Q-Cells - Rien ne va plus?

Donnerstag, 8. März 2012 13:41
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(IT-Times) - Der Solarzellen-Pionier Q-Cells steht weiter mit dem Rücken zur Wand. Obwohl das Unternehmen Ende Februar einen Zahlungsaufschub bei einer Wandelanleihe im Volumen von 200 Mio. Euro erreicht hat, um eine vorzeitige Insolvenz zu vermeiden, steht das Unternehmen trotzdem vor dem Aus.

Hintergrund sind die nach wie vor hohen Verluste, mit denen das Unternehmen zu kämpfen hat. Zwar verfügte Q-Cells eigenen Angaben nach zu Jahresbeginn noch über liquide Mittel von 305 Mio. Euro, operativ musste Q-Cells im Jahr 2011 ein Minus von 720 Mio. Euro ausweisen. Schafft es das Unternehmen nicht, seine Verluste im operativen Geschäft schnell einzudämmen und Anleiheinhaber weiter zu vertrösten, droht die Zahlungsunfähigkeit.

Preise für Solarzellen bleiben weiter im Keller

Ursächlich für die eigentlich missliche Lage bei Q-Cells ist aber insbesondere der Nachfrageeinbruch im Kerngeschäft und der massive Preisverfall bei Solarzellen, der zu hohen Wertberichtigungen bei Q-Cells (WKN: 555866) führte.

Überkapazitäten in der Solarbranche hatten im vergangenen Jahr zu einem massiven Preisverfall bei Solarmodule und Solarzellen geführt. Obwohl viele Hersteller ihre Pläne für den Produktionsausbau verworfen bzw. Produktionslinien stillgelegt haben, scheint der Preis für Solarzellen weiter im Keller zu bleiben. Solarzellen mit einem Wirkungsgrad von über 17 Prozent werden in China derzeit weiterhin bei 0,48 bis 0,50 US-Dollar pro Watt gehandelt, meldet der Branchendienst DigiTimes mit Verweis auf Industriequellen. Damit sind die Preise im Vergleich zum Januar bzw. Februar zwar stabil geblieben, mehr aber auch nicht.

Kommt die Produktionsverlagerung zu spät?

Q-Cells hat zwar bereits reagiert und im Herbst 2011 vergangenen Jahres angekündigt, den Großteil seiner Produktion nach Malaysia zu verlagern zu wollen, doch ob diese Maßnahme allein ausreicht, um das Unternehmen aus der Misere herauszuführen, dürfte angesichts der weiterhin unterirdischen Preise für Solarzellen fraglich sein.

Auf eine schnelle Erholung der Preise braucht Q-Cells ebenfalls nicht zu hoffen. Hintergrund sind weitere drastische Subventionskürzungen in Europa. Vor allem der bislang größte Solarmarkt in Deutschland dürfte sich in diesem Jahr auf 2,5 bis 3,5 Gigawatt halbieren, nachdem voraussichtlich Anfang April eine weitere Förderkürzung von bis zu 30 Prozent in Kraft treten wird.

Einbruch in Deutschland - Wachstum im Ausland

Die Hoffnungen Q-Cells stützen sich insbesondere auf das Wachstum anderer Solarmärkte wie China, die USA oder Indien, um den Nachfrageausfall in Deutschland aufzufangen. Allein der chinesische Solarmarkt soll in 2012 auf 7,5 Gigawatt klettern. Der US-Solarmarkt soll bis 2014 ein Volumen von bis zu 5,5 Gigawatt erreichen. Der indische Solarmarkt steckt dagegen noch in den Kinderschuhen, könnte aber in den nächsten Jahren rapide wachsen und im Jahr 2022 auf 33 Gigawatt klettern, glauben Marktforscher.

Bis dahin ist aber noch ein weiter Weg zu gehen, der für Q-Cells möglicherweise zu lang ist. Neben den Verhandlungen mit Anleiheinhabern fehlt nach wie vor ein tragfähiges Sanierungskonzept, welches aufzeigt, wie Q-Cells langfristig mit chinesischen Anbietern konkurrieren will.

Kurzportrait

Die im Jahre 1999 gegründete und Thalheim/Sachen-Anhalt ansässige Q-Cells SE ist einer der weltweit größten Hersteller von Solarzellen. Im Jahr 2001 nahm Q-Cells die Produktion auf, wobei heute hochmoderne Produktionslinien in Malaysia betrieben werden.

Das Unternehmen hat sich hauptsächlich auf die Produktion von mono- und multikristalline Solarzellen auf Siliziumbasis spezialisiert. Inzwischen bietet Q-Cells aber auch Dünnschichtmodule an. Daneben arbeitet Q-Cells im Bezug auf die Fertigung ganzer Solarmodule mit führenden Moduleherstellern weltweit zusammen.

Die gesamte Solarzellenfertigung bei Q-Cells ist vollautomatisiert. Insgesamt bietet Q-Cells Solarzellen in 48 verschiedenen Qualitätsklassen an. Q-Cells legt bei der Fertigung und Herstellung seiner Zellen auf beste Qualität, Optik und Leistung. Das Unternehmen legt auch großen Wert auf Schwachlichtverhalten und Leistungstoleranzen, die Q-Cells mit +/- 1,5 Prozent angibt. Mit der Einführung der ersten 6-Zoll-Solarzelle Q6 und dem Zellformat Q6L will sich das Unternehmen von seinem Wettbewerbern abgrenzen.

Q-Cells verkauft seine Produkte weltweit in mehr als 32 Ländern (Spanien, Frankreich, Italien, Türkei, Japan, Südkorea, China, USA, Südafrika usw.) und beliefert mehr als 67 Kunden wie zum Beispiel die Solon AG. Der Exportanteil liegt inzwischen bei weit über 50 Prozent, Tendenz steigend. Im Ausland ist das Unternehmen unter anderem mit seiner Tochter Q-Cells Asia Ltd. präsent. Zudem hält das Unternehmen weitere Beteiligungen an der EverQ GmbH und der CSG Solar AG. 33 Prozent werden an der kalifornischen Solaria Corporation gehalten, während Q-Cells 100 Prozent der Anteile an Sontor und Calyxo hält. Die Tochter Sontor wurde in 2009 mit dem Spezialisten Sunfilm fusioniert, um einen neuen Dünnschichtanbieter zu schaffen, an welchem Q-Cells mit 50 Prozent beteiligt sein wird. Darüber hinaus hat Q-Cells eine Kooperation mit der chinesischen LDK Solar im Bereich Silizium-Wafer geschlossen. Mitte 2009 stockte Q-Cells seine Beteiligung an der Solibro GmbH auf 100 Prozent auf.

Meldung gespeichert unter: Global PVQ

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