ProSiebenSat.1 kämpft ums Überleben

Mittwoch, 19. November 2008 12:54
ProSiebenSat.1 Media

(IT-Times) Deutschlands führender Free-TV-Sender ProSiebenSat.1 Media AG (WKN: 777117) sieht sich existenzbedrohenden Problemen gegenüber. Das Unternehmen hat nach der Übernahme der SBS Broadcasting Group Schulden in Höhe von 3,8 Mrd. Euro angehäuft. Trotz bereits hoher Schulden hat das Unternehmen zur Jahresmitte zu allem Überfluss eine ungewöhnlich hohe Dividende von 270 Mio. Euro ausgeschüttet - Geld, das dem Unternehmen nunmehr fehlen wird.

Das Management und seine Miteigentümer, die beiden Finanzinvestoren Permira und KKR, haben sich verrechnet. Der Abschwung im deutschen und internationalen Werbemarkt trifft ProSiebenSat.1 mit voller Härte. Schon im dritten Quartal hat das Unternehmen unter dem Strich bereits einen Verlust verkraften müssen. Während der deutsche Werbemarkt in den nächsten Jahren eher schrumpfen als wachsen dürfte, muss ProSiebenSat.1 pro Jahr jährlich 250 bis 260 Mio. Euro an Zinszahlungen aufbringen. Dies gelingt aber nur, wenn das Geschäft gut läuft.

Mit Sparmaßnahmen und Beteiligungsverkäufe gegen den drohenden Bankrott
Danach sieht es derzeit nicht aus. Vielmehr erwarten die ProSiebenSat.1-Manager im nächsten Jahr eine weitere Abschwächung des Werbemarktes. Damit bleibt der Mediengruppe nichts anderes mehr übrig, als die Kosten weiter zu senken. Durch den nunmehr beschlossenen Umzug des Senders Sat.1 von Berlin nach München sollen in den nächsten Monaten 225 Arbeitsplätze wegfallen.

Zudem will sich ProSiebenSat.1 von Beteiligungen trennen. Zum Verkauf steht unter anderem das Pay-TV-Unternehmen C More, wobei ein Käufer bis zum Jahresende gefunden sein soll. Angesichts der schwierigen Konjunkturlage kein leichtes Unterfangen. Den Verkauf des Verlags Veronica musste der Medienkonzern bereits stoppen.

ProSiebenSat.1 spielt im Netz nur die zweite Geige
Neben Finanzierungsproblemen sieht sich ProSiebenSat.1 auch Strukturproblemen gegenüber. Zu spät hat der Medienkonzern die Bedeutung des Internets erkannt. Zwar ist die Gesellschaft mit der Übernahme von MyVideo.de und diverser anderer Internet-Seiten inzwischen im Netz vertreten, doch ist der Medienkonzern nach wie vor stark von seinem Kerngeschäft mit TV-Werbung abhängig. Daran ändert auch die jüngste Übernahme von Webnews.de nichts.

Stattdessen bringt sich die Konkurrenz in Form von YouTube und Microsoft (MSN) weiter in Stellung. Die beiden Portale wollen ihre Webseiten zur interaktiven TV-Plattform ausbauen und haben hierfür bereits Verträge mit Hollywood-Studios geschlossen, um Filme und TV-Serien kostenlos durch Werbung finanziert zeigen zu dürfen. Die Zukunft ist online und wird möglicherweise ohne den TV-Giganten ProSiebenSat.1 stattfinden…

Kurzportrait

Die in Unterföhring bei München ansässige ProSiebenSat.1 Media AG gilt als einer der führenden Medienkonzerne in Europa. Das Unternehmen ist zudem das größte Free-TV-Unternehmen in Deutschland.

Hierfür betreibt das Unternehmen die Sender-Marken Sat.1, ProSieben, Kabel eins und N24 in Deutschland. Die Sender finanzieren sich mehrheitlich über Werbeschaltung zwischen Serien und Spielfilmen. Das Werbefinanzierte Free-TV-Geschäft bildet daher auch das Kerngeschäft des Unternehmens.

Jedoch ist die Mediengruppe nicht nur in Deutschland aktiv. Auch in den Niederlanden betreibt ProSiebenSat.1 mit Veronica, Net 5 und SBS 6 eigene TV-Sender. In Belgien ist der Medienkonzern über die Sender Belgien VT 4 und Vijf TV vertreten, während das Unternehmen in Schweden die Sender Kanal 5 und Kanal 9 betreibt. In Norwegen ist ProSiebenSat.1 mit den Sendern TV Norge und FEM am Start, während man in Dänemark die Sender Kanal 4, Kanal 5 und SBS Net betreibt. Auch in Osteuropa ist man mit den TV2 (Ungarn) und mit Prima TV und Kiss TV (Rumänien) aktiv. Mitte 2007 hatte sich ProSiebenSat.1 in Europa durch die Übernahme der SBS Broadcasting Group für 3,3 Mrd. Euro noch mal verstärkt.

Insgesamt operiert ProSiebenSat.1 aus dem Geschäftsbereich Free-TV und Diversifikation heraus, der wiederum in drei Geschäftsbereiche Free-TV in Deutschland, Free-TV International und Diversifikation gegliedert ist.

In den vergangenen Jahren expandierte ProSiebenSat.1 zunehmend ins World Wide Web. So betreibt das Unternehmen mit den Video-Portalen Maxdome und MyVideo populäre Internet-Angebote im deutschsprachigen Raum. Bereits im Jahr 2006 kaufte die Sendergruppe die Solute GmbH, welche die Preissuchmaschine Billiger.de betreibt. Zudem übernahm ProSiebenSat.1 das Frauen-Portal Fem.com. Neben Fem.com betreibt ProSiebenSat.1 noch die Webseiten Wer-Weis-Was.de, Wetter.com und Oktoberfest.de. Im Frühjahr 2008 übernahm der Sender zudem die Mehrheit an dem Online-Netzwerk Lokalisten.de. Im Herbst 2008 folgte schließlich die Übernahme der Social-Newsseite Webnews.de.

Zahlen

Für das vergangene dritte Quartal 2008 meldete ProSiebenSat.1 einen leichten Umsatzrückgang um 3,2 Prozent auf 646,5 Mio. Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) belief sich auf 92,5 Mio. Euro und lag damit deutlich über dem Vorjahreswert von 0,4 Mio. Euro. Aus den roten Zahlen geholt hat ProSiebenSat.1 zudem das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT), welches im dritten Quartal 2008 58,6 Mio. Euro betrug (Vorjahresquartal: minus 57,2 Mio. Euro).

Vor Steuern verloren die Münchner 20 Mio. Euro. Der Vorjahresfehlbetrag lag noch bei 103,7 Mio. Euro. Nach 68,4 Mio. Euro in 2007 verzeichnete ProSiebenSat.1 im dritten Quartal 2008 noch einen marginalen Konzernüberschuss von 0,6 Mio. Euro. Pro Aktie ergibt sich daraus ein verwässertes Ergebnis von 0,013 Euro nach 0,32 Euro vor einem Jahr.

Meldung gespeichert unter: Free-TV

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