Red Hat setzt Höhenflug weiter fort - Umsatzmilliarde geknackt

Dienstag, 3. April 2012 14:32
Red Hat

(IT-Times) - Die Aktien des Linux-Spezialisten Red Hat verzeichneten jüngst einen Kurssprung auf über 60 US-Dollar, womit der weltgrößte Linux-Distributor aktuell mit knapp 12 Mrd. US-Dollar an der Börse bewertet wird. Red Hat hatte im vergangenen Fiskaljahr 2012 erstmals die Umsatzmarke von einer Mrd. Dollar überschreiten können. Auch im laufenden Fiskaljahr 2013 dürfte Umsatz weiter zweistellig zulegen.

Das Management rund um CEO Jim Whitehurst ist zuversichtlich, dass Red Hat seinen bisherigen Erfolgskurs weiter fortsetzen kann. Passenderweise hierzu hat das Unternehmen ein neues Aktienrückkaufprogramm im Volumen von 300 Mio. Dollar aufgelegt. Den Grund für den Erfolg in den jüngsten Quartalen sieht der Red Hat Chef nicht zuletzt in der Expansion des Unternehmens in neue Märkte wie den Einzelhandelssektor, sowie in den Energie- und Gesundheitsbereich.

Wachstumschancen für Linux im Bankensektor
Wachstumschancen sieht Whitehurst für Linux außerdem noch im Bankenbereich. Zwar habe sich Red Hat (NYSE: RHT, WKN: 923989) mit seinen Linux-Lösungen bereits große Teile im Investmentbanking-Geschäft sichern können, im Retail Banking-Kerngeschäft laufen allerdings nach wie vor viele Systeme auf Unix, so der Red Hat-Chef.

Inzwischen ist Red Hats Betriebssystem auch eine Schlüsselkomponente in der Cloud Computing Evolution, die derzeit gerade in den Unternehmen stattfindet, glaubt Robert W. Baird Analyst Steven Ashley. Mehr und mehr Firmen würden auf Red Hat Lösungen setzen, da diese vergleichsweise kostengünstig und zudem kompatibel mit Software aus dem Hause VMware sind, so der Analyst.

Red Hat drängt in den Markt für Cloud-Speicher
Ende 2011 hatte sich Red Hat nochmals im Bereich Cloud Computing indirekt verstärkt und den Daten-Management-Experten Gluster übernommen. Die Übernahme wurde im Januar 2012 abgeschlossen, womit Red Hat seine Cloud Computing Strategie weiter ergänzt. Mit der Gluster-Technik will Red Hat Speicherfunktionen erweitern. Schon in den kommenden Monaten soll ein neues Speicher-Appliance (Softwareprogramm) auf den Markt kommen, welches jeden Server in ein Speichersystem verwandelt.

Die Technik dazu basiert auf dem Gluster File System, das bereits von namhaften Kunden wie dem führenden US-Internet-Radiosender Pandora Media verwendet wird. Gluster-Technik ist dazu ausgelegt, große unstrukturierte Datenmengen zu handeln und eignet sich daher ideal für große Cloud- und Internetfirmen - dieser Markt wird von Marktforschern auf vier Mrd. US-Dollar taxiert.

Kurzportrait

Die im Jahre 1994 von Bob Young und Marc Ewing gegründete Red Hat stieg innerhalb kurzer Zeit zum weltweit führenden Linux-Distributor auf. Verzeichnete die Linux-Gemeinde Anfang der 90er Jahre noch 1,5 Mio. Nutzer, kletterte die Zahl der Linux-Anhänger zur Jahrtausendwende auf weit mehr als 15 Mio. Linux-Anwender weltweit. Das Unternehmen vermarktet eine kommerzielle Version des frei verfügbaren Betriebssystems Linux, wobei das Unternehmen insbesondere über den zur Verfügung gestellten Support und Service Einnahmen erwirtschaftet. Das Geschäftsmodell basiert auf den Open-Source-Gedanken, wobei die freie Verfügbarkeit des Systems für Entwickler und Programmierer zur Verbesserung der Software beitragen soll. Schnelle und maßstabsetzende Innovationen sollen die Folge dieser Strategie sein.

Die Internet-Plattform rund um das Red Hat Network spielt im Zusammenhang mit dem Vertrieb eine tragende Rolle. Etwa ein Drittel der Bestellungen werden nach Red Hat-Angaben inzwischen über den Web-Store abgewickelt. So liefert das Unternehmen über das weltweite Datennetz nicht nur Updates und Patches zu seinen Produkten aus, sondern bietet auch technischen Support und andere Hilfsmittel über die Internet-Plattform an. Neben der neuesten Version von Red Hat Linux offeriert das Unternehmen auch zahlreiche Angebote für Firmenkunden. Neben Datenbank- und Management-Software stehen vor allem Serversoftware und Embedded Anwendungen für Mobilfunktelefone und Fax-Dienste im Mittelpunkt der Unternehmensstrategie. Subscription-Einnahmen aus dem Vertrieb des kommerziellen Betriebssystems trugen zuletzt mehr als die Hälfte der gesamten Umsatzerlöse der Gesellschaft.

In den vergangenen Jahren ist das Unternehmen vor allem auch durch zahlreiche Übernahmen gewachsen. Nach der Übernahme des Open-Source Pionier Cygnus im Jahre 2000, folgten im selben Jahr die Übernahme von Hells Kitchen Systems, Bluecurve, WireSpeed Communications, sowie der Zukauf von C2Net. Um sein E-Commerce Softwareangebot zu ergänzen kaufte Red Hat Anfang 2001 den Anbieter Akopia auf. Später kaufte Red Hat den Speicherspezialisten Sistina Software. Im Juni 2006 übernahm Red Hat den Open-Source-Softwarehersteller JBoss. Mitte 2007 übernahm Red Hat Vermögenswerte des Integrationsspezialisten MetaMatrix. Im Frühjahr 2008 wurde der Middleware-Spezialist und IT-Berater Amentra übernommen. Später erstärkte sich Red Hat durch die Übernahme des Virtualisierungsspezialisten Qumranet. Nachdem Ende 2010 der Spezialist Makara übernommen wurde, kaufte Red Hat im Herbst 2011 den Speicherspezialisten Gluster.

Heute ist Red Hat mit Hauptsitz in Raleigh mit mehr als 55 Niederlassungen weltweit vertreten und arbeitet mit zahlreichen Technologiefirmen, darunter mit Dell Computer, Intel und vor allem mit IBM zusammen.

Zahlen

Für das vergangene Februarquartal meldet Red Hat einen Umsatzanstieg um 21 Prozent auf 297 Mio. US-Dollar, nach Einnahmen von 244,8 Mio. Dollar in der Vorjahresperiode. Dabei verdiente Red Hat zunächst 36 Mio. Dollar oder 18 US-Cent je Aktie, nach einem Profit von 33,5 Mio. Dollar oder 17 US-Cent je Aktie in der Vorjahresperiode.

Ausgenommen außergewöhnlicher Sonderbelastungen konnte Red Hat einen Nettogewinn von 29 US-Cent je Anteil einfahren und damit die Markterwartungen der Analysten übertreffen. Analysten hatten im Vorfeld nur mit einem Nettogewinn von 27 US-Cent je Aktie gerechnet.

Die Subscription-Erlöse legten im jüngsten Quartal um 22 Prozent auf 255,2 Mio. Dollar zu, während das Geschäft mit Ausbildung und Services um 18 Prozent auf 41,8 Mio. Dollar kletterte. Das Unternehmen verzeichnete eine beeindruckende Nachfrage nach Technologien hindurch durch alle geografischen Regionen und Industrien, erklärt Red Hat Finanzchef Charlie Peters das gute Abschneiden.

Meldung gespeichert unter: Red Hat

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