Perfect World setzt auf Investitionen - Kosten laufen aus dem Ruder

Donnerstag, 19. August 2010 12:57
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(IT-Times) - Chinas führendes Online-Entwicklerstudio Perfect World (Nasdaq: PWRD, WKN: A0MWMP) hat offenbar ein Kostenproblem. Daraufhin deuten zumindest die Zahlen im jüngsten Quartal. Der Gewinn ging gegenüber dem Vorquartal kräftig zurück, während die Marketing- und Vertriebskosten um rund 50 Prozent gegenüber dem Vorquartal auf 121 Mio. Renminbi (RMB) bzw. 17,8 Mio. Dollar explodierten. Analysten monieren, dass die Kosten außer Kontrolle geraten seien.

Intensiver Wettbewerb setzt Entwicklerstudios unter Druck
Perfect World hingegen erklärt die höheren Marketingkosten unter anderem mit einem größeren Erweiterungspaket für das Flagschiffspiel „Zhu Xian“ sowie mit einem Add-On für das bislang enttäuschende Online-Game „Fantasy Zhu Xian“. Tatsächlich aber hat sich zuletzt der Wettbewerb im chinesischen Online-Spielemarkt deutlich verschärft, wodurch Anbieter wie Perfect World gezwungen werden, einen höheren Aufwand zu betreiben, um Spieler zu halten. Erstmals seit Jahren schrumpfte der Markt im Juniquartal gegenüber dem Vorquartal leicht um 0,5 Prozent, wobei die chinesische Online-Spieleindustrie im Juniquartal 1,15 Mrd. Dollar umsetzen konnte (Quelle: Analysys International).

Zwar gilt Perfect World als das Studio mit den besten Entwicklern in China, allerdings musste auch Perfect World nach dem Flop mit „Zhu Xian Fantasy“ eine herbe Niederlage einstecken. Um einen weiteren Reinfall zu vermeiden, soll künftig mehr Wert auf Qualität gelegt werden, sprich, die Entwicklungszeiten werden länger, wobei auch die Entwicklermannschaft kräftig aufgestockt werden soll. Das MMORPG „Forsaken World“, welches ursprünglich schon im zweiten Quartal in China auf den Markt kommen sollte, wird nunmehr für September erwartet.

Neue Spiele sollen für Wachstum im zweiten Halbjahr sorgen
„Forsaken World“ ist ein gewagtes Experiment, soll das Online-Spiel westliche und asiatische Kulturen miteinander vereinigen und dadurch nicht nur in China, sondern auch in der westlichen Hemisphäre bei den Spielern ankommen.

Insgesamt sieht die Spiele-Pipeline des Unternehmens eher dürftig aus. Im vierten Quartal ist das Marktdebüt von „Dragon Excalibur“ geplant, allerdings handelt es sich dabei wie bei „Fantasy Zhu Xian“ um ein 2D-Spiel. Erst für das zweite bzw. dritte Quartal 2011 steht dann mit „Swordsman Online“ ein MMORPG mit Hit-Potential an. Das Spiel basiert auf einer populären Martial Arts Novelle von Louis Cha und wird nicht nur von den Spielern in China, sondern auch in Südkorea heiß erwartet…

Kurzportrait

Die in Beijing ansässige Perfect World gilt als eines der jüngsten, aber erfolgreichsten Entwicklerstudios in China. Das Unternehmen wurde erst im Juni 2006 gegründet, gehört aber inzwischen zu den Top-5 Entwicklerstudios im Reich der Mitte.

Das Unternehmen hat sich dabei auf die Entwicklung so genannter Massiver Online-Rollenspiele (MMORPGs) konzentriert und hat derzeit insgesamt sieben Online-Rollenspiele am Start: "Perfect World", "Legend of Martial Arts," "Perfect World II" und "Zhu Xian 2" und „Chi Bi“ sowie „Pocketpet Journey West“ und „Battle of the Immortals“. Ende 2009 brachte das Unternehmen mit „Zhu Xian Fantasy“ ein 2D-Spiel auf den Markt. Mit „Hot Dance Party“ ist das Unternehmen mit einem Casual-Game vertreten.

Die von Perfect World entwickelten Online-Spiele basieren überwiegend auf dem free-to-play Geschäftsmodell. Dies bedeutet, dass Basisfunktionen des Spiels grundsätzlich kostenlos zur Verfügung stehen, Spieler können sich jedoch zusätzliche Waffen und andere virtuelle Gegenstände hinzukaufen. Zu diesem Zweck vermarktet das Unternehmen entsprechende Game-Karten über ein Netz von mehr als 27 Vertriebspartnern.

Im Frühjahr 2008 beteiligte sich Perfect World mit 20 Prozent an dem chinesischen Entwicklerstudio Chengdu Seasky Digital Entertainment. Daneben erwarb Perfect World Vermögenswerte der taiwanschen InterServ. Zudem erhöhte Perfect World seine Beteiligung an der Beijing Perfect World Cultural Communication Co (PW Cultural) auf 89 Prozent. Im März 2009 gründete das Unternehmen die US-Tochter Perfect World Interactive Entertainment Co (PW USA). Mit Perfect Star Co betreibt das Unternehmen eine weitere Tochterfirma.

Anfang 2010 gründete Perfect World eine neue Tochter in Europa, um das europäische Online-Spielegeschäft zu erschließen. Gleichzeitig übernahm Perfect World seinen japanischen Kooperationspartner und Online-Spielespezialisten C&C Media Co. Darüber hinaus erhöhte Perfect World seine Beteiligung an dem chinesischen Web-Game Entwickler Chengdu Ye Net Science and Technology Development auf 80 Prozent. Ferner erwarb Perfect World die Mehrheit am US-Entwicklerstudio Runic Entertainment (Torchlight). Über seine Einheit Beijing Perfect World Cultural Communication Co (PW Cultural) erwarb Perfect World Mitte 2010 die Mehrheit an der chinesischen TV-Produktionsfirma Beijing Xinbaoyuan Movie & TV Investment Co für rund 110 Mio. RMB. Weitere 82,3 Mio. RMB wurden in die chinesische Beijing Xinbaoyuan Movie & TV Investment Co investiert.

Eine weitere Einnahmequelle stellt das Lizenzgeschäft dar. Perfect World hat im Zusammenhang mit seinen Online-Spielen verschiedene Lizenzverträge mit Drittanbietern im Ausland geschlossen, so dass Perfect World-Spiele heute nicht nur in China, sondern auch in Japan, Taiwan, Vietnam, auf den Philippinnen, Thailand, Russland und in Malaysia auf den Markt sind.

Zahlen

Für das zweite Quartal 2010 rechnete Perfect World mit einem Umsatz zwischen 594 Mio. Renminbi und 625 Mio. Renminbi. Der Spielentwickler erfüllte die Prognose damit nur knapp. Der Umsatz summierte sich in den Monaten April bis Juni 2010 auf 594,17 Mio. Renminbi (entsprechend 87,61 Mio. US-Dollar), gegenüber 521,32 Mio. Renminbi im Vorjahresquartal.

Das Ergebnis vor Steuern (EBT) belief sich im zweiten Quartal 2010 auf 226,18 Mio. Renminbi, gegenüber 282,23 Mio. Renminbi in 2009. Das Nettoergebnis von Perfect World schlug mit 196,59 Mio. Renminbi (entsprechend 28,98 Mio. US-Dollar) zu Buche, während im zweiten Quartal 2009 ein Nettoergebnis von 262,47 Mio. Renminbi (RMB) erwirtschaftet werden konnte. Das Ergebnis je Aktie summierte sich auf 0,79 Renminbi, im Vergleich zu 1,04 RMB in 2009. Umgerechnet verdiente Perfect World damit 55 US-Cent je ADS-Aktie und verfehlte damit die Gewinnerwartungen der Analysten deutlich, die im Vorfeld mit einem Plus von 68 US-Cent je Aktie gerechnet hatten.

Meldung gespeichert unter: Perfect World

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