Qualcomm kauft sich frei

Dienstag, 28. April 2009 12:57
Qualcomm

(IT-Times) Der US-Mobiltelefonchiphersteller Qualcomm (Nasdaq: QCOM, WKN: 883121) musste zwar im jüngsten Quartal bedingt durch Millionenzahlungen an Broadcom einen Verlust ausweisen, dennoch legten Qualcomm-Papiere an der Nasdaq zuletzt um mehr als vier Prozent zu.

Der Grund: Zum einen wurde die Einigung mit Broadcom positiv bewertet, obwohl Qualcomm in den nächsten vier Jahren 891 Mio. Dollar an Broadcom zahlen wird. Denn durch die Einigung entgeht Qualcomm einen womöglich langjährigen teuren Rechtsstreit und kann sich damit wieder seinen Kernaufgaben widmen. Zum anderen darf Qualcomm trotz der Einigung Broadcom-Kunden weiterhin Lizenzgebühren in Rechnung stellen - am eigentlichen Qualcomm Lizenzgebührenmodell ändert sich durch die Einigung nichts.

Daneben profitiert Qualcomm von der sich erholenden Nachfrage auf dem Mobilfunkmarkt. „Wir sehen eine steigende Nachfrage durch alle Produktkategorien hindurch“, so Qualcomm-Manager Steven Mollenkopf, der das Chipsatz-Geschäft bei Qualcomm leitet. Man sei sehr zufrieden mit dem aktuellen Ausblick, heißt es bei Qualcomm. Das Unternehmen hat seine Umsatzprognose für das laufende Fiskaljahr nochmals angehoben, was an den Märkten ebenfalls positiv aufgenommen wurde.

3G-Nachfrage aus China und Indien beflügelt
Grund für den Optimismus ist insbesondere die hohe Nachfrage aus China und anderen Schwellenländern. Sowohl China Telecom und China Unicom bauen aggressiv ihre 3G CDMA-Netze weiter aus, was die Nachfrage nach Qualcomm-Chips ankurbelt. China Unicom will zudem Mitte Mai mit seinem WCDMA-Serviceangebot in 55 Märkten an den Start gehen. Auch in Indien stehen die Zeichen weiter auf Wachstum. Allein auf dem indischen Subkontinent kommen monatlich zwei Mio. neue CDMA-Abonnenten im Monat hinzu, heißt es bei Qualcomm.

Qualcomm will mit Snapdragon vom Netbook-Boom profitieren
Große Hoffnungen verbindet Qualcomm auch mit seiner neuen Snapdragon-Plattform. Bei Snapdragon handelt es sich um einen von Qualcomm entwickelten Multi-Standard-Chip, der sowohl in Netbooks, als auch in Smartphones verbaut werden kann. Das erste Smartphone mit dem Snapdragon-Chipsatz von Qualcomm ist das Toshiba TG01, das im Sommer auf den Markt kommen soll. Viel wichtiger ist die Bedeutung der Snapdragon-Plattform für den Netbook-Markt. Damit drängt Qualcomm in einen Bereich, der zuvor von Intel und dessen Atom-Prozessor dominiert wurde...

Kurzportrait

Die im Jahre 1985 gegründete und in San Diego ansässige Qualcomm ist einer der weltweit führenden Anbieter im Bereich Mobilfunkchips. Dabei gilt das Unternehmen als Pionier der sogenannten CDMA-Technologie (Code Division Multiple Access). Qualcomm dominiert diesen Mobilfunkstandard mit einem Marktanteil von mehr als 70 Prozent. Dabei vermarktet das Unternehmen seine CDMA-Technik inklusiver zugehöriger Software über die im Jahre 1995 gegründete Qualcomm CDMA Technologies (QCT). Die Einheit gehört zu den insgesamt vier Hauptgeschäftssegmenten: Qualcomm Technology Licensing (QTL). Qualcomm Wireless & Internet (QWI) und Qualcomm Strategic Initiatives (QSI).

Zu den weltweit mehr als 140 Lizenznehmern zählt unter anderem auch der weltgrößte Mobilfunkhersteller Nokia. Die Einheit QCT produziert die Chipsätze allerdings nicht selbst, sondern lässt diese von anderen Technologiespezialisten wie IBM und anderen Halbleiterherstellern fertigen.

Über seine Tochter SnapTrack vertreibt Qualcomm auch sein Satellitenortungs- und Überwachungssystem, welches nicht nur von Speditionsfirmen in den USA eingesetzt wird. Auch in Japan wollen Firmen künftig auf das sogenannte „Wireless Assisted GPS“ setzen. Daneben vertreibt Qualcomm auch seinen populären Email-Client Eudora.

In den vergangenen Jahren folgten eine Reihe von Firmenzukäufen. So wurde Ende 2004 der Interface-Spezialist Trigenix Ltd gekauft. Im Jahr 2005 schluckte man den britischen Softwarespezialisten Elata sowie den Technologieanbieter Flarion Technologies. Anfang 2006 wurde der Halbleiterspezialist Berkana Wireless übernommen. Mit dem Mobilfunktester Qualphone, dem Technikspezialisten nPhase und Airgo Networks folgten in 2006 weitere Übernahmen. Gleichzeitig wurde das Bluetooth-Geschäft von RF Micro Devices übernommen. In 2007 schluckte Qualcomm unter anderem die Spezialisten Firethorn und SoftMax. Anfang 2008 verstärkte sich Qualcomm durch die Übernahme des irischen Mobile-Spezialisten Xiam.

Mit mehr als 1.900 eingetragenen Patenten will sich Qualcomm den notwendigen technischen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz sichern. Durch Content-Lizenzabkommen mit CBS, FOX, NBC, MTV, Comedy Central und Nickelodeon will Qualcomm dem Mobile-TV zum Durchbruch verhelfen. Zu den Kunden von Qualcomm zählen Technologiefirmen aus Asien wie Samsung, Kyocera, Via und LG Electronics, aber auch US-Firmen wie Verizon Wireless, Sprint und die finnische Nokia.

Zahlen

So meldet Qualcomm für das jüngste Quartal einen Umsatzrückgang auf 2,46 Mrd. US-Dollar, nach Einnahmen von 2,6 Mrd. Dollar im Jahr vorher. Dabei lieferte Qualcomm 69 Mio. Mobilfunkchipsätze aus, ein Zuwachs von zehn Prozent gegenüber dem Vorquartal. Dabei entstand zunächst ein Verlust von 289 Mio. Dollar oder 18 US-Cent je Aktie, nachdem Qualcomm im Jahr vorher noch einen Profit von 766 Mio. Dollar oder 47 US-Cent je Aktie einfahren konnte.

In den jüngsten Ergebnissen sind Aufwendungen in Höhe von 748 Mio. Dollar im Zusammenhang mit der Einigung in einem Patentstreit mit Broadcom enthalten. Qualcomm wird über vier Jahre hinweg 891 Mio. Dollar an Broadcom zahlen. Im Gegenzug lässt Broadcom alle Klagen gegen Qualcomm fallen.

Ausgenommen dieser Sonderbelastungen entstand im jüngsten Quartal ein Nettoverlust von drei US-Cent je Aktie. Analysten hatten im Vorfeld zwar nur mit Einnahmen von 2,35 Mrd. Dollar, aber mit einem Nettogewinn von 40 US-Cent je Aktie gerechnet. Dennoch konnte Qualcomm unter dem Strich einen operativen Cashflow von 1,26 Mrd. Dollar generieren, ein Zuwachs von 33 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die liquiden Mittel summierten sich am Ende des zweiten Fiskalquartals auf 14 Mrd. Dollar.

Meldung gespeichert unter: Qualcomm

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