Nokia wehrt sich gegen den Niedergang - N8 soll es richten

Montag, 2. August 2010 13:32
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(IT-Times) - Zwar konnte der weltweit führende Mobiltelefonhersteller Nokia (NYSE: NOK, WKN: 870737) im jüngsten Quartal 111 Millionen Handys weltweit absetzen und damit seine Marktführerschaft verteidigen, doch ein näherer Blick auf die Zahlen zeigt, dass der finnische Hersteller angeschlagen und immer mehr in die Defensive gerät.

Nokia verliert weiter Marktanteile
Hintergrund ist der Umstand, dass sich der Wettbewerb im wachstumsstarken Smartphone-Markt weiter intensiviert. Der intensive Wettbewerb zwingt die einzelnen Marktteilnehmer nicht nur zu einer aggressiven Preisstrategie, sondern auch zu höheren Investitionen, was wiederum die Gewinnmargen sinken lässt. So erklärt sich auch, warum Nokia trotz eines moderaten Umsatzanstiegs einen Gewinneinbruch um 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 227 Millionen hinnehmen musste.

Die Probleme bei Nokia sind vor allem im high-end Bereich zu suchen, wo Nokia der Konkurrenz von Apple (iPhone 4), Samsung (Galaxy S) und RIM (BlackBerrys) bislang wenig entgegenzusetzen hat. Zwar verkaufte Nokia eigenen Angaben zufolge im jüngsten Quartal 24 Millionen Smartphones, aber hautsächlich am unteren Ende Marktes, wo die Gewinnmargen in der Regel niedriger sind. Der Marktanteil der Finnen stagnierte im lukrativen Smartphone-Markt entsprechend bei 42 Prozent. Im weltweiten Handy-Markt sank der Marktanteil von Nokia im zweiten Quartal laut IDC auf 35 Prozent (Vorjahr: 37,2 Prozent).

Nokia will mit neuem high-end Smartphone durchstarten
Zumindest hat Nokia inzwischen die Probleme erkannt und will gegensteuern. Helfen soll dabei nicht zuletzt die Markteinführung der neuen N8-Serie - das neue high-end Smartphone soll im September auf den Markt kommen.

Unter 500 Euro soll das neue Nokia-Flagschiff kosten, welches das erste Handy der Finnen sein wird, welches mit dem neuen Betriebssystem Symbian 3 ausgerüstet ist. Das N8 unterstützt nicht nur Multitouch, sondern verfügt auch über eine 12-Megapixel Kamera, mit der gestochen scharfe Fotos Realität werden sollen. Darüber hinaus sollen sich mit dem N8 auch Videoaufnahmen mit einer Auflösung von 720p machen lassen. Weitere Spezifikationen sind ein HDMI-Anschluss, WLAN, Bluetooth 3.0 sowie ein FM-Transmitter.

Wie bei vielen Smartphones inzwischen Standard, sollen auch im N8 ein digitaler Kompass sowie GPS integriert sein. Das Nokia N8 ist 13 Millimeter dick und 135 Gramm schwer, wobei das Aluminiumgehäuse aus einem Block herausgefräst wurde.

Dass ein einziges Produkt eine ganze Branche verändern kann, hat bereits Apple mit dem iPhone bewiesen. Ob das N8 das Zeug dazu hat, Nokia aus der Misere zu helfen, bleibt abzuwarten. Das N8 könnte allerdings die letzte Chance für den angeschlagenen Nokia-Chef Olli Pekka Kallasvuo sein, seinen Job zu behalten…

Kurzportrait

Die im Jahre 1865 gegründete und im finnischen Espoo ansässige Nokia Oyj stellte nach seiner Gründung ursprünglich Papier her. In den späteren Jahren machte sich Nokia als Hersteller von Gummistiefeln einen Namen. Erst im Jahre 1960 wandte sich Nokia den modernen Kommunikationstechniken zu. In den 80er Jahren stellte das Unternehmen dann elektronische Komponenten und ganze Computer her. Im Jahre 1987 folgte schließlich mit der Entwicklung von Mobilfunktelefonen der Durchbruch und der Beginn einer neuen Ära.

Nokia entwickelte damals das erste Mobilfunktelefon, mit dem Ziel auf Basis des GSM-Netzes ein globales mobiles Kommunikationsnetz in Europa zu schaffen. Heute ist Nokia der weltweit führende Handy-Hersteller. Das Unternehmen ist heute in drei wesentliche Kerngeschäftsbereiche unterteilt: Devices and Services, Navteq und der Netzwerksparte (Nokia Siemens Networks).

Nokia erregte in den vergangenen Jahren auch Aufmerksamkeit durch seine Expansion im Netzwerkbereich. So erwarb der finnische Technologiekonzern in den vergangenen Jahren Beteiligungen an amerikanischen Netzwerkfirmen wie Ipsilon Networks, Aircom International, Rooftop Communications, Ramp Networks und F5 Networks. Später übernahm Nokia den Softwarespezialisten Eizel Technologies. Im Jahr 2004 kaufte Nokia Lizenzen und Technologien der Freescale-Tochter Metrowerks. Im Februar übernahm Nokia schließlich den Mobilfunksoftwareanbieter Intellisync Corporation. Im Jahr 2007 schluckte Nokia den mobilen Marketingspezialisten Enpocket. Anschließend kaufte Nokia den GPS- und Kartenspezialisten Navteq im Rahmen einer Milliardentransaktion. Ende 2007 schloss man die Übernahme der Internettauschbörse Avvenu ab. Mitte 2008 kaufte Nokia auch die restlichen Anteile an dem britischen Mobile-Softwarehersteller Symbian. Gleichzeitig übernahm Nokia den Social-Networking-Anbieter Plazes. Daneben wurde auch die Übernahme des Softwarespezialisten Trolltech erfolgreich abgeschlossen. Im Herbst 2009 schluckte Nokia den Spezialisten Cellity. Mitte 2010 wurde zudem die Modemsparte (Wireless Modem) für 200 Mio. Dollar veräußert.

Gemeinsam mit der Siemens AG betreibt Nokia das 50:50 Joint Venture Nokia Siemens Networks (NSN). Mitte 2010 übernahm NSN die Netzwerkausrüstungssparte von Motorola. Gemeinsam mit Texas Instruments und STMicroelectronics will Nokia in Konkurrenz zu Qualcomm treten und den neuentwickelten CDMA-Standard CDMA 2000 1X vermarkten. Mit seiner eigenen Internet-Plattform Ovi will Nokia im weltweiten Datennetz stärker Fuß fassen. Zudem besteht eine Kooperation mit Intel, um mit MeeGo eine neue Linux-basierte Softwareplattform für Mobiltelefone, Tablet Computer und Netbooks anzubieten

Zahlen

Beim Nettoumsatz konnte Nokia im vergangenen zweiten Quartal 2010 lediglich ein Plus von einem Prozent auf 10,0 Mrd. Euro erzielen. Im Bereich Devices & Services, also der Sparte, zu der auch das schwächelnde Mobiltelefongeschäft zählt, legte der Umsatz um drei Prozent auf 6,79 Mrd. Euro zu. Die Einheit Navteq meldete ein Umsatzwachstum um 71 Prozent auf 252 Mio. Euro, während der Geschäftsbereich Nokia Siemens Networks beim Umsatz fünf Prozent auf 3,04 Mrd. Euro einbüßen musste.

Insgesamt konnte Nokia im jüngsten Quartal 111 Millionen Handys verkaufen, ein Zuwachs von acht Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die durchschnittlichen Verkaufspreise blieben mit 60 Euro in etwa stabil zum Vorjahr.

Operativ verdienten die Finnen weniger als noch im Vorjahresquartal. So lag das operative Ergebnis im zweiten Quartal 2010 bei 295 Mio. Euro und somit 31 Prozent unter dem Vorjahreswert von 427 Mio. Euro. Zugleich verschlechterte sich die operative Marge damit von 4,3 auf 2,9 Prozent. Das Segment Devices & Services gab beim operativen Ergebnis 16 Prozent auf 643 Mio. Euro nach und brachte es somit auf eine Marge von 9,5 Prozent, nach 11,6 Prozent im Vorjahresquartal. Die Navigationseinheit Navteq schrieb einen operativen Verlust von 81 Mio. Euro (2009: minus 100 Mio. Euro). Nokia Siemens Networks lag mit minus 179 Mio. Euro ebenfalls in der operativen Verlustzone (2009: minus 188 Mio. Euro).

Einen deutlichen Rückgang musste Nokia auch beim Nettoergebnis hinnehmen. Nachdem das Unternehmen in der Vorjahresperiode noch einen Gewinn von 380 Mio. Euro eingestrichen hatte, lag der aktuelle Wert von 227 Mio. Euro rund 40 Prozent darunter. Je Aktie gerechnet fiel das Ergebnis damit von 0,10 Euro auf 0,06 Euro (verwässert sowie unverwässert).

Meldung gespeichert unter: Nokia

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