Oracle übt sich in Zurückhaltung

Freitag, 28. März 2008 13:20
Oracle

(IT-Times) Der US-Softwarespezialist Oracle (Nasdaq: ORCL, WKN: 871460) wird angesichts der US-Kreditkrise vorsichtiger und wartet mit einem verhaltenen Ausblick auf. Auch die Softwarelizenzerlöse blieben zuletzt hinter den Erwartungen zurück, was am Markt für große Enttäuschung gesorgt hat, zumal Oracle mit Hilfe von Zukäufen das Wachstum eigentlich weiter vorantreiben wollte.

Nicht nur Konjunktursorgen belasten derzeit den Oracle-Aktienkurs, auch hat sich der Wettbewerb insbesondere im Bereich Web-basierter Software und Software-as-a-Serviceangebote (SaaS) weiter intensiviert. Bestes Beispiel hierfür ist der CRM-Spezialist Salesforce.com, der im letzten Jahr Oracle bei zwei wichtigen Deals im Wettbewerb ausgestochen hat und mit der Citigroup und Merrill Lynch zwei wichtige Großkunden für seine Softwarelösungen gewinnen konnte.

Oracle hat inzwischen nachgelegt und mit Oracle CRM on Demand 15 Anfang März seine neueste Automatisierungssoftware mit integrierten Social-Networking- und Collaboration-Funktionen auf den Markt gebracht. Es ist die 15te Überarbeitung der Automatisierungssoftware binnen der letzten 4,5 Jahre mit der Oracle gleichzeitig auch den Namen der übernommenen Siebel Systems aus dem Produktnamen tilgt.

Salesforce.com - der nächste Übernahmekanidat?
Die Übernahme von Siebel dürfte wohl nicht der letzte Zukauf im CRM-Bereich gewesen sein. Schon seit Monaten halten sich hartnäckig Gerüchte, wonach Oracle seine Fühler auch nachdem erfolgreichen CRM-Spezialisten Salesforce.com ausgestreckt hat. Doch eine Übernahme dürfte für den ehrgeizigen Oracle-Chef Larry Ellison nicht mehr so einfach sein. Zum einen wird Salesforce.com derzeit mit rund 6,7 Mrd. Dollar an der Börse bewertet, zum anderen haben sich die Konditionen für die Kreditbeschaffung für größere Übernahmen infolge der Subprime-Krise spürbar verschlechtert.

Dennoch war es Oracle zuletzt gelungen, sich eine Revolver-Kreditlinie in Höhe von zwei Mrd. US-Dollar zu sichern. Oracle dürfte damit die Grundlage für eine weitere Einkaufstour gelegt haben. Die Frage ist daher nicht ob, sondern wann und wo der Datenbankgigant wieder zuschlägt, um sein Wachstum auf die Sprünge zu helfen...

Kurzportrait

Die im Jahre 1977 gegründete und in Redwood City/Kalifornien ansässige Oracle galt in der Vergangenheit als klassischer Datenbankspezialist. Inzwischen operiert Oracle von zwei wesentlichen Geschäftsbereichen heraus: Software und Services. Diese zwei Geschäftsbereiche sind wiederum in fünf operative Segmente unterteilt. Über das Softwaregeschäft erwirtschaftet Oracle nach wie vor den Großteil seiner Umsatzerlöse.

Mit dem neuen Datenbank- und Anwendungsserver 10g will Oracle verstärkt auf verteiltes Rechnen setzen. Darüber hinaus expandierte Oracle auch in die Bereiche elektronische Beschaffungssysteme, Customer Relationship Management (CRM) und Business Intelligence (BI). Der Bereich Supply Chain Management bildet eine Ergänzung zu den bisherigen Datenbank- und Anwendungslösungen aus dem Hause Oracle.

Neben dem Datenbankgeschäft bietet Oracle weitere Systemsoftware in Form von Serversoftware an. Der Visionäre Oracle-Chef Larry Ellison hält nach wie vor eine Minderheitsbeteiligung an dem Softwarehaus, welches nach Microsoft und IBM als drittgrößter Softwarehersteller der Welt gilt.

Nach einer 18-monatigen Übernahmeschlacht übernahm Oracle den US-Softwarespezialisten PeopleSoft im Januar 2005 für rund 10,3 Mrd. Dollar. Wenige Monate später folgte die Übernahme des kleineren Rivalen Retek. Gleichzeitig übernahm Oracle den Sicherheitsspezialisten Oblix und den Daten-Management-Anbieter TimesTen. Später kaufte Oracle den finnischen Open Source Spezialisten Innobase OY, sowie den Logistikspezialisten G-Log. Ende 2005 folgte der Zukauf der beiden Sicherheitsspezialisten Thor Technologies, OctetString sowie die Übernahme des führenden Kunden-Management-Softwarehersteller Siebel Systems. Anfang 2006 übernahm Oracle den Softwarenanbieter 360Commerce und den Open Source Spezialisten Sleeypcat. Mitte 2006 schloss Oracle die Übernahme von Portal Software ab. Gleichzeitig erhöhte Oracle seine Beteiligung an der indischen i-flex auf inzwischen über 80 Prozent. Anfang 2007 kaufte Oracle dann den Business Intelligence Spezialisten Hyperion Solutions. Wenige Monate später folgte dann die Übernahme von Agile Software. Anschließend wurden mit Bharosa, Netsure Telecom, Bridgestream, LogicalApps, Interlace Systems und Moniforce weitere Firmen hinzugekauft. Anfang 2008 startete Oracle einen weiteren Anlauf, um BEA Systems für 8,5 Mrd. Dollar zu übernehmen. Insgesamt wurden in den letzten Jahren mehr als 40 Firmen für rund 30 Mrd. Dollar aufgekauft.

Mit der Einheit OracleMobile.com will der Datenbankspezialist insbesondere den Mobilfunkbereich erschließen. Mobile Geschäftslösungen und Services rund um das Handy sollen das bestehende Oracle-Angebot ergänzen. In 2007 stieg Oracle mit Oracle VM auch in den Virtualisierungsmarkt ein.

Zahlen
Für das vergangene Februarquartal meldete Oracle einen Umsatzanstieg auf 5,35 Mrd. US-Dollar, was einem Zuwachs von 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Dabei verdiente das US-Softwarehaus um 30 Prozent mehr als im Vorjahr und konnte einen Gewinn von 1,34 Mrd. Dollar oder 26 US-Cent je Aktie einfahren, nach einem Plus von 1,03 Mrd. Dollar oder 20 US-Cent je Aktie im Jahr vorher.

Ausgenommen einmaliger Sonderbelastungen ergibt sich für das jüngste Quartal ein Nettogewinn von 30 US-Cent je Aktie. Analysten hatten im Vorfeld zwar mit einem Nettogewinn von 30 US-Cent je Aktie gerechnet, aber gleichzeitig mit höheren Einnahmen von 5,42 Mrd. Dollar kalkuliert.

Während die Softwareerlöse um 21 Prozent auf 4,2 Mrd. Dollar zulegten, kletterte das Geschäft mit neuen Softwarelizenzen um 16 Prozent auf 1,6 Mrd. Dollar. Die operative Gewinnmarge verbesserte sich weiter auf 41 Prozent. Daneben wurden 24 Mio. eigene Aktien zum Durchschnittskurs von 20,64 Dollar zurückgekauft.

Meldung gespeichert unter: Oracle

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