RealNetworks kämpft um seine Zukunft

Donnerstag, 18. Dezember 2008 12:47
RealNetworks

(IT-Times) Der amerikanische Softwarespezialist RealNetworks (Nasdaq: RNWK, WKN: 910681) steckt in Schwierigkeiten. Bereits zur Jahresmitte war das Unternehmen in die roten Zahlen gerutscht. Die aktuelle Wirtschafts- und Finanzkrise erhöht den Druck auf das Unternehmen, ein tragfähiges Geschäftsmodell zu entwickeln.

Nachdem RealNetworks gegen Microsoft im Kampf um die Vorherrschaft im Markt für Media-Player mit seinem RealPlayer den Kürzeren zog, versuchte sich das Unternehmen mit seinem Musik-Service Rhapsody im Markt für digitale Musik-Downloads. Doch auch hier gelang RealNetworks bislang nicht der große Durchbruch. Zwar wuchs die Musik-Sparte um zehn Prozent auf 41,6 Mio. Dollar, wobei die Zahl der Musik-Abonnenten zuletzt um 125.000 auf insgesamt zwei Mio. Mitglieder zulegte, doch hinter den von Apple lancierten Musik-Service iTunes hinkt RealNetworks deutlich hinterher.

Einen weiteren Schatten auf den Musik-Service Rhapsody wirft die Übernahme von Napster durch Best Buy. Best Buy kooperierte seit dem Jahr 2003 mit RealNetworks, um Musik in seinen landesweit mehr als 550 Läden zu verkaufen. Diese Partnerschaft könnte sich nach der Übernahme von Napster dem Ende neigen, glauben Marktbeobachter.

Gaming-Sparte setzt auf iPhone-Spiele
Einziger Wachstumsmotor im Unternehmen ist derzeit die Spielesparte, in der die Umsätze um 19 Prozent auf 34,2 Mio. Dollar zulegten. RealNetworks will diese Einheit langfristig ausgliedern und an die Börse führen. Bedingt durch die Finanzmarktkrise wurden diese Pläne allerdings verschoben, so dass frische Mittel für die wachsende Einheit zunächst nicht in Sicht sind.

Wachsen soll die Spielesparte nunmehr vor allem organisch. Hier setzt die Gaming-Sparte nicht nur auf die Überarbeitung seiner Spieleplattform GameHouse, sondern insbesondere auf Mobile-Spiele für das iPhone. Im laufenden vierten Quartal sollen 20 Spiele aus dem Hause RealNetworks auf den Markt kommen, wobei allein sechs Titel für das iPhone vorgesehen sind.

Ob diese Strategie in Verbindung mit Kosteneinsparungen allein ausreicht, um RealNetworks nachhaltig aus den roten Zahlen herauszuführen, bleibt abzuwarten. Nach einem Jahrzehnt harten Wettbewerb gegen Microsoft & Co ist die Zukunft von RealNetworks ungewisser den je…

Kurzportrait

RealNetworks, gegründet im Jahre 1995 und ansässig in Seattle, gilt als Pionier in Sachen Streaming-Media-Software. Mit seiner Abspielsoftware RealPlayer revolutionierte das Unternehmen in der Mitte der 90er Jahre den Markt für digitale Multimedia-Inhalte. So konnten Internet-Nutzer Musikstücke, als auch Live-Veranstaltungen mit Hilfe der RealPlayer-Software direkt aus dem weltweiten Datennetz abspielen. Das Softwarewerkzeug RealJukebox sollte die erfolgreiche Abspielsoftware in Sachen Audioinhalte entsprechend ergänzen. Der Erfolg von RealNetworks zog allerdings bald Konkurrenz in Form von anderen Softwareanbietern an. Allen voran den Redmonder Softwareriesen Microsoft, der mit seinem Windows Media Player RealNetworks-Produkte in den Hintergrund drängte. RealNetworks genießt durch seine Pionierleistung jedoch immer noch einen guten Ruf unter den Anwendern, so dass heute mehr als 300 Mio. registrierte Nutzer auf die RealPlayer-Software setzen, um digitale Medieninhalte abzuspielen.

Daneben entwickelt das Unternehmen aber auch Server-Software und andere Technologien, welche die Verbreitung von digitalen Medienhalten auch auf andere Geräte wie Handys und PDAs beschleunigen sollen. Das für Geschäftskunden konzipierte RealSystem bzw. Helix- und RealServer-System versorgt nach Angaben der Gesellschaft den Großteil aller größeren Web-Seiten mit Multimedia-Inhalten.

Im Gegensatz zu verschiedenen kostenlosen und durch Werbung finanzierte Tauschbörsen, will RealNetworks mit seinem Musikdienst Rhapsody einen legalen Download-Service etablieren. Das Unternehmen war zuvor durch die Übernahme von Listen.com und dessen Online-Musikdienst Rhapsody in den Besitz dieser Marke gelangt. Anschließend übernahm RealNetworks den Spieleentwickler GameHouse, um seinen kostenpflichtigen Spiele-Service RealArcade weiter zu stärken, wobei im Frühjahr 2005 die Übernahme des finnischen Mobilfunk-Spielentwicklers Mr. Goodliving erfolgte. Anfang 2006 kaufte RealNetworks den holländischen Spielentwickler Zylom. Im Herbst 2006 folgte die Übernahme der südkoreanischen WiderThan. Im Jahr 2008 kaufte RealNetworks den Spieletechnikspezialisten Trymedia. Zuvor wurde bereits die Sony-Einheit Sony NetService übernommen.

Zu den Kunden des Unternehmens gehören unter anderem SK Telecom, Cingular Wireless LLC und Verizon Wireless. Der Unternehmensgründer und ehemalige Microsoft-Mitarbeiter Rob Glaser hält weiterhin ein Drittel der Anteile an RealNetworks.

Zahlen

Für das vergangene Septemberquartal meldete RealNetworks einen Umsatzanstieg um fünf Prozent auf 152,0 Mio. US-Dollar, nach Einnahmen von 145,1 Mio. Dollar im dritten Quartal 2007. Während die Spielesparte um 19 Prozent auf 34,2 Mio. Dollar zulegen konnte, kletterte das Musik-Geschäft um zehn Prozent auf 41,6 Mio. Dollar. Das Media Software- und Service-Geschäft schrumpfte jedoch um drei Prozent auf 24,5 Mio. Dollar gegenüber dem Vorjahr. Auch im Technology Products and Solutions-Geschäft entwickelten sich die Umsätze um drei Prozent auf 51,6 Mio. Dollar rückläufig.

Dabei entstand nach Firmenangaben zufolge zunächst ein Verlust von 4,5 Mio. Dollar oder drei US-Cent je Aktie, nachdem RealNetworks im Jahr vorher noch einen Gewinn von 4,3 Mio. Dollar oder drei US-Cent je Aktie verbuchen konnte.

Meldung gespeichert unter: RealNetworks

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