Qualcomm hofft auf 3G-Boom in Schwellenländern

Montag, 10. November 2008 13:15
Qualcomm

(IT-Times) Trotz eines eher enttäuschenden Ausblicks legten die Aktien des amerikanischen Mobiltelefonchipherstellers und CDMA-Spezialisten Qualcomm (Nasdaq: QCOM, WKN: 883121) deutlich zu. Analysten und Marktteilnehmer sehen den schwächeren Ausblick in den jetzigen Kursen weitgehend eingepreist.

Zudem besteht Hoffnung, dass der wirtschaftliche Abschwung Qualcomm nicht so stark treffen wird, wie etwa den Rest der Branche. Hintergrund ist das weiterhin starke Wachstum CDMA-basierter Handys. Zwar dürften die durchschnittlichen Verkaufspreise von CDMA-Handys im anstehenden Jahr unter die magische Marke von 200 US-Dollar fallen. Damit werden diese Modelle aber auch massenmarkttauglich. Dementsprechend hoch dürfte die Nachfrage nach sollen Handys auch in 2009 sein.

Indien und China rüsten auf
Die Hoffnungen auf weiteres Wachstum ruhen dabei vor allem auf die explosiv wachsenden Märkte in Indien und China. Insbesondere in Indien steht Mitte Januar die Versteigerung von 3G-Spektrumlizenzen an. Nach der Zuteilung der Lizenzen dürften 3G-Serviceangebote in Indien nicht mehr lange auf sich warten lassen.

In China hat das Ministerium für Informationsindustrie gleich drei 3G-Standards genehmigt. Neben dem chinesischen Standard TD-SCDMA und UMTS, ist auch der in den USA und Japan verbreitete Standard CDMA-2000 mit von der Partie.

Qualcomm hat sich bereits frühzeitig für einen 3G-Boom in Indien positioniert und führt eigenen Angaben zufolge bereits Gespräche mit allen indischen Netzbetreibern über eine mögliche Kooperation. Märkte wie Indien und China gewinnen zunehmend an Gewicht und könnten weiter entwickelte Mobilfunkmärkte wie die USA und Europa schon in naher Zukunft als Wachstumsmotor ablösen, glauben Marktbeobachter.

Bereits heute gibt es weltweit rund 705 Mio. 3G-Mobilfunkkunden. Diese Zahl dürfte sich im Jahr 2012 auf 1,6 Mrd. Teilnehmer mehr als verdoppeln, so Industrieprognosen. Trotz der Konjunkturkrise erwarten Marktbeobachter aus dem Hause Strategy Analytics im Handy-Markt in den nächsten sechs Monaten einen Zuwachs von bis zu 14 Prozent. Das Marktsegment der CDMA-basierten Handys soll sogar um 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr zulegen, prognostizieren die Analytiker - gar keine so schlechten Aussichten für den CDMA-Pionier Qualcomm.

Kurzportrait

Die im Jahre 1985 gegründete und in San Diego ansässige Qualcomm ist einer der weltweit führenden Anbieter im Bereich Mobilfunkchips. Dabei gilt das Unternehmen als Pionier der sogenannten CDMA-Technologie (Code Division Multiple Access). Qualcomm dominiert diesen Mobilfunkstandard mit einem Marktanteil von mehr als 70 Prozent. Dabei vermarktet das Unternehmen seine CDMA-Technik inklusiver zugehöriger Software über die im Jahre 1995 gegründete Qualcomm CDMA Technologies (QCT). Die Einheit gehört zu den insgesamt vier Hauptgeschäftssegmenten: Qualcomm Technology Licensing (QTL). Qualcomm Wireless & Internet (QWI) und Qualcomm Strategic Initiatives (QSI).

Zu den weltweit mehr als 140 Lizenznehmern zählt unter anderem auch der weltgrößte Mobilfunkhersteller Nokia. Die Einheit QCT produziert die Chipsätze allerdings nicht selbst, sondern lässt diese von anderen Technologiespezialisten wie IBM und anderen Halbleiterherstellern fertigen.

Über seine Tochter SnapTrack vertreibt Qualcomm auch sein Satellitenortungs- und Überwachungssystem, welches nicht nur von Speditionsfirmen in den USA eingesetzt wird. Auch in Japan wollen Firmen künftig auf das sogenannte „Wireless Assisted GPS“ setzen. Daneben vertreibt Qualcomm auch seinen populären Email-Client Eudora.

In den vergangenen Jahren folgten eine Reihe von Firmenzukäufen. So wurde Ende 2004 der Interface-Spezialist Trigenix Ltd gekauft. Im Jahr 2005 schluckte man den britischen Softwarespezialisten Elata sowie den Technologieanbieter Flarion Technologies. Anfang 2006 wurde der Halbleiterspezialist Berkana Wireless übernommen. Mit dem Mobilfunktester Qualphone, dem Technikspezialisten nPhase und Airgo Networks folgten in 2006 weitere Übernahmen. Gleichzeitig wurde das Bluetooth-Geschäft von RF Micro Devices übernommen. In 2007 schluckte Qualcomm unter anderem die Spezialisten Firethorn und SoftMax. Anfang 2008 verstärkte sich Qualcomm durch die Übernahme des irischen Mobile-Spezialisten Xiam.

Mit mehr als 1.900 eingetragenen Patenten will sich Qualcomm den notwendigen technischen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz sichern. Durch Content-Lizenzabkommen mit CBS, FOX, NBC, MTV, Comedy Central und Nickelodeon will Qualcomm dem Mobile-TV zum Durchbruch verhelfen. Zu den Kunden von Qualcomm zählen Technologiefirmen aus Asien wie Samsung, Kyocera, Via und LG Electronics, aber auch US-Firmen wie Verizon Wireless und Sprint.

Zahlen

Für das vergangene Septemberquartal meldet Qualcomm einen Umsatzsprung um 45 Prozent auf 3,33 Mrd. US-Dollar, nach Einnahmen von 2,31 Mrd. Dollar im Jahr vorher. Die jüngsten Umsatzzahlen beinhalten allerdings Sonderzahlungen durch Nokia in Höhe von 560 Mio. Dollar im Zusammenhang mit dem beigelegten Lizenzstreit. Im Rahmen des 15 Jahre laufenden Abkommens erhielt Qualcomm im Oktober eine erste Zahlung in Höhe von 2,5 Mrd. Dollar, so das Unternehmen. Insgesamt lieferte Qualcomm im jüngsten Quartal 86 Mio. Chipsätze aus, ein Zuwachs von 26 Prozent.

Der Gewinn schrumpfte dabei allerdings im jüngsten Quartal um 22 Prozent auf 878 Mio. Dollar oder 52 US-Cent je Aktie, nach einem Plus von 1,13 Mrd. Dollar oder 67 US-Cent je Aktie in der Vorjahresperiode. Qualcomm führt den Gewinnrückgang nicht zuletzt auf Verluste im Zusammenhang mit Investments zurück.

Ausgenommen etwaiger Sonderbelastungen konnte Qualcomm einen Nettogewinn von 63 US-Cent je Aktie realisieren und damit die Markterwartungen leicht übertreffen. Analysten hatten zunächst mit Einnahmen von 2,86 Mrd. Dollar sowie mit einem Nettogewinn von 60 US-Cent je Aktie gerechnet.

Meldung gespeichert unter: Qualcomm

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