Novell kommt nicht in Schwung

Donnerstag, 7. Dezember 2006 00:00

(IT-Times) Mit einem deutlichen Kursrückgang reagierte der Markt auf die jüngsten Zahlen des amerikanischen Netzwerk- und Linux-Spezialisten Novell (Nasdaq: NOVL<NOVL.NAS>, WKN: 873019<NVL.FSE>).

Zwar konnte Novell die Gewinnerwartungen leicht übertreffen, doch der Umsatzrückgang fiel im jüngsten Quartal kräftiger aus, als am Markt erwartet. Ernüchternd ist vor allem die Erkenntnis, dass die in den vergangenen fünf Jahren investierten 150 Mio. Dollar noch nicht ausreichten, um eine nachhaltige Wende herbeizuführen.

Noch immer ist Novell stark von seinem schwächelnden Netzwerkgeschäft abhängig, auch wenn sich das Geschäft mit Linux-Produkten gut entwickelt. Zwar konnte Novell den Umsatz im Bereich Linux Plattform Produkte um 32 Prozent auf 13 Mio. Dollar steigern, doch am Gesamtumsatz gemessen von rund 245 Mio. Dollar spielt das Geschäft bislang eher eine untergeordnete Rolle. Dies gilt auch für das Identity und Access Management-Geschäft, dass im jüngsten Quartal 24 Mio. Dollar zum Umsatz beisteuerte - ein Plus von drei Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Hingegen brach das Geschäft mit Open Enterprise Server- und NetWare-Produkten um 25 Prozent ein. Novell will daher im laufenden Fiskaljahr nochmals Geld in die Hand nehmen, um seine Vertriebsstruktur weiter umzustrukturieren. Zugleich sollen weitere Forschungs- und Entwicklungsaufgaben nach Übersee verlagert werden. Damit will das Unternehmen seine Kosten weiter reduzieren und insbesondere mit neuen Produkten den fortlaufenden Umsatzrückgang stoppen.

Abkommen mit Microsoft

Große Hoffnungen setzt Novell dabei auch auf die Anfang November geschlossene Kooperation mit dem Softwaregiganten Microsoft. Der Redmonder Softwarekonzern wird bei der Vermarktung von Novells Linux-Software (Suse) behilflich sein. Zudem soll ein neues Hybrid-Betriebssystem entstehen, welches die beiden bislang konkurrierenden Betriebssysteme besser miteinander verzahnt.

Durch diesen überraschenden Schachzug verbessert Novell vor allem seine Marktstellung gegenüber dem Branchenprimus Red Hat, dessen Aktien zuletzt deutlich unter Druck gerieten, nachdem das Abkommen zwischen Novell und Microsoft bekannt wurde. Doch ob die Partnerschaft mit dem Redmonder Softwareriesen Novell tatsächlich aus der Lethargie befreien wird, bleibt noch abzuwarten.

Kurzportrait

Das im Jahre 1979 gegründete Unternehmen Novell Data Systems befasste sich ursprünglich mit der Entwicklung von Betriebssystemen für Speichermedien. Im Jahre 1983 folgte dann die Umbenennung in Novell, womit das Unternehmen seinen Aufstieg im Bereich Netzwerksoftware begründete. Unter Novell-Chef Raymond Noorda revolutionierte das Unternehmen den Markt für LAN-Software. So führte das Unternehmen im Jahre 1983 die weltweit erste LAN-Software (Local Area Networks) NetWare auf Basis der File-Server-Technologie ein. Novell entwickelte dabei ein PC-Netzwerk, welches die Kontrolle von Peripheriegeräten, wie Diskettenlaufwerke und Drucker ermöglichte.

Heute bietet Novell eine umfangreiche Produktpalette von Netzwerk-Management-Software an, die optimal auf das neue Medium Internet abgestimmt ist. Das Flagschiffprodukt NetWare trägt nach wie vor einen Großteil zum Gesamtumsatz der Gesellschaft bei. NetWare versteht sich heute als Betriebssystem für Netzwerkserver und bindet Personalcomputer an Firmennetzwerke, Speichersysteme und Datenbanken an. Gemeinsam mit dem Netzwerkriesen Nortel Networks und der Unternehmensberatung Accenture gründete Novell den Content-Distributor Volera, welcher 2001 mit seinem Produktangebot an den Markt ging. Nortel und Accenture halten zusammen zehn Prozent der Anteile. Zu Voleras Kunden zählen neben Dell auch AT&T. Ende 2006 schloss Novell eine Kooperationsvereinbarung mit Microsoft, die den Vertrieb von Linux-Software vorsieht.

Zu den namhaften Kunden, welche auf Softwarelösungen aus dem Hause Novell setzen, zählen neben DaimlerChrysler, auch Motorola, sowie Pfizer und Sears. Bereits 2001 verstärkte sich Novell durch die Übernahme des IT-Beraters Cambridge Technology Partners, um sein Servicegeschäft weiter zu stärken. Im Juli 2002 folgte dann die Akquisition von SilverStream Software, womit Novell seinen Bereich eBusiness-Lösungen durch SilverStreams Flagschiffprodukt eXtend verstärkte. Mitte 2003 verstärkte sich Novell im Linux-Bereich durch die Übernahme von Red Carpet. Wenig später folgte die Übernahme des mexikanischen Softwareentwicklers und Linux-Spezialisten Ximian. Mit SuSE übernahm Novell zuletzt den größten europäischen Linux-Distributor für 210 Mio. Dollar.

Nachdem Novell die Patente der bankrotten Commerce One übernahm, wurden diese wiederum in das Startup Open Invention Network eingebracht, welche auch von IBM und Red Hat unterstützt wird. Nachdem man im April 2006 den Softwarespezialisten E-Security übernahm, trennte sich Novell einen Monat später von seinem Management-Beratungsgeschäft Celerant und gab diese Einheit an eine Investorengruppe Caledonia Investments ab.

Zahlen

Für das abschließende vierte Fiskalquartal 2006 musste Novell einen Umsatzrückgang auf 244,9 Mio. Dollar hinnehmen, ein Minus von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Ursächlich hierfür war vor allem ein schwächerer Geschäftsverlauf im Bereich Open Enterprise Server und NetWare-Produkte - hier brachen die Erlöse um 25 Prozent ein.

Insgesamt erwirtschaftete das Unternehmen einen Gewinn von 23,7 Mio. Dollar oder sechs US-Cent je Aktie, nachdem im Vorjahr noch ein Minus von 5,0 Mio. Dollar oder ein US-Cent je Aktie zu Buche stand. Ausgenommen außergewöhnlicher Sonderbelastungen ergibt sich für das jüngste Quartal ein operativer Gewinn von fünf US-Cent je Aktie, nach einem operativen Plus von sieben US-Cent je Aktie im Jahr vorher.

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