Perfect Worlds perfekte Welt bekommt erste Kratzer

Mittwoch, 20. August 2008 13:00
Perfect World

(IT-Times) Der chinesische Online-Spielentwickler Perfect World (Nasdaq: PWRD, WKN: A0MWMP) konnte zwar Umsatz und Gewinne gegenüber dem Vorjahr signifikant steigern, jedoch zeigten sich Investoren enttäuscht, dass sich die Zahl der Online-Spieler im Vergleich zum ersten Quartal rückläufig entwickelte.

Erdbeben bremst das Wachstum
Waren im ersten Quartal noch 1,7 Mio. Online-Spieler als zahlende Nutzer aktiv, sank diese Zahl nunmehr um gut 200.000 auf rund 1,5 Online-Gamer. Ob dies ein Trend ist, oder nur ein kurzfristiger Rückschlag bedingt durch das Erdbeben in Sichuan, wird sich erst in den nachfolgenden Quartalen zeigen. Laut Perfect World Management ist der Einbruch bei den Spielerzahlen vornehmlich auf das Erdbeben zurückzuführen. Im Juli hat sich das Spieler-Niveau nach Management-Angaben wieder „normalisiert“.

Ein Indiz für einen eher kurzfristigen Rückgang ist der optimistische Ausblick. Trotz der Olympischen Spiele geht Perfect World davon aus, seine Umsätze im laufenden Quartal um zehn bis 15 Prozent gegenüber dem Vorquartal steigern zu können. Damit würde Perfect World in etwa so schnell wachsen als der Branchenschnitt - die chinesische Spieleindustrie wuchs zuletzt um 11,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal.

Anders als die chinesische Konkurrenz in Form von Netease.com oder The9, lizenziert Perfect World verstärkt seine Spiele ins Ausland, um International Fuß zu fassen. Das Auslandsgeschäft steuerte zuletzt zwar erst 5,1 Mio. Dollar und damit rund zehn Prozent zum Gesamtumsatz bei, soll aber langfristig ein Viertel zu den Gesamterlösen beitragen.

Perfect World hofft auf Wachstum im Ausland
In diesem Zusammenhang erreichte Perfect World bereits einen wichtigen Meilenstein. Mit Perfect World Entertainment ist das Unternehmen seit April als einer der ersten chinesischen Online-Spielentwickler mit einer eigenen Einheit im wichtigen nordamerikanischen Spielemarkt präsent. Am Vortag startete das Unternehmen mit dem geschlossenen Beta-Test seines Flagschiffprodukts „Perfect World II“ in Nordamerika. Die ausgegebenen 15.000 Beta-Keys über das Portal MMORPG.com waren binnen weniger Wochen vergriffen.

Perfect World dürfte im Bereich free-to-play neue Maßstäbe setzen und das bisherige Geschäftsmodell pay-to-play auch in Nordamerika ins Wanken bringen, nachdem der Spielentwickler zuvor schon in China erfolgreich dieses Geschäftsmodell praktiziert hat…

Kurzportrait

Die in Beijing ansässige Perfect World gilt als eines der jüngsten, aber erfolgreichsten Entwicklerstudios in China. Das Unternehmen wurde erst im Juni 2006 gegründet, gehört aber inzwischen zu den Top-10 Entwicklerstudios im Reich der Mitte.

Das Unternehmen hat sich dabei auf die Entwicklung so genannter Massiver Online-Rollenspiele konzentriert und hat derzeit insgesamt fünf Online-Rollenspiele am Start: "Perfect World," "Legend of Martial Arts," "Perfect World II" und "Zhu Xian" und „Chi Bi“. “Chi Bi” ist ein MMORPG, welches zusammen mit dem von John Woo inszenierten Film „Red Cliff“ in 2008 vermarktet werden soll. „Chi Bi“ ist die chinesische Bezeichnung für „Red Cliff“.

Bei der Entwicklung seiner Spiele vertraut das Unternehmen auf seine innovative Angelica 3D Engine. Durch diese Entwicklungsplattform ist das Unternehmen in der Lage binnen sehr kurzer Zeit neue Instanzen und Erweiterungen für seine bestehenden Online-Spiele zu generieren und gänzlich neue Titel zu schaffen. Nach eigenen Angaben nach ist Perfect World binnen sechs Monaten in der Lage, größere Erweiterungen für seine Online-Spiele auf den Markt zu bringen.

Während Perfect World für sein erstes Online-Rollenspiel „Perfect World“ ein pay-to-play Geschäftsmodell anwendet, basieren die jüngsten Spiele „Legend of Material Arts“, „Perfect World II“, „Zhu Xian“ und „Chi Bi“ auf dem free-to-play Geschäftsmodell. Dies bedeutet, dass Basisfunktionen des Spiels grundsätzlich kostenlos zur Verfügung stehen, Spieler können sich jedoch zusätzliche Waffen und andere virtuelle Gegenstände hinzukaufen. Zu diesem Zweck vermarktet das Unternehmen entsprechende Game-Karten über ein Netz von mehr als 27 Vertriebspartnern. Darüber hinaus vertreibt das Unternehmen Spielepunkte über seine Webseite und sein E-Commerce System. Im Frühjahr 2008 beteiligte sich Perfect World mit 20 Prozent an dem chinesischen Entwicklerstudio Chengdu Seasky Digital Entertainment.

Eine weitere Einnahmequelle stellt das Lizenzgeschäft dar. Perfect World hat im Zusammenhang mit seinen Online-Spielen verschiedene Lizenzverträge mit Drittanbietern im Ausland geschlossen, so dass die Spiele heute nicht nur in China, sondern auch in Japan, Taiwan und in Malaysia auf den Markt sind.

Zahlen

Für das vergangene zweite Quartal 2008 meldet Perfect World einen Umsatzsprung auf 48,9 Mio. US-Dollar, was einem Zuwachs von knapp 158 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Gegenüber dem Vorquartal ergibt sich ein Plus von 10,3 Prozent.

Dabei konnte Perfect World einen Nettogewinn von 24,0 Mio. Dollar oder 40 US-Cent je Aktie einfahren, ein Zuwachs von 214 Prozent gegenüber dem Vorjahr und damit die angehobenen Prognosen erfüllen. Analysten waren im Vorfeld von Einnahmen von 48,2 Mio. Dollar sowie von einem Nettogewinn von 40 US-Cent je Aktie ausgegangen.

Die Zahl der zahlenden aktiven Nutzer schrumpfte im jüngsten Quartal allerdings auf 1,53 Mio. Spieler, nach 1,7 Mio. Gamer im ersten Quartal. Im Vorjahr verzeichnete Perfect World allerdings nur 1,03 Mio. Online-Gamer, die virtuelle Gegenstände erwarben. Durchschnittlich waren im jüngsten Quartal 619.000 Gamer online in den von Perfect World betriebenen Online-Spielen unterwegs, nach 660.000 Spieler im Vorquartal. Dennoch stieg der Durchschnittsumsatz pro Spieler um 92,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 188 Renminbi (RMB). Für den Anstieg macht Perfect World neue Erweiterungen für seine Online-Spiele „Zhu Xian“, Chi Bi“ und „Perfect World II“ verantwortlich. Insgesamt konnte Perfect World das Quartal mit Barreserven von 170 Mio. Dollar beenden.

Meldung gespeichert unter: Perfect World

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