Q-Cells - vom einstigen Marktführer zum Sanierungsfall

Donnerstag, 4. März 2010 13:09
Q-Cells_Logo.gif

(IT-Times) - Die jüngste Kurserholung bei Deutschlands führendem Solarzellenhersteller Q-Cells SE (WKN: 555866) bewerten Marktbeobachter eher als technische Reaktion. Zu fundamental sind die Probleme, denen sich die in Sachsen-Anhalt ansässige Q-Cells derzeit gegenüber sieht.

Nachdem hohe Abschreibungen im Vorjahr die Ergebnisse belastet haben, konnte das Unternehmen auch im operativen Geschäft nicht überzeugen. Rechnet man die Belastungen durch etwaige Wertberichtigungen heraus, blieb auch das bereinigte Ergebnis weiter negativ.

Q-Cells muss sich neu erfinden bzw. neu aufstellen, um im internationalen Wettbewerb langfristig bestehen zu können, so der allgemeine Tenor im Analystenlager. Für Q-Cells kommt die nunmehr beschlossene Senkung der Solarförderung in Deutschland zur Unzeit. Das Bundeskabinett hatte am Vortag die Förderkürzung für Dachanlagen zum 1. Juli um 16 Prozent beschlossen. Für Freiflächen soll die Förderung um 15 Prozent sinken. Anlagen auf Ackerflächen sollen nur in Ausnahmefällen in den Genuss der Förderung kommen, so der Entwurf, der Ende März dem Bundestag vorgelegt werden soll.

Marktbeobachter erwarten kaum mehr Änderungen
Einzelne Politiker verschiedener Parteien wollen jedoch nicht aufgeben und fordern bereits Nachbesserungen. Positiv für die Branche ist der Umstand, dass es sich um den jüngsten Beschluss nicht um einen Gesetzesentwurf, sondern lediglich um eine „Formulierungshilfe“ handelt. Damit steht den Fraktionen nach wie vor die Möglichkeit für kleinere Nachbesserungen offen. Radikale Änderungen der beschlossenen Anpassungen sind jedoch kaum mehr zu erwarten.

Nunmehr sind die Hersteller am Zug, ihre Preise zu senken, um weiter wettbewerbsfähig zu bleiben. Q-Cells hat mit der Produktionsverlagerung nach Malaysia, die Ende 2010 weitgehend abgeschlossen sein soll, bereits den ersten Schritt getan, dem noch weitere folgen müssen, um gegen die Konkurrenz aus Asien und insbesondere aus China bestehen zu können.

Zwar zogen die Spot-Marktpreise für Solarzellen aufgrund der hohen Nachfrage aus Deutschland zuletzt wieder an, doch führen Marktbeobachter diese Entwicklung eher auf Vorzieheffekte zurück, nachdem im weltweit größten Solarmarkt Deutschland die Einspeisevergütungen zur Jahresmitte gesenkt werden. Während die Preise für Solarzellen im ersten Halbjahr vergleichsweise stabil bleiben dürften, rechnen Marktbeobachter im zweiten Halbjahr wieder mit einem erhöhten Preisdruck - darauf wird sich auch Q-Cells einstellen müssen.

Kurzportrait

Die im Jahre 1999 gegründete und Thalheim/Sachen-Anhalt ansässige Q-Cells SE ist einer der weltweit größten Hersteller von Solarzellen. Im Jahr 2001 nahm Q-Cells die Produktion auf, wobei heute fünf hochmoderne Produktionslinien betrieben werden.

Das Unternehmen hat sich hauptsächlich auf die Produktion von mono- und multikristalline Solarzellen auf Siliziumbasis spezialisiert. Inzwischen bietet Q-Cells aber auch Dünnschicht-Module an. Daneben arbeitet Q-Cells im Bezug auf die Fertigung ganzer Solarmodule mit führenden Moduleherstellern weltweit zusammen.

Die gesamte Solarzellenfertigung bei Q-Cells ist vollautomatisiert. Insgesamt bietet Q-Cells Solarzellen in 48 verschiedenen Qualitätsklassen an. Q-Cells legt bei der Fertigung und Herstellung seiner Zellen auf beste Qualität, Optik und Leistung. Das Unternehmen legt auch großen Wert auf Schwachlichtverhalten und Leistungstoleranzen, die Q-Cells mit +/- 1,5 Prozent angibt. Mit der Einführung der ersten 6-Zoll-Solarzelle Q6 und dem Zellformat Q6L will sich das Unternehmen von seinem Wettbewerbern abgrenzen.

Q-Cells verkauft seine Produkte weltweit in mehr als 32 Ländern (Spanien, Frankreich, Italien, Türkei, Japan, Südkorea, China, USA, Südafrika usw.) und beliefert mehr als 67 Kunden wie zum Beispiel die Solon AG. Der Exportanteil liegt inzwischen bei weit über 50 Prozent, Tendenz steigend. Im Ausland ist das Unternehmen unter anderem mit seiner Tochter Q-Cells Asia Ltd. präsent. Zudem hält das Unternehmen weitere Beteiligungen an der EverQ GmbH und der CSG Solar AG. 33 Prozent werden an der kalifornischen Solaria Corporation gehalten, während Q-Cells 100 Prozent der Anteile an Sontor und Calyxo hält. Die Tochter Sontor wurde in 2009 mit dem Spezialisten Sunfilm fusioniert, um einen neuen Dünnschichtanbieter zu schaffen, an welchem Q-Cells mit 50 Prozent beteiligt sein wird. Darüber hinaus hat Q-Cells eine Kooperation mit der chinesischen LDK Solar im Bereich Silizium-Wafer geschlossen. Mitte 2009 stockte Q-Cells seine Beteiligung an der Solibro GmbH auf 100 Prozent auf.

Mit der Q-Cells International GmbH hat das Unternehmen in 2007 eine neue Tochter gegründet, die sich auf die Projektierung von Dachanlagen und Freiflächenanlagen konzentrieren soll. Im Mai 2009 trennte sich Q-Cells von seiner 17,2%igen Beteiligung an dem norwegischen Spezialisten Renewable Energy Corp (REC).

Unternehmensmitgründer Anton Milner führt das Unternehmen als CEO. Insgesamt beschäftigte Q-Cells zuletzt mehr als 2.000 Mitarbeiter, davon über 100 Wissenschaftler und Ingenieure.

Zahlen

Bei Q-Cells erreichte die Produktion im Gesamtjahr 2009 eine Leistung von 551 MWp, im Vergleich zu dem Wert von 574 MWp im Jahr 2008. Der Umsatz der Q-Cells AG belief sich 2009 auf 801 Mio. Euro im Gegensatz zu 1,251 Mrd. Euro im Vorjahr. Auch das bereinigte EBIT (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) rutschte mit minus 77 Mio. Euro, gegenüber plus 205 Mio. Euro in 2008 tief in die roten Zahlen. Unbereinigt ergab sich für das Jahr 2009 ein EBIT von minus 481 Mio. Euro. Das Nettoergebnis des Solarunternehmens verblieb mit minus 1,356 Mrd. Euro in 2009, was einem radikaler Rückgang bezüglich des Vorjahresergebnisses von plus 191 Mio. Euro entspricht.

Im vierten Quartal 2009 erreichte Q-Cells eine Produktion von 161 MWp. Der Umsatz des vierten Quartals belief sich auf 251 Mio. Euro im Vergleich zu 319,4 Mio. Euro im Vergleichsquartal 2008. Das operative Ergebnis (EBIT bereinigt) wurde für das letzte Quartal 2009 mit minus 20 Mio. Euro angegeben, währen im vierten Quartal 2008 noch plus 32,2 Mio. Euro erwirtschaftet werden konnte. Das unbereinigte EBIT für die letzten drei Monate im Geschäftsjahr 2009 belief sich auf minus 270 Mio. Euro. Das Nettoergebnis der Q-Cells AG betrug im vierten Quartal 2009 minus 411 Mio. Euro.

Meldung gespeichert unter: Global PVQ

© IT-Times 2016. Alle Rechte vorbehalten.

Unternehmen / Branche folgen
Unsere Nachrichten auf Ihrer Website

Sie haben die Möglichkeit, mit unserem Webmaster-Nachrichten-Tool die Nachrichten von IT-Times.de kostenlos auf Ihrer Internetseite einzubauen.

Zugeschnitten auf Ihre Branche bzw. Ihr Interesse.

Unternehmen / Branche folgen
Unsere Nachrichten auf Ihrer Website

Sie haben die Möglichkeit, mit unserem Webmaster-Nachrichten-Tool die Nachrichten von IT-Times.de kostenlos auf Ihrer Internetseite einzubauen.

Zugeschnitten auf Ihre Branche bzw. Ihr Interesse.

Folgen Sie IT-Times auf ...