Open Business Club AG muss sich erst durchsetzen

Mittwoch, 27. Dezember 2006 00:00
Xing

(IT-Times) - Das in den letzten Zügen liegende Jahr ist für die Open Business Club AG (WKN: XNG888) ein Jahr der Weichenstellungen gewesen. Der mäßige Börsengang, die Umstellung der Marke OpenBC auf Xing und erstmals schwarze Zahlen auf Quartalsebene waren Meilensteine bei dem Betreiber des Online-Verzeichnisses von Geschäftskontakten. Geht es aber nach Vorstandschef Lars Hinrichs, so steht erst 2008 eine wesentliche Entscheidung an. Dann, so rechnet der Manager, soll sich herauskristallisieren, wer auf dem Markt des Professional Networking die Vorherrschaft erreicht. Die Open Business Club AG hat nämlich einen mächtigen Wettbewerber mit Sitz in den USA, der seine Fühler allmählich nach Deutschland ausstreckt: LinkedIn.

Es kann nur einen geben

Bei allem Wettbewerb sind sich Hinrichs und der deutsche LinkedIn-Mitbegründer Konstantin Guericke einig: Auf dem Markt wird sich mittelfristig ein dominierender Anbieter durchsetzen. Dabei verfolgen beide Unternehmen unterschiedliche Ansätze. Open Business Club setzt auf Nutzer, die eine Premium-Mitgliedschaft eingehen. Hierbei werden für bestimmte Funktionen (vereinfachtes Senden von Nachrichten, komfortablere Suche u. a.) 5,95 Euro im Monat fällig. Von den rund 1,7 Millionen Nutzern tun dies bereits über 13 Prozent. Dabei entscheiden sich vor allem Kunden, die bereits länger registriert sind, für die kostenpflichtige Variante. Nach Aussage Hinrichs´ zahlen 32 Prozent der Mitglieder, die schon über 20 Monate Open BC/Xing nutzen. Ab 2007 sollen Marktplätze für Stellen und Dienstleistungen, die exklusiv Premium-Mitgliedern zur Verfügung stehen, weitere Basis-Nutzer ködern.

Anders ist die Situation bei LinkedIn. Das Portal mit Sitz in Kalifornien hat bereits 8,5 Millionen Kunden und ist der einzige weltweit agierende Wettbewerber. Hiervon wurden über 1,5 Millionen in den letzten vier Monaten von 2006 gewonnen. Dabei setzt das Unternehmen auf vier Umsatzquellen. Premium-Mitgliedschaften sind deutlich teurer und kosten bis zu 200 US-Dollar im Monat. Generell ist die Anbahnung von Kontakten erschwert, es wird auf die Empfehlungen der Mitglieder untereinander gesetzt. Im B2B-Sektor schreiben Unternehmen wie Sony, T-Mobile, Wal-Mart oder eBay gebührenpflichtig Stellen aus. Hinzu kommt ein empfehlungsbasierter Marktplatz für Dienstleistungen und als vierte Säule Online-Werbung. So wird auch über die „freien“ Mitglieder Umsatz generiert. Hinter LinkedIn stehen einige Venture Capital-Gesellschaften, darunter Sequoia Capital, die bereits als Geburtshelfer von Yahoo!, Google, PayPal, Cisco, Apple sowie Oracle aktiv waren und über eine beachtliche Kapitalkraft verfügen. Mittelfristig ist ein Börsengang geplant, doch zunächst steht im März 2007 der Start in Deutschland an, womit sich die beiden Anbieter erstmals direkt gegenüber stehen.

Börsengang mäßig, Pläne groß

Der Börsengang der Open Business Club AG am 7. Dezember 2006 spiegelte die geteilte Meinung der Märkte über die weitere Geschäftsentwicklung wieder. Die Mehrzuteilungsoption wurde nur teilweise ausgeübt und der Ausgabepreis lag am unteren Ende der festgelegten Preisspanne. Doch über die mit dem IPO verbundene Kapitalerhöhung wurden rund 35 Mio. Euro in die Kasse der Open Business Club AG gespült. „Mit dem Erlös aus dem Börsengang wollen wir uns als treibende Kraft im Markt für Professional Networking positionieren“, sagte Hinrichs seinerzeit. Zum weltweiten Ausbau des XING-Netzwerkes plant die Open Business Club AG neben organischem Wachstum auch Akquisitionen ausgewählter Netzwerke in strategisch bedeutenden Städten und Ländern, wie beispielsweise in den Vereinigten Staaten oder Europa. Hinrichs strebt Übernahmen außerdem nur an, um die Mitglieder der Netzwerke quasi „aufzukaufen“. LinkedIn-Mann Guericke gibt sich eher skeptisch. Wachstum könne in diesem Bereich in der Hauptsache nur organisch erzielt werden, sagte er dem Manager Magazin. Schließlich gebe es auf dem Markt keine nennenswerten Übernahmekandidaten. Überdies bleibt auch die Frage, ob 35 Mio. Euro für eine weltweite Expansion ausreichen. Eine nur auf Deutschland bezogene Geschäftstätigkeit macht jedenfalls in den Augen beider Manager keinen Sinn.

Kurzportrait

Die Open Business Club AG mit Hauptsitz in Hamburg ist der Betreiber des Professional Networking-Portals Xing, das vormals unter Open BC firmierte. Dieses berufliche und geschäftliche Netzwerk soll den Mitgliedern bei Kontakt-Suche und -Management helfen. Die Nutzer finden auf der Plattform darüber hinaus Informationen, Aufträge, Mitarbeiter, Jobs, Kunden und Ideen. Xing ist internetbasiert, es kann aber auch über mobile Endgeräte wie PDAs auf das Netzwerk zugegriffen werden. Zu den wesentlichen Geschäftstätigkeiten zählen der technische und inhaltliche Betrieb des Portals sowie das Marketing. Xing ist in 16 Sprachen (Englisch, Deutsch, Spanisch, Französisch, Portugiesisch, Niederländisch, Schwedisch, Finnisch, Chinesisch, Russisch, Ungarisch, Polnisch, Koreanisch, Italienisch, Japanisch und Türkisch) verfügbar.

Xing hat aktuell rund 1,7 Millionen Mitglieder. Hiervon sind nach Unternehmensangaben 25 Prozent Frauen (zum Vergleich: Bei LinkedIn beläuft sich der Anteil weiblicher Mitglieder auf 45 Prozent), das Durchschnittsalter liegt bei 34 Jahren. Allein im letzten Quartal (1. Juli 2006 bis 30. September 2006) wuchs der Stamm der Nutzer um rund 23 Prozent. Ende September 2006 hatten 189.000 Mitglieder den kostenpflichtigen Premium-Status, über den die Open Business Club AG ausschließlich ihren Umsatz generiert. Die Churn-Rate (Kündigungsrate) liegt bei rund zwei Prozent. Insgesamt sind die Nutzer vergleichsweise aktiv: Ca. 69 Prozent der kostenfreien Basis-Mitglieder und ca. 95 Prozent der Premium-Mitglieder haben sich im Monat September 2006 auf der Plattform eingeloggt. Hierüber wurden ca. 95 Millionen Page Impressions (Seitenaufrufe) pro Monat generiert (Durchschnitt April bis September 2006 / Quellen: ComScore, Media Metrix 2.0 Reports; Unternehmensangaben).

Das Unternehmen wurde im August 2003 vom heutigen Vorstandsvorsitzenden Lars Hinrichs als GmbH gegründet. Am 1. Oktober 2003 ging das Portal online. Im November 2005 erfolgte die Gründung des Joint Ventures Open BC China Ltd. (Hongkong), an dem die Open Business Club AG 55 Prozent hält. Anfang diese Jahres wurde zudem die schweizerische First Tuesday AG übernommen, die vor allem im Bereich der Organisation von Live Networking Events tätig ist. Die Umwandlung des Unternehmens in eine Aktiengesellschaft erfolgte im Oktober 2006. Die Open Business Club AG unterhält neben dem Hauptsitz zwei Niederlassungen in Zürich sowie Peking und beschäftigt über 65 Mitarbeiter.

Zahlen

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