Q-Cells will mit neuer Strategie wieder auf die Sonnenseite

Donnerstag, 10. Juni 2010 11:29
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MÜNSTER (IT-Times) - Nachdem Q-Cells (WKN: 555866) lange Zeit auf der Sonnenseite des zu Hause war, begannen mit stärkerem globalen Wettbewerb auch die erste Schwierigkeiten und das Unternehmen startete ein Restrukturierungsprogramm. Erste Erfolge zeichnen sich bereits ab. So stieg das Gesamtproduktionsvolumen im ersten Quartal 2010 auf 174 MWP nachdem es bei 154 MWp im Vorjahr gelegen hatte. Für die Zukunft erwartet Q-Cells positive Effekte aus dem neuen kristallinen Modulgeschäft, welches im aktuellen zweiten Quartal 2010 angelaufen ist. Diese Module werden zunächst aus Solarzellen hergestellt, entsprechend hätten Teile der Zellproduktion des ersten Quartals nicht für externe Lieferungen zur Verfügung gestanden. Zudem fokussiert sich Q-Cells fortan auf mittelgroße Solaranlagen. Der Wandel vom reinen Solarzellenhersteller zu einem Anbieter von Photovoltaik-Lösungen soll sich langfristig auch positiv auf die Wachstumsraten und damit auch auf Umsatz- und Gewinn auswirken. Q-Cells erwartet durch die neuen Produkte „die ertragreicheren Bereiche der Wertschöpfungskette“ abdecken zu können, zudem soll auch die Risikogewichtung verbessert werden.

Zusammenarbeit mit Flextronics

Um diese Pläne umsetzen zu können, arbeitet Q-Cells mit Flextronics zusammen. Das asiatische Unternehmen errichtet für Q-Cells in Malaysia eine Produktionslinie für Module mit einer Kapazität von 200 Megawattpeak (MWp), diese werden dann mit eigenen Solarzellen bestückt. Ein erstes Modul wurde im Frühjahr produziert, seit April läuft die Vermarktung der Module an Großhändler und Importeure. Man hofft, mit dem neuen Produktportfolio auch die Bedürfnisse internationaler Kunden stärker bedienen zu können. Im Fokus stehen dabei unter anderem Italien, Frankreich und Nordamerika.

Q-Cells eröffnet den Preiskampf

Umstritten aber wohlüberlegt ist eine weitere Maßnahme, die Q-Cells ergriffen hat: Das Unternehmen hat die Preise im Modulgeschäft gesenkt und hat damit den Preiskampf eröffnet. Ziel: Den Absatz erhöhen und die Nachfrage steigern.

Bislang versuchten deutsche Unternehmen bei Solarmodulen eher durch Qualitätsstandards und lange Garantiezeiten zu punkten. Niedrigere Preise wurden als Wettbewerbsinstrument von asiatischen Anbietern gesehen und von der Branche zum Teil scharf kritisiert. Mitunter vermutete man auch Protektionismus, etwa seitens der chinesischen Regierung. Gleichzeitig fürchten deutsche Solarunternehmen noch immer den schrittweisen Wegfall von Förderungsmitteln im Rahmen des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG) - wie hoch auch immer die Kürzungen letztlich ausfallen werden. Das steht, nach Protesten von Branchenverbänden und Politikern, aktuell noch nicht bzw. nicht mehr fest.

Die Ansage von Q-Cells bezüglich der Preissenkungen ist indessen deutlich: Man wolle Wettbewerber wie Conergy oder SolarWorld preislich unterbieten. Nedim Cen, Chef von Q-Cells, sprach davon, Module in einem preislich attraktiven Bereich anbieten zu wollen. Damit sei man aber immer noch „teurer als ein chinesisches Modul oder ein No-Name-Produkt aus Europa“. Q-Cells strebe indessen ein mittleres Preissegment an, zwischen besonders günstigen Modulen sowie hochpreisigen deutschen Modellen mit einem festen Kundenstamm. Zudem will man sich nicht an Zwischenhändler, sondern direkt an Endkunden wenden und so den erwarteten weiteren Preisverfall auf dem Modulmarkt zumindest zum Teil umgehen. Ein Teil der Marge, der ansonsten beim Handel verbleibt, soll somit auch Q-Cells zufließen.

Kurzportrait

Die im Jahre 1999 gegründete und Thalheim/Sachen-Anhalt ansässige Q-Cells SE ist einer der weltweit größten Hersteller von Solarzellen. Im Jahr 2001 nahm Q-Cells die Produktion auf, wobei heute fünf hochmoderne Produktionslinien betrieben werden. Das Unternehmen hat sich hauptsächlich auf die Produktion von mono- und multikristalline Solarzellen auf Siliziumbasis spezialisiert. Inzwischen bietet Q-Cells aber auch Dünnschicht-Module an. Daneben arbeitet Q-Cells im Bezug auf die Fertigung ganzer Solarmodule mit führenden Modulherstellern weltweit zusammen.

Die gesamte Solarzellenfertigung bei Q-Cells ist vollautomatisiert. Insgesamt bietet Q-Cells Solarzellen in 48 verschiedenen Qualitätsklassen an. Q-Cells legt bei der Fertigung und Herstellung der Zellen auch großen Wert auf Schwachlichtverhalten und Leistungstoleranzen, die Q-Cells mit +/- 1,5 Prozent angibt. Mit der Einführung der ersten 6-Zoll-Solarzelle Q6 und dem Zellformat Q6L will sich das Unternehmen von seinem Wettbewerbern abgrenzen.

Q-Cells verkauft die eigenen Produkte international in mehr als 32 Länder (Spanien, Frankreich, Italien, Türkei, Japan, Südkorea, China, USA, Südafrika usw.) und beliefert mehr als 67 Kunden. Dazu gehört etwa die Solon AG. Der Exportanteil liegt inzwischen bei weit über 50 Prozent, Tendenz steigend. Im Ausland ist Q-Cells unter anderem mit dem Tochterunternehmen Q-Cells Asia Ltd. präsent. Zudem besitzt man weitere Beteiligungen an der EverQ GmbH und der CSG Solar AG. 33 Prozent werden an der kalifornischen Solaria Corporation gehalten, während Q-Cells 100 Prozent der Anteile an Calyxo hält. Die Tochter Sontor wurde in 2009 mit dem Spezialisten Sunfilm fusioniert, um einen neuen Dünnschichtanbieter zu schaffen, an welchem Q-Cells mit 50 Prozent beteiligt ist. Darüber hinaus hat Q-Cells eine Kooperation mit der chinesischen LDK Solar im Bereich Silizium-Wafer geschlossen. Mitte 2009 stockte Q-Cells seine Beteiligung an der Solibro GmbH auf 100 Prozent auf.

Mit der Q-Cells International GmbH hat das Unternehmen in 2007 eine Tochtergesellschaft gegründet, die sich auf die Projektierung von Dachanlagen und Freiflächenanlagen konzentrieren soll. Im Mai 2009 trennte sich Q-Cells von seiner 17,2prozentigenigen Beteiligung an dem norwegischen Spezialisten Renewable Energy Corp (REC). Unternehmensmitgründer Anton Milner führt das Unternehmen als CEO. Insgesamt beschäftigte Q-Cells zuletzt mehr als 2.000 Mitarbeiter, davon über 100 Wissenschaftler und Ingenieure.

Zahlen

Bei Q-Cells erreichte die Produktion im Gesamtjahr 2009 eine Leistung von 551 MWp, im Vergleich zu dem Wert von 574 MWp im Jahr 2008. Der Umsatz der Q-Cells SE belief sich 2009 auf 801 Mio. Euro im Gegensatz zu 1,251 Mrd. Euro im Vorjahr. Auch das bereinigte EBIT (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) rutschte mit minus 77 Mio. Euro, gegenüber plus 205 Mio. Euro in 2008 tief in die roten Zahlen. Unbereinigt ergab sich für das Jahr 2009 ein EBIT von minus 481 Mio. Euro. Das Nettoergebnis des Solarunternehmens verblieb mit minus 1,356 Mrd. Euro in 2009, was einem radikaler Rückgang bezüglich des Vorjahresergebnisses von plus 191 Mio. Euro entspricht.

Der Umsatz des ersten Quartals 2010 lag mit 232,3 Mio. Euro über dem Vorjahreswert von 224,6 Mio. Euro. Die Gesamtleistung von Q-Cells summierte sich auf 289,7 Mio. Euro (2009: 282 Mio. Euro). Es wurde ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von 18,8 Mio. Euro erzielt, in 2009 waren es 35,8 Mio. Euro. Das EBIT summierte sich auf minus 9,3 Mio. Euro nach plus 21,3 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. Das Nettoergebnis von Q-Cells lag mit minus 46,4 Mio. Euro weiterhin in den roten Zahlen, allerdings konnte eine Verbesserung gegenüber dem Vorjahreswert von minus 391,9 Mio. Euro verbucht werden.

Meldung gespeichert unter: Global PVQ

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