die Tür für alternative Hersteller weit aufgestoßen hat. Needham & Co Analyst Charles Wolf rechnet daher schon in diesem Herbst mit einer regelrechten Invasion neuer Android-Handys auf den Smartphone-Markt.

Diese Produktoffensive könnte zu Lasten der Kanadier gehen, glauben Marktbeobachter wie Goldman Sachs Analystin Simona Jankowski. Die Analystin geht davon aus, dass RIM seinen Marktanteil von 50 Prozent im nordamerikanischen Smartphone-Markt nicht verteidigen kann. Auch im internationalen Geschäft mussten die Kanadier einen Dämpfer einstecken. Im zweiten Quartal in Folge gingen hier die Erlöse im Vergleich zum Vorquartal zurück.

Profitierte RIM in der Vergangenheit noch von seinem extensiven weltweiten Vertriebsnetz, dass sich auf über 500 Mobilfunk-Carrier und Vertriebspartner auf rund 170 Länder weltweit erstreckt, hat die Konkurrenz inzwischen nachgezogen. Insbesondere Apple setzt nicht mehr auf exklusive Vertriebsverträge, sondern holt sich weitere Vertriebspartner mit ins Boot.

Preise für Smartphones sinken deutlich
Der intensivere Wettbewerb wirkte sich auch auf die Preise aus. So sanken die durchschnittlichen Verkaufspreise für die BlackBerrys im jüngsten Quartal auf 345 US-Dollar, nach 357 Dollar im Vorquartal. Im laufenden Novemberquartal rechnet RIM mit einem weiteren Rückgang der durchschnittlichen Verkaufspreise auf dann 320 US-Dollar.

RIM Co-Chef Jim Balsillie führt den Rückgang bei den Verkaufspreisen auf den Erfolg des BlackBerry 8520 zurück, welches im unteren Preissegment angesiedelt ist und über den Einzelhändler Wal-Mart verkauft wird. Mit neuen und teuren Geräten im high-end Bereich will der RIM-Manager den Preisrückgang im laufenden Quartal aufhalten.

Ob dies gelingt, wird in Analystenkreisen bezweifelt. RIM-Konkurrent Palm schickt mit dem Pixi eine Billig-Version seines Verkaufsschlagers ins Rennen. Auch sonst dürften die Preise dank der zunehmenden Konkurrenz weiter nach unten tendieren, glaubt Pacific Crest Analyst James Faucette, der mit einem weiteren Margendruck bei RIM rechnet…

Kurzportrait

Die im Jahre 1984 in Waterloo/Kanada gegründete Research In Motion (RIM) gilt heute als einer der führenden Anbieter von Smartphones. Das im kanadischen Ontario ansässige Unternehmen konnte sich durch seinen Email-Pushservice BlackBerry einen Namen nicht nur in Nordamerika machen. Mit dem BlackBerry können Nutzer an einen beliebigen Ort Emails empfangen, bearbeiten und versenden. RIMs kleines Kommunikationswunder wird derzeit bereits von mehr als 500.000 Organisationen und mehr als 21 Mio. Kunden in über 150 Ländern weltweit eingesetzt. Durch neue Produkte (BlackBerry Storm, BlackBerry Bold, BlackBerry Pearl Flip) will das Unternehmen auch von neuen und schnellen Mobilfunknetzstandards profitieren und seine Marktposition entsprechend sichern. So brachte das Unternehmen mit dem BlackBerryStorm im Jahr 2008 sein erstes Touchscreen-Smartphone auf den Markt.

Nach der Expansion in europäische und asiatisch-pazifische Märkte, will das Unternehmen vor allem in China und Indien weiter wachsen. Durch ein Abkommen mit der ägyptischen Orascom Holdings ist RIM auch in den Märkten des Mittleren Ostens präsent. Durch Kooperationen mit zahlreichen ausländischen Carrier-Partnern geht die Internationalisierung weiter. Im Mittelpunkt der Expansionsbemühungen stand zuletzt nicht nur Europa, sondern insbesondere auch Asien. Im Frühjahr 2006 verstärkten sich die Kanadier durch die Übernahme des kalifornischen Softwarespezialisten Ascendent Systems. Ende 2008 gab RIM die Übernahme des kanadischen Spezialisten Chalk Media bekannt. Im März 2009 übernahm RIM schließlich den kanadischen Sicherheitsspezialisten Certicom.

Neben dem Handheld-Computer BlackBerry bietet das Unternehmen aber auch PC-Steckkarten für Laptops und PDAs an. Entsprechende Softwarelösungen rund um die angebotene Hardware ergänzen das Produktportfolio der Kanadier. RIM vertreibt seine Produkte sowohl direkt an Herstellerfirmen, als auch über ein Händlernetz und Carrier wie Hutchison Telecommunications, Cingular und Motient. Zu den namhaften Vertriebspartnern zählen neben AT&T Wireless, auch T-Mobile, Vodafone und Sprint Nextel. Zu den Kunden der Kanadier zählen darüber hinaus Technologiefirmen wie AT&T, Dell, Intel, Panasonic und IBM. Das RIM-Führungsduo bestehend aus Jim Balsillie und Mike Lazaridis hielt zuletzt noch eine Minderheitsbeteiligung an der Gesellschaft.

Zahlen

Für das vergangene zweite Fiskalquartal 2010 meldet der BlackBerry-Hersteller einen Umsatzanstieg um 37 Prozent auf 3,53 Mrd. US-Dollar, nach Einnahmen von 2,58 Mrd. Dollar im Jahr vorher. Der Gewinn schrumpfte allerdings leicht um vier Prozent auf 475,6 Mio. Dollar oder 83 US-Cent je Aktie. Hintergrund waren unter anderem Aufwendungen im Zusammenhang mit der Beilegung eines Patentstreits.

Ausgenommen dieser Sonderbelastungen konnte RIM einen Nettogewinn von 1,03 Dollar je Aktie realisieren und damit die Gewinnerwartungen übertreffen. Analysten hatten im Vorfeld nur mit einem Nettogewinn von 1,00 Dollar je Aktie, aber mit Einnahmen von 3,63 Mrd. Dollar gerechnet.

Die Kanadier konnten im vergangenen Quartal 3,8 Mio. neue BlackBerry-Abonnenten hinzugewinnen, womit sich die Gesamtzahl der Abonnenten zum Quartalsende auf 32 Mio. Teilnehmer summierte. Im jüngsten Quartal belief sich die Bruttomarge bei RIM auf 44,1 Prozent.

Meldung gespeichert unter: BlackBerry

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