Qualcomm setzt auf duale Chipsätze

Freitag, 11. Dezember 2009 14:07
Qualcomm

(IT-Times) - Der US-Mobiltelefonchiphersteller Qualcomm (Nasdaq: QCOM, WKN: 883121) zeigt sich im Bezug auf das kommende Jahr recht zuversichtlich, wieder Fahrt in Sachen Wachstum aufzunehmen.

Hintergrund ist die zunehmende Unterstützung von 3G-Standards in den einzelnen Ländern. Vor allem in China bauen die dortigen Mobilfunk-Carrier ihre 3G-Netze rasant aus. Qualcomm will von diesem Trend profitieren und im nächsten Jahr einen eigenen TD-SCDMA-Chip an den Start bringen, um sich entsprechende Marktanteile im Reich der Mitte zu sichern.

Smartphone-Größen zeigen Qualcomm die kalte Schulter
Zwar kam Qualcomm vergleichsweise glimpflich durch die Wirtschafts- und Finanzkrise, dennoch steht der CDMA-Spezialist unter Druck. Der Gewinn brach im Fiskaljahr 2009 um immerhin 50 Prozent ein, zudem beliefert Qualcomm bislang auch nicht alle wichtigen Marktteilnehmer auf dem boomenden Smartphone-Markt. Zwar hat Qualcomm jüngst ein Abkommen mit dem zweitgrößten Handy-Hersteller Samsung schließen können und ist auch mit LG Electronics und HTC im Geschäft, die Aufsteiger Apple, Research In Motion und Palm vertrauen allerdings auf andere Zulieferer.

Während im iPhone bislang Infineon-Chipsätze zum Einsatz kommen, setzt der kanadische BlackBerry-Hersteller auf Freescale-Chipsätze. Der Smartphone-Newcomer Palm vertraut im Palm Pre dagegen auf Chipsätze aus dem Hause Marvell Technology.

Gespräche mit Apple - neue Dual-Chips
Diesen Zustand will Qualcomm ändern. Qualcomm-Chef Paul Jacobs bestätigte gegenüber Bloomberg bereits Gespräche mit dem iPhone-Hersteller Apple, wonach der CDMA-Spezialist an einer Kooperation interessiert sei. Eine Einigung wurde bislang allerdings noch nicht erzielt. Die Chancen für eine künftige Kooperation dürften allerdings nicht schlecht stehen, denn auch Apple ist offenbar gewillt, weiter aufzurüsten und den Exklusivvertrag mit dem Mobilfunk-Carrier AT&T im nächsten Jahr auslaufen zu lassen. Seit Monaten wird bereits über eine Einigung mit dem AT&T-Konkurrenten Verizon spekuliert, wodurch sich Apple zusätzliche Marktanteile im Smartphone-Markt sichern könnte.

Verschiedenen Medienberichten zufolge soll Qualcomm bereits an einen Hybrid-Chipsatz arbeiten, wodurch ein iPhone-Modell der nächsten Generation sowohl mit dem Mobilfunknetz von AT&T als auch mit dem von Verizon kompatibel wäre. Daraufhin deuten auch jüngste Aussagen von Qualcomm selbst hin. Das Unternehmen hat jüngst Pläne für neue Dual-Carrier-Chips vorgestellt, wodurch Mobiltelefone sowohl mit CDMA/EVDO-Netzen (Verizon, Sprint Nextel), als auch mit UMTS/HSPA-Techniken (AT&T, T-Mobile) kompatibel wären…

Kurzportrait

Die im Jahre 1985 gegründete und in San Diego ansässige Qualcomm ist einer der weltweit führenden Anbieter im Bereich Mobilfunkchips. Dabei gilt das Unternehmen als Pionier der sogenannten CDMA-Technologie (Code Division Multiple Access). Qualcomm dominiert diesen Mobilfunkstandard mit einem Marktanteil von mehr als 70 Prozent. Dabei vermarktet das Unternehmen seine CDMA-Technik inklusiver zugehöriger Software über die im Jahre 1995 gegründete Qualcomm CDMA Technologies (QCT). Die Einheit gehört zu den insgesamt vier Hauptgeschäftssegmenten: Qualcomm Technology Licensing (QTL). Qualcomm Wireless & Internet (QWI) und Qualcomm Strategic Initiatives (QSI).

Zu den weltweit mehr als 140 Lizenznehmern zählt unter anderem auch der weltgrößte Mobilfunkhersteller Nokia. Die Einheit QCT produziert die Chipsätze allerdings nicht selbst, sondern lässt diese von anderen Technologiespezialisten wie IBM und anderen Halbleiterherstellern fertigen.

Die Qualcomm-Sparte Qualcomm MEMS Technologies (QMT) entwickelt Display-Technologien für Mobilfunkprodukte. Weitere Geschäftseinheiten sind die Qualcomm Flarion Technologies (QFT) sowie der MediaFLO-Entwickler MediaFLO Technologies (MFT).

In den vergangenen Jahren folgten eine Reihe von Firmenzukäufen. So wurde Ende 2004 der Interface-Spezialist Trigenix Ltd gekauft. Im Jahr 2005 schluckte man den britischen Softwarespezialisten Elata sowie den Technologieanbieter Flarion Technologies. Anfang 2006 wurde der Halbleiterspezialist Berkana Wireless übernommen. Mit dem Mobilfunktester Qualphone, dem Technikspezialisten nPhase und Airgo Networks folgten in 2006 weitere Übernahmen. Gleichzeitig wurde das Bluetooth-Geschäft von RF Micro Devices übernommen. In 2007 schluckte Qualcomm unter anderem die Spezialisten Firethorn und SoftMax. Anfang 2008 verstärkte sich Qualcomm durch die Übernahme des irischen Mobile-Spezialisten Xiam.

Mit mehr als 1.900 eingetragenen Patenten will sich Qualcomm den notwendigen technischen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz sichern. Durch Content-Lizenzabkommen mit CBS, FOX, NBC, MTV, Comedy Central und Nickelodeon will Qualcomm dem Mobile-TV zum Durchbruch verhelfen. Zu den Kunden von Qualcomm zählen Technologiefirmen aus Asien wie Samsung, Kyocera, Via und LG Electronics, aber auch US-Firmen wie Verizon Wireless, Sprint und die finnische Nokia.

Zahlen

Für das vergangene vierte Fiskalquartal 2009 meldet Qualcomm einen Umsatzrückgang um 19 Prozent auf 2,7 Mrd. US-Dollar, nach Einnahmen von 3,3 Mrd. Dollar in der Vorjahresperiode.

Der Gewinn ging dabei um neun Prozent auf 803 Mio. Dollar oder 48 US-Cent je Aktie zurück, nach einem Profit von 878 Mio. Dollar oder 52 US-Cent je Aktie in der Vorjahresperiode. Mit diesen Zahlen verfehlte Qualcomm auch gleichzeitig die Markterwartungen der Analysten, die im Vorfeld zwar mit Einnamen von 2,7 Mrd. Dollar, aber mit einem Nettogewinn von 52 US-Cent je Aktie kalkuliert hatten.

Der Cashflow aus der operativen Geschäftstätigkeit summierte sich im jüngsten Quartal auf 1,32 Mrd. US-Dollar, ein Zuwachs von 33 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für das somit abgeschlossene Fiskaljahr 2009 meldet Qualcomm einen Umsatzrückgang um sieben Prozent auf 10,4 Mrd. US-Dollar, während der Gewinn um 50 Prozent auf 1,6 Mrd. Dollar oder 95 US-Cent je Aktie einbrach.

Meldung gespeichert unter: Qualcomm

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