Oracle goes Java

Dienstag, 21. April 2009 13:04
Oracle

(IT-Times) Mit einem neuerlichen Milliardenzukauf sorgt der US-Softwarespezialist Oracle (Nasdaq: ORCL, WKN: 871460) abermals für Aufsehen. Nach den Milliardenzukäufen von BEA Systems und Siebel Systems will Oracle für 7,4 Mrd. Dollar den Server-Spezialisten Sun Microsystems übernehmen.

Hauptmotivation für den Zukauf ist dabei die Programmiersprache Java. Oracle-Chef Larry Ellison spricht bereits von dem wichtigsten Software-Asset, dass Oracle jemals gekauft hat. Tatsächlich ist die Programmiersprache Java heute auf rund 800 Mio. PCs und 2,1 Mrd. Mobiltelefone weltweit im Einsatz. PC-Hersteller und Mobilfunkunternehmen wie Nokia zahlen Lizenzgebühren an Sun, um die Software nutzen zu können.

Trotz des hohen Verbreitungsgrades war es Sun bislang aber nicht so recht gelungen, den Erfolg von Java zu monetarisieren. Nur 220 Mio. Dollar steuerte das Java-Geschäft zum Sun-Gesamtumsatz von 13,9 Mrd. Dollar in 2008 bei. Dies könnte sich mit Oracle ändern. Der Datenbankspezialist hat im Softwaregeschäft wesentlich mehr Erfahrung und kann seine Softwareprodukte mit Java weiter optimieren und damit die Kundenbindung stärken. Durch das von Sun übernommene Hardware-Geschäft mit dem Betriebssystem Solaris ist Oracle zudem in der Lage, im Zusammenspiel mit seinen Datenbanklösungen vollständig integrierte Systeme anzubieten.

Massiver Stellenabbau droht
Trotz der Ergänzungen des Geschäfts werden durch den Zusammenschluss wohl Mitarbeiter gehen müssen. Offiziell wollte sich Oracle hierzu noch nicht äußern. Analysten wie Citigroup-Analyst Brent Thill gehen davon aus, dass zwischen 40 und 70 Prozent der Sun-Belegschaft, die sich zuletzt auf 33.000 summierte, gehen muss.

Auch ist noch ungewiss, wie Oracle mit dem übernommenen Hardware-Geschäft umgehen wird. Zwar kündigte Oracle an, das bislang defizitäre Server-Geschäft von Sun in die Gewinnzone führen zu wollen, wie dies geschehen soll, bleibt allerdings noch das Geheimnis von Oracle. Industriebeobachter halten es daher für möglich, dass Oracle das Server- und Chip-Geschäft (Sparc) verkaufen wird.

Im Datenbankgeschäft ergeben sich zudem Überlappungen, nachdem Sun zuvor MySQL gekauft hat. Zwar dürfte Oracle Database 11g weiterhin das Flagschiffprodukt des Unternehmens bleiben, dennoch gehen Marktbeobachter wie Forrester Research-Analyst James Kobielus davon aus, dass MySQL weiterhin eine Zukunft unter dem Dach von Oracle haben wird. Der Analyst verweist insbesondere auf die enorm große Kundenbasis von MySQL, die sich inzwischen auf mehrere Millionen Nutzer summiert.

Durch die Erfahrung von Oracle mit großen Milliardenzukäufen darf man erwarten, dass dem US-Datenbankspezialisten auch die Integration dieser Mega-Übernahme gelingt. Ob der Zukauf Oracle allerdings wirklich näher an seine großen Konkurrenten Microsoft, IBM und Hewlett-Packard heranbringt, wird sich erst in den nächsten Jahren zeigen...

Kurzportrait

Die im Jahre 1977 gegründete und in Redwood City/Kalifornien ansässige Oracle galt in der Vergangenheit als klassischer Datenbankspezialist. Inzwischen operiert Oracle von zwei wesentlichen Geschäftsbereichen heraus: Software und Services. Diese zwei Geschäftsbereiche sind wiederum in fünf operative Segmente unterteilt. Über das Softwaregeschäft erwirtschaftet Oracle nach wie vor den Großteil seiner Umsatzerlöse.

Mit dem neuen Datenbank- und Anwendungsserver 10g will Oracle verstärkt auf verteiltes Rechnen setzen. Darüber hinaus expandierte Oracle auch in die Bereiche elektronische Beschaffungssysteme, Customer Relationship Management (CRM) und Business Intelligence (BI). Der Bereich Supply Chain Management bildet eine Ergänzung zu den bisherigen Datenbank- und Anwendungslösungen aus dem Hause Oracle.

Neben dem Datenbankgeschäft bietet Oracle weitere Systemsoftware in Form von Serversoftware an. Der Visionäre Oracle-Chef Larry Ellison hält nach wie vor eine Minderheitsbeteiligung an dem Softwarehaus, welches nach Microsoft und IBM als drittgrößter Softwarehersteller der Welt gilt.

Nach einer 18-monatigen Übernahmeschlacht übernahm Oracle den US-Softwarespezialisten PeopleSoft im Januar 2005 für rund 10,3 Mrd. Dollar. Wenige Monate später folgte die Übernahme des kleineren Rivalen Retek. Gleichzeitig übernahm Oracle den Sicherheitsspezialisten Oblix und den Daten-Management-Anbieter TimesTen. Später kaufte Oracle den finnischen Open Source Spezialisten Innobase OY, sowie den Logistikspezialisten G-Log. Ende 2005 folgte der Zukauf der beiden Sicherheitsspezialisten Thor Technologies, OctetString sowie die Übernahme des führenden Kunden-Management-Softwarehersteller Siebel Systems. Anfang 2006 übernahm Oracle den Softwarenanbieter 360Commerce und den Open Source Spezialisten Sleeypcat. Mitte 2006 schloss Oracle die Übernahme von Portal Software ab. Gleichzeitig erhöhte Oracle seine Beteiligung an der indischen i-flex auf inzwischen über 80 Prozent. Anfang 2007 kaufte Oracle dann den Business Intelligence Spezialisten Hyperion Solutions. Wenige Monate später folgte dann die Übernahme von Agile Software. Anschließend wurden mit Bharosa, Netsure Telecom, Bridgestream, LogicalApps, Interlace Systems und Moniforce weitere Firmen hinzugekauft. Nach der Übernahme von BEA Systems für 8,5 Mrd. Dollar, kaufte Oracle in 2008 mit Skywire, Global Knowledge Software, ClearApp, Advanced Visual Technology und Primavera weitere Firmen auf. Auch in 2009 setzte Oracle seine Einkaufstour weiter fort und schluckte die Unternehmen mValent und Relsys und gab zudem ein Übernahmeangebot für Sun Microsystems ab.

Mit der Einheit OracleMobile.com will der Datenbankspezialist insbesondere den Mobilfunkbereich erschließen. Mobile Geschäftslösungen und Services rund um das Handy sollen das bestehende Oracle-Angebot ergänzen. In 2007 stieg Oracle mit Oracle VM auch in den Virtualisierungsmarkt ein.

Zahlen
Für das vergangene Februarquartal meldete Oracle einen Umsatzanstieg um zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 5,45 Mrd. US-Dollar. Ohne Berücksichtigung von Währungseinflüssen hätten die Erlöse sogar um elf Prozent zugelegt, heißt es bei Oracle. Der US-Dollar hatte zuletzt gegen andere Währungen stark zugelegt, was jedoch die Erlöse bei Oracle geschmälert hat.

Der Gewinn schrumpfte in der zurückliegenden Periode leicht auf 1,33 Mrd. US-Dollar oder 26 US-Cent je Aktie, nach einem Plus von 1,34 Mrd. Dollar oder 26 US-Cent je Aktie im Jahr vorher. Ausgenommen außergewöhnlicher Sonderbelastungen konnte Oracle einen Nettogewinn von 35 US-Cent je Aktie realisieren, drei US-Cent je Aktie mehr, als Analysten im Vorfeld erwartet hatten.

Meldung gespeichert unter: Oracle

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