ProSiebenSat.1: Warten auf das Ende der Krise

Mittwoch, 23. Dezember 2009 11:49
ProSiebenSat.1 Media

(IT-Times) – Die Sendergruppe ProSiebenSat.1 Media AG (WKN: 777117) hat ein bewegtes Jahr hinter sich. Die Krise in der Wirtschaft und in der Werbebranche machte auch der Sendergruppe zu schaffen. Zwischenzeitlich war im Gespräch, dass der eigene Nachrichtensender N24 verkauft werden soll, dann wiederum sorgte das Unternehmen mit der zwischenzeitlichen Ankündigung, Gebühren verlangen zu wollen für Furore.

Die Ankündigung wurde rasch widerrufen, was jedoch klar ist: ProSiebenSat.1 wird mit Beginn des neuen Jahres 2010 mit einem neuen Vermarkter für die konzerneigenen Online-Portale zusammenarbeiten. Die eigene Tochtergesellschaft SevenOne Media wird bei der Vermarktung von mobilen Inhalten beziehungsweise mobilen Portalen mit der Contnet AG gemeinsame Sache machen. SevenOne Media betreibt insgesamt 13 mobile Internetseiten wie die Angebote der Sender ProSieben, Sat.1 oder N24 aber auch andere Portale wie MyVideo, ran oder lokalisten und ist dabei auf Wachstumskurs. So betrieb SevenOne Media noch Ende 2007 gerade sechs mobile Portale.

Vorantreiben will ProSieben zusammen mit Contnet besonders das Angebot an Sonderwerbeformen und Bewegtbild-Werbung. Vor allem die Interaktionsfähigkeit der mobilen Endgeräte und die unmittelbare Nähe zum Konsumenten würde von werbetreibenden Unternehmen geschätzt, weshalb man sich wohl einiges von der neuen Vermarktung verspricht.

ProSiebenSat.1 verspricht sich von dem neuen Ansatz langfristig „signifikante Zusatzeinnahmen“. In einer ersten Testphase habe man seit Juli 2009 20 Unternehmen unter Vertrag. Nun ist man allerdings bei der Tochtergesellschaft des Senders, MM Merchandising Media, auf der Suche nach weiteren Kooperationspartnern. Man geht dabei von keiner schnellen Erholung der Werbebranche aus. Es sei „kein Geheimnis“, dass eine volle Auslastung von Werbeblöcken noch auf sich warten lassen werde. Durch das neue Geschäftsmodell will ProSiebenSat.1 nun nicht verkaufte Werbeplätze vermarkten. Dabei richtet man sich ausschließlich an Unternehmen, welche bislang noch nicht im Fernsehen geworben haben. ProSiebenSat.1 fordert derzeit 30 bis 50 Prozent des Nettoumsatzes oder die Hälfte des Gewinns.

Die Onlinemedien gehören damit im ProSiebenSat.1-Konzern zu einem der wenigen Wachstumsbereiche. So war erst Ende vergangenen Monats bestätigt worden, dass der Konzern weiterhin plane, den Nachrichtensender N24 zu veräußern. Hintergrund des Ganzen: Interne Sparpläne wegen hoher Verschuldung. Bislang werden allerdings lediglich verschiedene Optionen geprüft, ein Verkauf dabei allerdings nicht ausgeschlossen. N24 verbucht laut internen Berichten einen Verlust von rund 40 Mio. Euro im Jahr.

Unorthodoxe Wege aus der Krise

ProSiebenSat.1 ist in der Branche ja bei weitem kein Einzelfall. Die Sendergruppe kämpft wie viele andere klassischen Medien mit dem Einbruch an Werbegeldern. ProSiebenSat.1 tun sich unter den vielen klassischen Medien jedoch hervor, da die Gruppe nach unorthodoxen Wegen aus der Krise sucht. So ist auch im Gespräch, zusätzliche Werbeflächen kostenfrei an Unternehmen abzugeben. Im Gegenzug sollen diese, anstatt Gebühren für den Werbeplatz im TV-Programm zu zahlen, die Sendergruppe am Umsatz beteiligen. In den kommenden Monaten wollen die Sender bis zu 50 Unternehmen für das ungewöhnliche Projekt gewinnen. Bislang galt für TV-Werbung ein einfaches Abrechnungsprinzip: Je nach Dauer der Werbeeinblendung, Sendezeit und der erwarteten Zuschauermenge werden Werbekunden zur Kasse gebeten. Durch die verschlechterte wirtschaftliche Situation schwächelte dieses Prinzip allerdings in der Vergangenheit. Unternehmen strichen den Werbeetat zusammen. Auch ein Ausweichen auf alternative Medien wie etwa das Internet war festzustellen. Privatsender wie ProSiebenSat.1 sind allerdings auf Werbeerlöse angewiesen. Anders als bei öffentlich-rechtlichen Sendern stellen diese die Haupteinnahmequelle dar.

Lizenzdeal mit Twentieth Century Fox Television

Anfang Oktober ist ProSiebenSat.1 ein Coup gelungen. Nachdem die Gruppe im Frühjahr ihren Partner Warner Bros an RTL verloren hatte, konnte ein Lizenzdeal mit Twentieth Century Fox Television abgeschlossen werden und damit wurde der Konkurrent RTL ausgestochen.

Mit dem Lizenzkontrakt sicherte sich ProSiebenSat.1 die exklusiven Free-TV-Rechte an US-Blockbustern und Serien für seine TV-Sender in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Damit kann ProSiebenSat.1 unter anderem Hollywood-Streifen wie “Die Chroniken von Narnia” und "Date Night" mit Steve Carell zeigen. Im Serien-Bereich hält ProbSiebenSat.1 nunmehr die Ausstrahlungsrechte an den Erfolgsserien wie die „Die Simpsons“ oder „24“. Der Kontrakt mit Twentieth Century Fox ergänzt die bisherigen Verträge, die der Sender bereits mit Sony Pictures International, Dreamworks, Constantin, Kinowelt, CBS, Paramount, Disney, Warner, MGM, Tobis Film und Lucasfilm unterhält. Ob sich die höhere Qualität der Inhalte auch in steigenden Umsätze und Gewinnen niederschlagen wird, hängt nicht nur von den Einschaltquoten ab. Der Sender ist in erster Linie darauf angewiesen, dass Firmen wieder mehr Geld in TV-Werbung investieren oder aber mögliche neue Erlösquellen tatsächlich Früchte tragen werden.

Kurzportrait

Die in Unterföhring bei München ansässige ProSiebenSat.1 Media AG gilt als einer der führenden Medienkonzerne in Europa. Das Unternehmen ist zudem das größte Free-TV-Unternehmen in Deutschland. Hierfür betreibt das Unternehmen die Sender-Marken Sat.1, ProSieben, Kabel eins und N24 in Deutschland. Die Sender finanzieren sich mehrheitlich über Werbeschaltung zwischen Serien und Spielfilmen. Das Werbefinanzierte Free-TV-Geschäft bildet daher auch das Kerngeschäft des Unternehmens.

Jedoch ist die Mediengruppe nicht nur in Deutschland aktiv. Auch in den Niederlanden betreibt ProSiebenSat.1 mit Veronica, Net 5 und SBS 6 eigene TV-Sender. In Belgien ist der Medienkonzern über die Sender Belgien VT 4 und Vijf TV vertreten, während das Unternehmen in Schweden die Sender Kanal 5 und Kanal 9 betreibt. In Norwegen ist ProSiebenSat.1 mit den Sendern TV Norge und FEM am Start, während man in Dänemark die Sender Kanal 4, Kanal 5 und SBS Net betreibt. Auch in Osteuropa ist man mit TV2 (Ungarn) und mit Prima TV und Kiss TV (Rumänien) aktiv. Mitte 2007 hatte sich ProSiebenSat.1 in Europa durch die Übernahme der SBS Broadcasting Group für 3,3 Mrd. Euro noch mal verstärkt. Ende 2008 trennte sich ProSiebenSat.1 dann von seinem Pay-TV-Sender C More. Mitte 2009 bündelte ProSiebenSat.1 seine TV- und Online-Vermarktungsaktivitäten in der SevenOne Media GmbH.

Insgesamt operiert ProSiebenSat.1 aus dem Geschäftsbereich Free-TV und Diversifikation heraus, der wiederum in drei Geschäftsbereiche Free-TV in Deutschland, Free-TV International und Diversifikation gegliedert ist. In den vergangenen Jahren expandierte ProSiebenSat.1 zunehmend ins World Wide Web. So betreibt das Unternehmen mit den Video-Portalen Maxdome und MyVideo populäre Internet-Angebote im deutschsprachigen Raum. Bereits im Jahr 2006 kaufte die Sendergruppe die Solute GmbH, welche die Preissuchmaschine Billiger.de betreibt. Zudem übernahm ProSiebenSat.1 das Frauen-Portal Fem.com. Neben Fem.com betreibt ProSiebenSat.1 noch die Webseiten Wer-Weis-Was.de, Wetter.com und Oktoberfest.de. Im Frühjahr 2008 übernahm der Sender die Mehrheit an dem Online-Netzwerk Lokalisten.de. Im Herbst 2008 folgte schließlich die Übernahme der Social-Newsseite Webnews.de.

Meldung gespeichert unter: Free-TV

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