Red Hat bleibt auf der Überholspur - Übernahme von Novell?

Freitag, 24. September 2010 12:59
Red Hat

(IT-Times) - Der weltweit führende Linux-Distributor Red Hat konnte im jüngsten Quartal einmal mehr die Markterwartungen der Analysten übertreffen und mit einem zweistelligen Umsatzwachstum glänzen - die Papiere gehörten am Vortag mit einem Kursplus von rund neun Prozent zu den Hauptgewinnern an der New Yorker Börse.

Red Hat-Aktien (NYSE: RHT, WKN: 923989) verdreifachten sich seit Anfang 2009, nachdem immer mehr Unternehmen auf kostengünstige Open Source-Lösungen wie Linux setzen. Auch im jüngsten Quartal setzte sich dieser Wachstumstrend fort. Das organische Wachstum betrug 20 Prozent, während die Subscription-Erlöse um 19 Prozent zulegten, so Red Hat CEO Jim Whitehurst.

Red Hat gewinnt weiter Marktanteile
Trotz der Bemühungen der Konkurrenz in Form von Oracle und Novell, konnte Red Hat seine führende Position im Linux-Bereich offenbar weiter ausbauen, wie Red Hat Vizepräsident Alex Pinchev erklärt, der für den globalen Vertrieb verantwortlich zeichnet.

In 2006 geriet Red Hat kräftig unter Druck, nachdem Oracle eine Offensive im Linux-Markt ankündigte und versuchte mit seinem Open Source Betriebssystem Unbreakable Linux Red Hat aus dem Markt zu drängen. Dies ist ganz offensichtlich nicht gelungen. Vielmehr habe man seinen Marktanteil von 80 Prozent vor vier Jahren, auf inzwischen 87 Prozent steigern können, erläutert Pinchev gegenüber ZDNet Asia.

Auch den neuen Oracle-Vorstoß im Hardware-Markt sieht man bei Red Hat gelassen entgegen. Dies sei nichts Neues, wobei Pinchev darauf verweist, dass Red Hat bislang keinen einzigen Kunden an Oracle verloren habe. Vielmehr verweist der Manager auf seine eigene Virtualisierungstechnologie Red Hat Enterprise Virtualization mit KVM Hypervisor. Seit der Markteinführung im September 2009 hätten sich weltweit 300 Firmenkunden für diese Lösung entschieden, merkt Pinchev an.

Red Hat vor Übernahme von Suse?
Derweil häufen sich die Berichte, wonach sich der Red Hat-Konkurrent Novell selbst zum Verkauf stellen will. Dabei soll unter anderem die Linux-Sparte Suse abgespalten und an einen strategischen Käufer gehen. Das Wall Street Journal nennt Red Hat als einen potentiellen Käufer von Novell und deren Linux-Sparte.

Ob bei einer möglichen Übernahme von Novell bzw. Suse Linux die Kartellbehörden mitspielen werden, gilt allerdings zu bezweifeln. Red Hat ist bereits der führende Linux-Distributor, wobei Suse Linux in Europa eine starke Stellung genießt.

Wahrscheinlicher ist eher eine Übernahme von Novell durch VMware oder IBM. Sollte IBM bei Novell zum Zuge kommen, hätte dies negative Auswirkungen auf Red Hat, merken die Analysten bei Jefferies an. Hintergrund ist der Umstand, dass IBM einer der wichtigsten Entwicklungspartner von Red Hat ist. Sollte IBM tatsächlich Novell übernehmen, dürfte dies den Red Hat Umsatz um jährlich etwa 60 Mio. US-Dollar verringern, rechnen die Jefferies-Experten vor…

Kurzportrait

Die im Jahre 1994 von Bob Young und Marc Ewing gegründete Red Hat stieg innerhalb kurzer Zeit zum weltweit führenden Linux-Distributor auf. Verzeichnete die Linux-Gemeinde Anfang der 90er Jahre noch 1,5 Mio. Nutzer, kletterte die Zahl der Linux-Anhänger zur Jahrtausendwende auf weit mehr als 15 Mio. Linux-Anwender weltweit. Das Unternehmen vermarktet eine kommerzielle Version des frei verfügbaren Betriebssystems Linux, wobei das Unternehmen insbesondere über den zur Verfügung gestellten Support und Service Einnahmen erwirtschaftet. Das Geschäftsmodell basiert auf den Open-Source-Gedanken, wobei die freie Verfügbarkeit des Systems für Entwickler und Programmierer zur Verbesserung der Software beitragen soll. Schnelle und maßstabsetzende Innovationen sollen die Folge dieser Strategie sein.

Die Internet-Plattform rund um das Red Hat Network spielt im Zusammenhang mit dem Vertrieb eine tragende Rolle. Etwa ein Drittel der Bestellungen werden nach Red Hat-Angaben inzwischen über den Web-Store abgewickelt. So liefert das Unternehmen über das weltweite Datennetz nicht nur Updates und Patches zu seinen Produkten aus, sondern bietet auch technischen Support und andere Hilfsmittel über die Internet-Plattform an. Neben der neuesten Version von Red Hat Linux offeriert das Unternehmen auch zahlreiche Angebote für Firmenkunden. Neben Datenbank- und Management-Software stehen vor allem Serversoftware und Embedded Anwendungen für Mobilfunktelefone und Fax-Dienste im Mittelpunkt der Unternehmensstrategie. Subscription-Einnahmen aus dem Vertrieb des kommerziellen Betriebssystems trugen zuletzt mehr als die Hälfte der gesamten Umsatzerlöse der Gesellschaft.

In den vergangenen Jahren ist das Unternehmen vor allem auch durch zahlreiche Übernahmen gewachsen. Nach der Übernahme des Open-Source Pionier Cygnus im Jahre 2000, folgten im selben Jahr die Übernahme von Hells Kitchen Systems, Bluecurve, WireSpeed Communications, sowie der Zukauf von C2Net. Um sein E-Commerce Softwareangebot zu ergänzen kaufte Red Hat Anfang 2001 den Anbieter Akopia auf. Später kaufte Red Hat den Speicherspezialisten Sistina Software. Im Juni 2006 übernahm Red Hat den Open-Source-Softwarehersteller JBoss. Mitte 2007 übernahm Red Hat Vermögenswerte des Integrationsspezialisten MetaMatrix. Im Frühjahr 2008 wurde der Middleware-Spezialist und IT-Berater Amentra übernommen. Im Herbst verstärkte sich Red Hat durch die Übernahme des Virtualisierungsspezialisten Qumranet.

Heute ist Red Hat mit Hauptsitz in Raleigh mit mehr als 55 Niederlassungen weltweit vertreten und arbeitet mit zahlreichen Technologiefirmen, darunter mit Dell Computer, Intel und vor allem mit IBM zusammen.

Zahlen

Für das vergangene Augustquartal meldet Red Hat (NYSE: RHT, WKN: 923989) einen Umsatzanstieg um 20 Prozent auf 219,8 Mio. US-Dollar, nach Einnahmen von 183,6 Mio. Dollar im Jahr vorher. Die Subscription-basierten Umsatzerlöse zogen dabei um 19 Prozent auf 186,2 Mio. Dollar an. Der Nettogewinn schrumpfte dabei auf 23,7 Mio. Dollar oder 12 US-Cent je Aktie, nach einem Profit von 28,9 Mio. Dollar oder 15 US-Cent je Aktie in der Vorjahresperiode.

Meldung gespeichert unter: Red Hat

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