Research In Motion weiter in der Defensive - ist der BlackBerry als Gerät am Ende?

Montag, 19. Dezember 2011 14:04
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(IT-Times) - Der BlackBerry-Hersteller Research In Motion (RIM) findet bislang nicht den Weg aus der Krise. Die Kanadier verlieren gegenüber iPhone und Android immer mehr an Boden im wichtigen Smartphone-Markt, den RIM einst mit seinen BlackBerry-Geräten dominierte.

Immer weniger BlackBerry-Geräte gehen über die Ladentheke. Für das laufende Weihnachtsquartal musste RIM (Nasdaq: RIMM, WKN: 909607) seine Prognosen nach unten korrigieren, wodurch etwa elf bis zwölf Millionen BlackBerrys zur Auslieferung kommen sollen - ein Minus von 26 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

BlackBerry 10 Modelle kommen später
Das Top-Management sucht verzweifelt nach einem Ausweg aus der Krise. Jeder Stein innerhalb des Unternehmens soll umgedreht werden, um den RIM-Tanker wieder flott zu machen. Große Hoffnungen setzt RIM auf seine neuen BlackBerry 10 Smartphone-Modelle, die im nächsten Jahr auf den Markt kommen werden. Allerdings kommen die neuen Modelle erst im zweiten Halbjahr 2012.

Auch das Tablet PC Geschäft läuft alles andere als rund. Im jüngsten Quartal konnte RIM gerade einmal 150.000 BlackBerry PlayBook Tablet PCs absetzen. Ein neues Betriebssystem für das Gerät (PlayBook 2.0) soll im Februar 2012 kommen, heißt es bei RIM.

Analysten und Marktbeobachter glauben, dass die Zeit für RIM längst abgelaufen ist. Die neuerlichen Verzögerungen im Bezug auf das neue QNX-Betriebssystem dürften den Wechsel von der BlackBerry-Plattform auf alternative Geräte (iPhone, Android) eher noch weiter beschleunigen.

Aktionäre fordern Abspaltung der Handy-Sparte
Nunmehr fordern erste Aktionäre, dass RIM sein BlackBerry-Hardwaregeschäft aufgeben soll, um das Überleben zu sichern. Von dieser Idee ist auch RBC Capital Markets Analyst Mike Abramsky angetan. Sollte RIM sein BlackBerry-Netzwerk für alle Handys öffnen und hierfür Managed Network Services anbieten, könnten die Kanadier den potentiellen Markt in etwa versechsfachen. Das Netzwerkgeschäft dürfte dabei Bruttomargen von 80 Prozent aufweisen, während das Handy-Geschäft zuletzt nur Margen von 20 bis 30 Prozent verzeichnete.

Allerdings droht RIM auch hier bald ein verschärfter Wettbewerb. Unternehmen wie Good Technology und die SAP-Einheit Sybase bieten Datenverschlüsselungstechniken und mobiles Daten-Management für iPhones und andere Geräte an - RIM muss sich also sputen, wollen die Kanadier nicht noch eine weitere Chance verstreichen lassen.

Kurzportrait

Die im Jahre 1984 in Waterloo/Kanada gegründete Research In Motion (RIM) gilt heute als einer der führenden Anbieter von Smartphones. Das im kanadischen Ontario ansässige Unternehmen konnte sich durch seinen Email-Pushservice BlackBerry einen Namen nicht nur in Nordamerika machen. Mit dem BlackBerry können Nutzer an einen beliebigen Ort Emails empfangen, bearbeiten und versenden. RIMs kleines Kommunikationswunder wird derzeit bereits von mehr als 70 Millionen Kunden in über 150 Ländern weltweit eingesetzt. Durch neue Produkte (BlackBerry Storm, BlackBerry Bold, BlackBerry Pearl Flip) will das Unternehmen auch von neuen und schnellen Mobilfunknetzstandards profitieren und seine Marktposition entsprechend sichern. So brachte das Unternehmen mit dem BlackBerryStorm im Jahr 2008 sein erstes Touchscreen-Smartphone auf den Markt.

Nach der Expansion in europäische und asiatisch-pazifische Märkte, will das Unternehmen vor allem in China und Indien weiter wachsen. Durch ein Abkommen mit der ägyptischen Orascom Holdings ist RIM auch in den Märkten des Mittleren Ostens präsent. Durch Kooperationen mit zahlreichen ausländischen Carrier-Partnern geht die Internationalisierung weiter. Im Mittelpunkt der Expansionsbemühungen standen zuletzt nicht nur Europa, sondern auch Asien und der Mittlere Osten. Im Frühjahr 2006 verstärkten sich die Kanadier durch die Übernahme des kalifornischen Softwarespezialisten Ascendent Systems. Anfang 2009 schloss RIM die Übernahme des kanadischen Spezialisten Chalk Media ab. Im März 2009 übernahm RIM den kanadischen Sicherheitsspezialisten Certicom. Mitte 2010 schluckte RIM von Harman International die Betriebssystem-Einheit QNX Software Systems, später folgte die Übernahe des Documents To Go Entwicklers DataViz. Zudem wurde Ende 2010 die schwedische The Astonishing Tribe (TAT) übernommen. Mitte 2011 wurde Scoreloop aufgekauft.

Neben dem Handheld-Computer BlackBerry bietet das Unternehmen aber auch PC-Steckkarten für Laptops und PDAs an. Entsprechende Softwarelösungen rund um die angebotene Hardware ergänzen das Produktportfolio der Kanadier. RIM vertreibt seine Produkte sowohl direkt an Herstellerfirmen, als auch über ein Händlernetz und Carrier wie Hutchison Telecommunications, Cingular und Motient. Zu den namhaften Vertriebspartnern zählen neben AT&T Wireless, auch T-Mobile, Vodafone und Sprint Nextel. Zu den Kunden der Kanadier zählen darüber hinaus Technologiefirmen wie AT&T, Dell, Intel, Panasonic und IBM. Das RIM-Führungsduo bestehend aus Jim Balsillie und Mike Lazaridis hielt zuletzt noch eine Minderheitsbeteiligung an der Gesellschaft.

Zahlen

Für das vergangene dritte Fiskalquartal 2012 meldet RIM einen Umsatzrückgang auf 5,17 Mrd. US-Dollar, nach Einnahmen von 5,5 Mrd. US-Dollar im Jahr vorher. Der angepasste Gewinn ging auf 667 Mio. US-Dollar 1,27 Dollar je Aktie zurück, womit RIM zumindest die Gewinnerwartungen der Analysten übertreffen konnte. Analysten hatten zwar mit Einnahmen von 5,27 Mrd. Dollar, aber nur mit einem Nettogewinn von 1,19 Dollar je Aktie gerechnet.

79 Prozent der Erlöse erwirtschaftete RIM im Hardwaregeschäft, 19 Prozent im Servicegeschäft und zwei Prozent durch Softwareverkäufe. Insgesamt brachte RIM im jüngsten Quartal 14,1 Millionen BlackBerrys zur Auslieferung, wobei gleichzeitig rund 150.000 BlackBerry PlayBook Tablets verkauft wurden. Daneben konnte RIM das Quartal mit 75 Millionen BlackBerry-Abonnenten beenden, ein Zuwachs von fünf Millionen Abonnenten gegenüber dem Vorquartal.

Im operativen Geschäft konnten die Kanadier im jüngsten Quartal einen positiven Cashflow von 895 Mio. Dollar erwirtschaften, womit sich die Barreserven zum Quartalsende auf 1,5 Mrd. Dollar summierten.

Meldung gespeichert unter: BlackBerry

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