Perfect World - Gamer kehren der perfekten Welt den Rücken

Dienstag, 19. Mai 2009 13:04
Perfect World

(IT-Times) - Der chinesische Online-Spielentwickler Perfect World (Nasdaq: PWRD, WKN: A0MWMP) konnte im jüngsten Quartal die Gewinnerwartungen der Analysten deutlich übertreffen, nachdem die Umsätze gegenüber dem Vorquartal nicht wie erwartet gesunken, sondern sogar leicht gestiegen sind.

Zuvor hatte Perfect World im Zuge des chinesischen Neujahrsfestes mit einem sequentiellen Umsatzrückgang gegenüber dem Vorquartal gerechnet. Trotz der positiven Zahlen präsentierten sich die Anteile von Perfect World zunächst leichter.

Mehr Umsatz - aber weniger Spieler
Hintergrund ist der nicht nur der verhaltene Ausblick auf das laufende Quartal, sondern auch der Umstand, dass der Spielentwickler derzeit weiter Gamer verliert. Waren im Schnitt im Vorjahr noch 660.000 Spieler in den virtuellen Welten von Perfect World unterwegs, schrumpfte diese Zahl im ersten Quartal 2009 auf nur noch 615.000 Spieler. Die Anzahl der aktiven, zahlenden Nutzer sank gegenüber dem Vorjahr noch deutlicher. Waren im Vorjahr noch 1,70 Mio. Spieler bereit, für die Online-Spiele des Anbieters zu zahlen, schrumpfte diese Zahl zuletzt auf 1,46 Mio. Gamer.

Perfect World erklärt den Rückgang unter anderem mit vermehrten Anstrengungen, sogenannte Cheater aus den Online-Spielen zu verbannen. Doch der Ausschluss von Betrügern dürfte nur die halbe Wahrheit sein. Zwar sind die Online-Spiele von Perfect World qualitativ sehr hochwertig, dafür langt der Anbieter beim Verkauf virtueller Gegenstände innerhalb seiner Spiele kräftig hin. Für ein Reittier in „Ether Saga Online“ sind schon mal bis zu 25 US-Dollar fällig.

So ist es wenig überraschend, dass der Umsatz pro Kunde weiter gestiegen ist, obwohl weniger Spieler in den Online-Welten unterwegs waren. Um knapp 62 Prozent stieg der Durchschnittsumsatz pro Spieler gegenüber dem Vorjahresquartal, wobei der Wert von 244 Renminbi (RMB) pro Spieler als einer der höchsten in der chinesischen Spieleindustrie gilt. Ob diese Strategie für Perfect World auf lange Sicht aufgeht, bleibt abzuwarten. Konkurrenten wie Giant Interactive ködern Spieler mit günstigen bzw. zum Teil kostenlosen virtuellen Gegenständen, nur um Spieler zu halten.

Entwicklungskosten dürften kräftig steigen
Daneben dürften für Perfect World die Kosten mittelfristig weiter steigen. Zum einen müssen Erweiterungen für bestehende Games her, zum anderen muss Perfect World neue Spiele kreieren, um Marktanteile auszubauen.

Um weiter zu wachsen hat Perfect World 15 Mio. RMB bzw. 2,19 Mio. Dollar in den chinesischen Webgame-Entwickler Chengdu Ye Net Science and Technology Development Co gesteckt. Insgesamt will Perfect World im laufenden Jahr zehn Webspiele auf den Markt bringen und sich damit neues Umsatzpotential erschließen. Auch International will Perfect World stärker Fuß fassen. So hat man nicht nur mit „Torchlight“ ein MMORPG von den Machern von „Diablo“ und „Fate“ lizenziert, auch arbeitet Perfect World mit dem „Project Em“ an einem kostspieligen Projekt für westliche Märkte, dass dem Unternehmen international mehr Umsatzanteile bescheren soll….

Kurzportrait

Die in Beijing ansässige Perfect World gilt als eines der jüngsten, aber erfolgreichsten Entwicklerstudios in China. Das Unternehmen wurde erst im Juni 2006 gegründet, gehört aber inzwischen zu den Top-10 Entwicklerstudios im Reich der Mitte.

Das Unternehmen hat sich dabei auf die Entwicklung so genannter Massiver Online-Rollenspiele konzentriert und hat derzeit insgesamt sieben Online-Rollenspiele am Start: "Perfect World," "Legend of Martial Arts," "Perfect World II" und "Zhu Xian" und „Chi Bi“ sowie „Pocketpet Journey West“ und „Battle of Immortals“. “Chi Bi” ist ein MMORPG, welches zusammen mit dem von John Woo inszenierten Film „Red Cliff“ in 2008 vermarktet werden soll. „Chi Bi“ ist die chinesische Bezeichnung für „Red Cliff“.

Bei der Entwicklung seiner Spiele vertraut das Unternehmen auf seine innovative Angelica 3D Engine. Durch diese Entwicklungsplattform ist das Unternehmen in der Lage binnen sehr kurzer Zeit neue Instanzen und Erweiterungen für seine bestehenden Online-Spiele zu generieren und gänzlich neue Titel zu schaffen. Nach eigenen Angaben nach ist Perfect World binnen sechs Monaten in der Lage, größere Erweiterungen für seine Online-Spiele auf den Markt zu bringen.

Während Perfect World für sein erstes Online-Rollenspiel „Perfect World“ ein pay-to-play Geschäftsmodell anwendet, basieren die jüngsten Spiele „Legend of Material Arts“, „Perfect World II“, „Zhu Xian“ und „Chi Bi“ auf dem free-to-play Geschäftsmodell. Dies bedeutet, dass Basisfunktionen des Spiels grundsätzlich kostenlos zur Verfügung stehen, Spieler können sich jedoch zusätzliche Waffen und andere virtuelle Gegenstände hinzukaufen. Zu diesem Zweck vermarktet das Unternehmen entsprechende Game-Karten über ein Netz von mehr als 27 Vertriebspartnern. Darüber hinaus vertreibt das Unternehmen Spielepunkte über seine Webseite und sein E-Commerce System. Im Frühjahr 2008 beteiligte sich Perfect World mit 20 Prozent an dem chinesischen Entwicklerstudio Chengdu Seasky Digital Entertainment. Daneben erwarb Perfect World Vermögenswerte der taiwanschen InterServ. Zudem erhöhte Perfect World seine Beteiligung an der Beijing Perfect World Cultural Communication Co auf 89 Prozent.

Eine weitere Einnahmequelle stellt das Lizenzgeschäft dar. Perfect World hat im Zusammenhang mit seinen Online-Spielen verschiedene Lizenzverträge mit Drittanbietern im Ausland geschlossen, so dass die Spiele heute nicht nur in China, sondern auch in Japan, Taiwan und in Malaysia auf den Markt sind.

Zahlen

Für das vergangene erste Quartal 2009 meldet Perfect World einen Umsatzanstieg um 1,8 Prozent gegenüber dem Vorquartal auf 425,1 Mio. Renminbi (RMB) oder 62,2 Mio. US-Dollar. Gegenüber dem Vorquartal ergibt sich ein Umsatzplus von 40,2 Prozent.

Meldung gespeichert unter: Perfect World

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