Palm taumelt dem Abgrund entgegen

Freitag, 5. Dezember 2008 13:03
Palm

(IT-Times) Nicht genug der schlechten Nachrichten, muss der amerikanische Smartphone-Hersteller Palm (Nasdaq: PALM, WKN: A0ETPB) einen weiteren Dämpfer hinnehmen. Die Rating-Agentur Standard & Poor`s hat das Kreditrating für Palm nach der Umsatzwarnung von B- auf CCC+ nach unten revidiert.

Damit sehen die S&P-Experten substantielle Risiken im Zusammenhang mit der Bedienung von Schulden. Mit der Rückstufung steigen gleichzeitig für Palm die Refinanzierungskosten am Kapitalmarkt. Eine Situation, die für Palm zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt kommt. Palm steckt in einer tiefen Krise, nachdem das Unternehmen in den letzten Quartalen jeweils Verluste ausweisen musste.

Schwache Konjunktur und Wettbewerb zwingen Palm in die Knie
Anfang Dezember musste Palm dann noch vor einem kräftigen Umsatzeinbruch für das Novemberquartal warnen. Die Umsatzerlöse werden voraussichtlich um 46 Prozent gegenüber dem Vorquartal sinken, heißt es. Als Ursache macht Palm unter anderem das wirtschaftliche Umfeld verantwortlich. Mit dem Palm Treo Pro versuchte Palm zuletzt verloren gegangenes Terrain zurückzugewinnen. Bislang offenbar ohne großen Erfolg, wie der dramatische Umsatzeinbruch zeigt.

Zu groß ist inzwischen die Konkurrenz auf dem Smartphone-Markt. Neben Nokia, tummeln sich inzwischen Research In Motion (BlackBerry) und Apple (iPhone) mit innovativen Produkten am Markt. Zwar musste zuletzt auch die kanadische RIM seinen Ausblick nach unten revidieren, im Gegensatz zu Palm sind die Kanadier aber nicht nur hochprofitabel, sondern verfügen auch über hohe Cash-Reserven, um eine tiefe Rezession zu überstehen.

Bei Palm sanken jedoch die Barreserven zuletzt um 10,4 Mio. Dollar auf nur noch 248,3 Mio. Dollar, wobei das Unternehmen nur noch einen geringen operativen Cashflow erwirtschaften konnte. Investoren und Marktbeobachter fragen sich inzwischen, wie sich der bisherige Palm-Unterstützer Elevation Partners verhalten wird, der sich mit 25 Prozent im Vorjahr an Palm beteiligt hatte.

Zieht Elevation Partners den Stecker?
Offiziell stützte Elevation Partners dem Palm-Management Ed Colligan und Join Rubinstein Ende November nochmals demonstrativ den Rücken und Elevation-Mitgründer Roger McNamee kündigte in einer Stellungnahme an, bislang keine Pläne zu verfolgen, um aus dem Investment auszusteigen.

Bei Global Crown Capital glaubt man diesen Parolen nicht mehr. Analyst Pablo Perez-Fernandez geht davon aus, dass Elevation bereits Möglichkeiten prüft, seine Beteiligung zu verkaufen. Sollte Elevation aussteigen, würde Palm wohl seinen letzten Fürsprecher verlieren…

Kurzportrait

Der PDA-Hersteller Palm, gegründet im Jahre 1992 und ansässig in Milpitas/Kalifornien, sieht sich als Pionier im Markt für Handheld-Computer. Bereits im Jahre 1995 wurde das Unternehmen vom Modem-Hersteller U.S. Robotics übernommen, welches seinerseits zwei Jahre später vom US-Netzwerkkonzern 3Com aufgekauft wurde. Mit der Übernahme von Smartcode Technologie im Februar 1999 wurde Palms gleichnamiges Betriebssystem entsprechend um drahtlose Kommunikationsfunktionen erweitert. Bereits im Jahre 1996 stellte das Unternehmen mit dem Pilot 1000 und Pilot 5000 die ersten Personal Digital Assistants (PDAs) vor, welche heute als Meilenstein in der Geschichte des Handheld-Computing gelten. Insgesamt lieferte das Unternehmen seit seiner Gründung mehr als 40 Mio. PDA-Computer aus.

Im Jahre 2000 gliederte 3Com die Einheit Palm als eigenständiges Unternehmen aus und führte den PDA-Hersteller an die Nasdaq. Mit der Übernahme von Actual Software im Juni 2000 erweiterte Palm seine Handhelds um Email-Funktionen. Ein Jahr später erfolgte die Übernahme von peanutpress.com, aus welcher anschließend die Einheit Palm Digital Media und der Palm Reader hervorging. Im Jahr 2003 wurde das Unternehmen in zwei wesentliche Geschäftsbereiche umstrukturiert. Die Einheit PalmSource sollte zusätzliche, separate Lösungen rund um das Palm-Betriebssystem entwickeln, während sich die Einheit Palm um die Weiterentwicklung und die Vermarktung der Hardware konzentrieren sollte. Mit der Übernahme von HandSpring folgte gleichzeitig eine Ausgliederung der Softwareeinheit. Diese wurde im Jahr 2003 vollzogen. Nachdem Ende des PDA-Boom hat Palm einen Strategiewechsel vollzogen und setzt vermehrt auf Smartphones wie seine Treo- und Centro-Produktlinie. Zusätzliche Funktionen und Datenbanken können über das Internet-Portal MyPalm geladen werden. Über sein Internet-Portal bietet das Unternehmen auch Support für seine Geräte an. Hierfür entwickelt die Palm Economy, eine Community bestehend aus mehr als 250.000 registrierten Palm-Lizenznehmern, entsprechende Anwendungen und Funktionen für die Palm-Plattform. Das Smartphone-Geschäft trug zuletzt den Großteil der Palm-Umsätze.

Im Frühjahr 2007 holte sich Palm mit der Private Equity Gesellschaft Elevation Partners einen Investor an Board. Elevation Partners erwarb für 325 Mio. Dollar eine 25%ige Beteiligung an Palm.

Zahlen

Für das vergangene Augustquartal meldete Palm einen Umsatzanstieg auf 366,9 Mio. Dollar, nach Einnahmen von 360,8 Mio. Dollar im Jahr vorher. Der Verlust summierte sich dabei zunächst auf 41,9 Mio. Dollar oder 39 US-Cent je Aktie, nach einem Minus von 841.000 Dollar im Jahr zuvor.

Ausgenommen außergewöhnlicher Sonderbelastungen musste Palm zuletzt einen Nettoverlust von 12,8 Mio. Dollar oder 12 US-Cent je Aktie hinnehmen, während Analysten im Vorfeld mit einem Minus von 18 US-Cent je Aktie bei Einnahmen von 325 Mio. Dollar gerechnet hatten.

Laut Palm konnte man im jüngsten Quartal rund eine Mio. Smartphones verkaufen - dies entspricht einem Zuwachs von 49 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im operativen Geschäft konnte Palm einen Cashflow von 3,6 Mio. Dollar erwirtschaften. Insgesamt sanken aber die Barreserven um 10,4 Mio. Dollar auf 248,3 Mio. Dollar.

Meldung gespeichert unter: Palm

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