Planungssicherheit über eine Legislaturperiode hinaus ist Voraussetzung für Investitionen in Gigabit-Netze

Glasfaserausbau Deutschland

Freitag, 10. März 2017 17:49
VATM

René Obermann beleuchtet Sicht der Investoren – Mehr als 100 Gäste beim VATM-Tele-Kompass Berlin-Mitte „Wahl-Check – Der richtige Weg zu Gigabit-Netzen“ mit Politik und Verbänden

VATM-Pressemitteilung

Berlin, 10.03.2016. „Es gibt viel Potenzial und Bedarf. Wir brauchen Glasfaser überall, langfristig sogar bis zu jedem Bauernhof.“ Das war eines der klaren Statements von René Obermann, Partner der Investmentgesellschaft Warburg Pincus und Ex-Telekom-Chef, beim VATM-Tele-Kompass in Berlin. Im europäischen Vergleich sei Deutschland in dieser Hinsicht einigermaßen unterentwickelt.

„Der Glasfaserausbau ist auch für ein leistungsfähiges 5G-Netz erforderlich“, so Obermann. Unter dem Titel „Wahl-Check – Der richtige Weg zu Gigabit-Netzen“ diskutierten Politik und Verbände im Berliner Basecamp. Es herrschte Einigkeit darüber, dass echte Gigabit-Anschlüsse in Deutschland geschaffen werden müssen. Wie dies gelingen kann, über den Grad der Flächendeckung und die richtige Förderung gab es eine lebhafte Diskussion. An Geld mangele es nicht, so Obermann: „Die Investoren stehen bereit. Aber sie brauchen langfristige, planbare Rahmenbedingungen. Investitionen dürfen nicht entwertet werden.“

„Ich kann mich René Obermann nur anschließen. Wir wollen über eine Legislaturperiode hinaus Planungssicherheit. Strategisch langfristig denkende Investoren sollten nicht verschreckt werden“, so Uwe Nickl, CEO der Deutschen Glasfaser Holding GmbH. Mit Blick auf die Netzallianz und das gerade verabschiedete Papier „Zukunftsoffensive – Gigabit-Deutschland“ meinte VATM-Präsident Martin Witt zu Beginn der Veranstaltung, man habe dort einen Kompromiss gefunden, auch wenn er sich ein stärkeres Bekenntnis zum Glasfaserausbau gewünscht hätte. „Wir brauchen jetzt die klare Zielvorgabe der Bundesregierung für echte Gigabit-Infrastrukturen. Damit können wir nicht bis nach der Bundestagswahl warten“, betonte Witt.

Fiber to the Bauer

Mit deutlichen Bildern setzte als erste Impulsgeberin die Hauptgeschäftsführerin des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU), Katherina Reiche, einen Akzent: „Wer heute auf Kupfer setzt, landet digital in der Steinzeit und schickt Schulen in die Kreidezeit zurück.“ Sie bedauerte, dass der Schwerpunkt der laufenden Legislaturperiode auf Kupfer liegt. Mehr als die Hälfte der deutschen Bevölkerung wohne nicht in der Stadt, sondern auf dem Land. Sie formuliert die Wichtigkeit des Themas als Frage: „Wie sichern wir Wohlstand und Lebensqualität in allen Regionen Deutschlands?“

Reiche kritisierte, dass Förderung häufig in Vectoring fließe und sogar ein Überbau konkurrierender Infrastrukturen durch den Platzhirschen möglich werde. Sie appellierte für ein verbindliches Förderverfahren, bei dem sich „die Telekom im Nachhinein nicht die Rosinen herauspicken kann“, wenn die Bagger schon rollten. Die städtischen Versorger seien mit großem finanziellem Engagement im Bereich Glasfaser – FTTB/H – unterwegs.

„Wir bleiben in Deutschland deutlich hinter unseren Möglichkeiten zurück“,  so Christian Klose, Bereichsleiter Digitales Innovationsmanagement der AOK Nordost, mit Blick auf die Erfordernisse für und Potenziale von E-Health. Einen nicht minder wichtigen Stellenwert von Gigabit-Netzen sah Bernhard Krüsken, Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes (DBV): „Digitale Infrastruktur ist der Klebstoff, um den ländlichen Raum zusammenzuhalten. Wir brauchen FTTB – `Fiber to the Bauer´ – genauso wie mobile Bandbreite in der Fläche.“ 70 Prozent der Mitglieder hätten in einer Umfrage klar geäußert: „Infrastruktur und Bandbreite reichen derzeit vorne und hinten nicht.“

„Wir müssen ambitionierter werden. Wir brauchen eine Gigabit-Strategie, die vor allem auf Glasfaser setzt“, unterstrich Lars Klingbeil, Netzpolitischer Sprecher der SPD-Bundestags-fraktion: „Bis 2025 wollen wir mindestens 90 Prozent mit Glasfaser abdecken. Wir brauchen aber auch eine mobile Gigabit-Infrastruktur.“ Das dürfe man nicht gegeneinander ausspielen. Eine moderne digitale Infrastruktur in Stadt und Land sei heute Grundlage für Wohlstand und die wirtschaftliche Entwicklung, so Klingbeil.

Meldung gespeichert unter: Glasfaser

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