Priceline.com - ein Außenseiter holt auf

Mittwoch, 9. August 2006 00:00
Priceline.com

(IT-Times) - Der amerikanische Online-Touristikspezialist Priceline.com (Nasdaq: PCLN, WKN: 766054) ist zwar der kleinste unter den großen Online-Reiseagenturen Expedia, Cendant und Sabre Holdings, doch im Gegensatz zu Expedia laufen die Geschäfte bei Priceline.com blendend.

Vor allem bei Hotelübernachtungen konnte Priceline.com seine Wettbewerber regelrecht deklassieren, wie die jüngsten Zahlen zeigen. Nicht zuletzt aufgrund der Stärke von Priceline Europe kletterten die Umsätze mit Übernachtungen im zurückliegenden Quartal um 82,5 Prozent, nachdem die Erlöse in diesem Bereich bereits im ersten Quartal 2006 um 62,5 Prozent zugelegt hatten.

Und der Erfolg von Priceline Europe, unter dem Dach die Einheiten Bookings B.V., Active Hotels und priceline.co.uk zusammengefasst sind, ist nicht nur allein auf Zukäufe zurückzuführen. Mit einem Buchungsvolumen von 356,6 Mio. Dollar im zweiten Quartal ergibt sich ein organisches Wachstum von immerhin 116,9 Prozent. Doch worin liegt der Erfolgsgeheimnis des Unternehmens speziell in diesem Bereich?

Priceline-Konzept geht auf

Mit 24.000 teilnehmenden Hotels in Europa verfügt Priceline.com zum einen über ein breit gefächertes Vertriebsnetz. Zum anderen unterscheidet sich das Unternehmen in Europa von anderen Mitbewerbern durch niedrigere Kommissionen und besserer Zahlungsmodalitäten für seine Kunden und Hotels. Während Konkurrenten für die Vermittlung von Hotelzimmer und Übernachtungen schon mal bis zu 40 Prozent an Kommissionen kassieren, gibt sich Priceline.com mit 10 bis 15 Prozent zufrieden. Hotels können diese Provisionen an das Unternehmen überweisen, wenn der Kunde ausgecheckt hat. Wettbewerber erheben Provisionen bereits oft im Vorfeld, wobei Kunden meist auch Vorauszahlungen leisten müssen.

Insgesamt gewinnt das traditionelle Retail-Geschäft an Bedeutung, womit das von Priceline.com so oft beworbene „Name-Your-Own-Price“ System zunehmend in den Hintergrund rückt.

Kurzportrait

Die Internet-Plattform Priceline.com, die im Jahre 1998 mit seinem Internet-Service online ging, gilt als eines der populärsten Namen und zugleich als eines der größten E-Commerce Seiten im weltweiten Datennetz. Durch sein patentiertes System (US-Patent Nr. 5.794.207) können Interessenten einen Preis für Flugtickets, Hotelzimmer, Kreuzfahrten, und Mietautos nennen, während sich das Softwaresystem in der angeschlossenen Datenbank auf die Suche nach übereinstimmenden Angeboten begibt. Der Nutzer erklärt sich dabei gleichzeitig bereit, seine Anfrage über einen gewissen Zeitraum offen zu halten. Findet Priceline.com ein Angebot, welches zum vorgegebenen Preis passt, kommt ein Kaufvertrag zwischen dem Interessenten und Priceline.com zu Stande.

Insgesamt bietet Priceline.com seinen Service in weit mehr als 1.200 Großstädten der USA an und verfügt über eine Datenbank, an welcher über 20.000 Hotels in Europa, Kanada, Mexiko und der Karibik angeschlossen sind. Im Bereich der Vermittlung von Flugtickets kooperiert das Unternehmen mit mehr als 30 nationalen und internationalen Fluglinien. Die funktionale Online-Plattform wird dabei von einem kostenlosen Newsletter-Service ergänzt, der den Interessenten über aktuelle Angebote informiert. Der Online-Service wird zudem durch einen Last-Minute-Service abgerundet. Gemeinsam mit dem Unternehmen LastMinuteTravel Network bietet das Unternehmen auch Angebote auch für kurzentschlossene Kunden an.

Auch einen entsprechenden Finanzierungsservice stellt Priceline.com ergänzend bereit. Über den Service PricelineMortgage können Interessenten entsprechende Möglichkeiten zur Refinanzierung bestimmter Ausgaben, wie zum Eigenheimbau in Anspruch nehmen. Dieser Service zeichnet sich nach Angaben der Gesellschaft durch einen besonders niedrigen und über Jahre hinweg stabilen Zinssatz aus, verspricht der Online-Anbieter aus Norwalk/Connecticut. Im Jahr 2002 kaufte das Unternehmen die Domain, sowie die Rechte an der rivalisierenden Online-Plattform Lowestfare.com, welche zuvor ebenfalls Flugtickets über das Internet anbot. Mit der Akquisition von Rentalcars.com stieg Priceline.com auch in das Mietwagengeschäft ein. Im Jahr 2004 übernahm Priceline.com schließlich das Reise-Portal Travelweb.com und Active Hotels. Mitte 2005 übernahm Priceline.com den holländischen Buchungs- und Reservierungsspezialisten Bookings BV.

Priceline-Chairman Richard Braddock hält nach wie vor eine Minderheitsbeteiligung an dem E-Commerce Unternehmen, während Cheung Kong als größter Aktionär von Priceline.com gilt. Daneben hält auch die in Hongkong ansässige Hutchison Whampoa eine Beteiligung an Priceline.com.

Zahlen

Für das zurückliegende zweite Quartal meldet Priceline.com einen Umsatzanstieg auf 307,7 Mio. US-Dollar, was einem Zuwachs von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Der Gewinn kletterte dabei auf 12,5 Mio. Dollar oder 28 US-Cent je Aktie, nach einem Plus von 12,4 Mio. Dollar oder 29 US-Cent je Aktie im Jahr vorher.

Ausgenommen außergewöhnlicher Sonderbelastungen in Form von Aktienoptionskosten und Wertberichtigungen konnte Priceline.com einen operativen Gewinn von 23 Mio. Dollar oder 55 US-Cent je Aktie realisieren und damit die Analystenerwartungen übertreffen. An der Wall Street hatte man zunächst mit Einnahmen von 294,2 Mio. Dollar und mit einem Nettogewinn von 51 US-Cent je Aktie kalkuliert.

Zwar verdoppelten sich die Werbekosten gegenüber dem Vorjahr, doch konnte man bei den Reisebuchungen ein Plus von 63 Prozent verzeichnen. Priceline.com sieht sich mit fünf Mio. vermittelten Hotelzimmern und Übernachtungen nunmehr als die Nummer eins in Europa und die Nummer zwei weltweit, so Firmenchef Jeffrey Boyd.

Markt und Wettbewerb

Priceline.com sieht sich nicht nur der direkten Konkurrenz zu anderen etablierten Online-Reiseanbietern, wie Expedia und Sabre Holdings (Travelocity.com) ausgesetzt. Auch der klassische Hotelreservist Cendant verfügt nicht nur über ein umfangreiches Hotelnetz, sondern kontrolliert auch über die Avis Group einen größeren Markanteil im Mietwagengeschäft. Daneben kaufte sich Cendant durch den Erwerb von CheapTickets.com in den Eintrittskarten-Handel ein.

Meldung gespeichert unter: Booking.com

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