Red Hat setzt auf Virtualisierung

Montag, 2. April 2007 00:00

(IT-Times) Der weltgrößte Linux-Distributor Red Hat (NYSE: RHT<RHT.NYS>, WKN: 923989<RHI.FSE>) musste zuletzt einen Gewinnrückgang hinnehmen, konnte aber letztendlich mit einem optimistischen Ausblick auf das laufende Jahr aufwarten.

Das vergangene Fiskaljahr 2007 sieht man im Management als Jahr der Investitionen. So hat das Unternehmen Akquisitionen in Argentinien, Brasilien, Indien und in der Tschechischen Republik getätigt und 21 neue Niederlassungen eröffnet. Nach zweijähriger Entwicklungszeit stellte Red Hat Mitte März nunmehr mit Red Hat Enterprise Linux 5 (REL 5) seine neueste Anwendung für Firmen vor, die dem Linux-Spezialisten gegenüber der Konkurrenz einen technologischen Vorsprung verschaffen soll.

Mit REL 5 setzt Red Hat vor allem auf das Thema Virtualisierung, was Firmenkunden in die Lage versetzt, mehr aus ihrer vorhandenen Hardware herauszuholen. Durch die Unterstützung der Virtualisierungstechnik können Firmen die Anzahl ihrer Server reduzieren und so mehr Platz und Energiekosten einsparen. Im Red Hat-Management geht man davon aus, dass die Migration auf REL 5 vor allem in den nächsten 18 und 24 Monaten stattfinden wird. Befürchtungen im Hinblick auf deutlich sinkende Preise als Folge der zunehmenden Virtualisierung teilt das Management nicht. Vielmehr dürfte Red Hat durch diesen Schachzug von Investitionen der Industrie profitieren. Erst eine jüngste Studie der Information Week brachte ans Tageslicht, dass von einem US-Dollar, der investiert wird, 0,60 Dollar in den Erhalt der bestehenden IT-Systeme fließen. Nur 0,40 Dollar je einen investierten Dollar bleiben für neue Projekte übrig. Dieser Trend dürfte Red Hat begünstigen, da REL 5 gerade mit dem Feature Virtualisierung diese Entwicklung abgedeckt.

JBoss soll Wachstumsmotor bleiben

Nachdem man im letzten Fiskaljahr hauptsächlich investierte und durch auch durch Zukäufe gewachsen war, will man im laufenden Fiskaljahr 2008 vor allem die Beziehungen zu Kunden durch verbesserte Produkte und einem verbesserten Serviceangebot weiter ausbauen. Auch das weltweite Vertriebsnetz soll erweitert werden, wobei man nicht zuletzt mit neuen Serviceinnovationen glänzen will. Wachstumsmotor wird allerdings weiterhin die übernommene JBoss-Einheit bleiben, die auch im vergangenen Fiskaljahr prozentual am stärksten zulegen konnte, so das Management.

Kurzportrait

Die im Jahre 1994 von Bob Young und Marc Ewing gegründete Red Hat stieg innerhalb kurzer Zeit zum weltweit führenden Linux-Distributor auf. Verzeichnete die Linux-Gemeinde Anfang der 90er Jahre noch 1,5 Mio. Nutzer, kletterte die Zahl der Linux-Anhänger zur Jahrtausendwende auf weit mehr als 15 Mio. Linux-Anwender weltweit. Das Unternehmen vermarktet eine kommerzielle Version des frei verfügbaren Betriebssystems Linux, wobei das Unternehmen insbesondere über den zur Verfügung gestellten Support und Service Einnahmen erwirtschaftet. Das Geschäftsmodell basiert auf den Open-Source-Gedanken, wobei die freie Verfügbarkeit des Systems für Entwickler und Programmierer zur Verbesserung der Software beitragen soll. Schnelle und maßstabsetzende Innovationen sollen die Folge dieser Strategie sein.

Die Internet-Plattform rund um das Red Hat Network spielt im Zusammenhang mit dem Vertrieb eine tragende Rolle. Etwa ein Drittel der Bestellungen werden nach Red Hat-Angaben inzwischen über den Web-Store abgewickelt. So liefert das Unternehmen über das weltweite Datennetz nicht nur Updates und Patches zu seinen Produkten aus, sondern bietet auch technischen Support und andere Hilfsmittel über die Internet-Plattform an. Neben der neuesten Version von Red Hat Linux offeriert das Unternehmen auch zahlreiche Angebote für Firmenkunden. Neben Datenbank- und Management-Software stehen vor allem Serversoftware und Embedded Anwendungen für Mobilfunktelefone und Fax-Dienste im Mittelpunkt der Unternehmensstrategie. Subscription-Einnahmen aus dem Vertrieb des kommerziellen Betriebssystems trugen zuletzt mehr als die Hälfte der gesamten Umsatzerlöse der Gesellschaft.

In den vergangenen Jahren ist das Unternehmen vor allem auch durch zahlreiche Übernahmen gewachsen. Nach der Übernahme des Open-Source Pionier Cygnus im Jahre 2000, folgten im selben Jahr die Übernahme von Hells Kitchen Systems, Bluecurve, WireSpeed Communications, sowie der Zukauf von C2Net. Um sein E-Commerce Softwareangebot zu ergänzen kaufte Red Hat Anfang 2001 den Anbieter Akopia auf. Später kaufte Red Hat den Speicherspezialisten Sistina Software. Im Juni 2006 übernahm Red Hat den Open-Source-Softwarehersteller JBoss für 350 Mio. Dollar.

Heute ist Red Hat mit Hauptsitz in Raleigh mit mehr als 55 Niederlassungen weltweit vertreten und arbeitet mit zahlreichen Technologiefirmen, darunter mit Dell Computer, Intel und vor allem mit IBM zusammen.

Zahlen

Für das abschließende vierte Fiskalquartal 2007 meldet Red Hat einen Umsatzanstieg um 41 Prozent auf 111,1 Mio. US-Dollar, nach Einnahmen von 78,7 Mio. Dollar im Jahr vorher, allerdings musste der Linux-Spezialist dabei einen Gewinnrückgang von 25 Prozent hinnehmen. Demnach schwanden die Gewinne auf 20,5 Mio. Dollar oder zehn US-Cent je Aktie, nach 27,3 Mio. Dollar oder 13 US-Cent je Aktie im Jahr vorher.

Ausgenommen außergewöhnlicher Sonderbelastungen ergibt sich für das jüngste Quartal ein operativer Gewinn von 15 US-Cent je Aktie, nach 14 US-Cent je Anteil im Jahr vorher. Damit konnte Red Hat zunächst die Gewinnerwartungen der Analysten erfüllen. Analysten hatten im Vorfeld allerdings mit Einnahmen von 112,5 Mio. Dollar kalkuliert. Red Hat konnte im jüngsten Quartal 10.000 neue Kunden hinzugewinnen.

Für das somit abgeschlossene Geschäftsjahr meldet Red Hat einen Umsatzanstieg auf 400,6 Mio. Dollar, ein Zuwachs von 44 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Gewinn schwand jedoch um 25 Prozent auf 59,9 Mio. Dollar oder 29 US-Cent je Aktie, nach einem Plus von 79,7 Mio. Dollar oder 41 US-Cent je Aktie im Jahr vorher. Insgesamt konnte Red Hat das Quartal mit Barreserven von 1,2 Mrd. Dollar abschließen.

Markt und Wettbewerb

Red Hat sieht sich als Herausforderer des Softwaregiganten Microsoft, welcher nach Meinung vieler Branchenexperten vor allem im Markt für Desktop-Systeme mit einem Marktanteil von mehr als 90 Prozent eine monopolartige Stellung einnimmt. Insgesamt soll der Linux-Markt in den nächsten Jahren weiter zulegen und ein Marktvolumen von 35 Mrd. Dollar im Jahr 2008 erreichen.

Gleichzeitig konkurriert das Unternehmen mit verschiedenen anderen Linux-Distributoren. Während der von Novell übernommene Linux-Distributor SuSe vor allem in Europa als marktführend in Sachen Linux-Distributionen gilt, ist der Softwareanbieter TurboLinux im Wesentlichen in Asien- und in der Pazifikregion aktiv. Der Linux-Anbieter Conectiva beschränkt sich hauptsächlich auf dem Wirtschaftsraum Lateinamerika.

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