Nokia: Turnaround ungewiss - fallende Handy-Preise sorgen für Enttäuschung

Smartphones vs Feature-Phones

Freitag, 25. Januar 2013 13:44
Nokia_new.gif

(IT-Times) - Für Nokia-Aktien ging es am Vortag kräftig bergab. Die Papiere verloren in New York mehr als acht Prozent, obwohl der finnische Mobiltelefonhersteller erstmals seit der Allianz mit Microsoft vor zwei Jahren wieder einen Gewinn von 202 Mio. Euro im Dezemberquartal ausweisen konnte.

Allerdings zeigten sich Anleger enttäuscht, dass Nokia (WKN: 870737) zu weiteren Sparmaßnahmen griff und die Dividende strich. Dadurch sparen sich die Finnen 750 Mio. Euro an Ausschüttungen. Viel enttäuschender ist jedoch die Entwicklung der Umsätze und der durchschnittlichen Verkaufspreise.

Umsatz weiter rückläufig - durchschnittliche Verkaufspreise enttäuschen
Der Umsatz fiel trotz Lumia-Offensive um 20 Prozent auf 8,04 Mrd. Euro. Zwar konnte Nokia seinen Marktanteil im italienischen Smartphone-Markt dank seiner Lumia-Telefone auf über zehn Prozent steigern, allerdings entwickelten sich die durchschnittlichen Verkaufspreise nicht wie erhofft.

Aufgrund des high-end Flagschifftelefons Lumia 920, welches für über 500 Euro ohne Vertrag in den Läden verkauft wird, hatten Analysten erwartet, dass die Lumia-Verkaufspreise im vierten Quartal auf 195 bis 197 Euro anziehen. Stattdessen kletterten die durchschnittlichen Verkaufspreise nur von 160 auf 192 Euro. Damit wird deutlich, dass der Lumia-Produktmix nach wie vor von älteren Lumia-Telefonen wie dem billigerem Lumia 800 geprägt wird.

Konkurrenz durch Android: Nokia verliert in Schwellenländern an Boden
Alarmierend sind auch die Zahlen, die aus Lateinamerika und Asien-Pazifik kommen. In asiatisch-pazifischen Raum gingen die Erlöse um vier Prozent gegenüber dem Vorquartal zurück, in Lateinamerika um neun Prozent.

Dies signalisiert auch dort fallende Preise, zumal Nokia das Ausliefervolumen in Lateinamerika um drei Prozent gegenüber dem Vorquartal steigern konnte. Der Preisrückgang spiegelt sich auch in Nokias Basistelefone wider. Hier sanken die durchschnittlichen Verkaufspreise von 31 auf 32 Euro. Für Nokia ist diese Entwicklung besonders prekär, machen Feature-Telefone nach wie vor zwei Drittel des Telefonabsatzes bei Nokia aus.

Analysten wie aus dem Hause Morgan Stanley fragen sich daher, wie schnell Nokias wachsendes Smartphone-Geschäft den Rückgang bei den Feature-Phones ausgleichen kann. Derzeit entsteht noch der Eindruck, dass die schnell wachsende Asha-Reihe bislang nicht den Schwund bei den Feature-Phones wettmachen kann.

Kurzportrait

Die im Jahre 1865 gegründete und im finnischen Espoo ansässige Nokia stellte nach seiner Gründung ursprünglich Papier her. In den späteren Jahren machte sich Nokia als Hersteller von Gummistiefeln einen Namen. Erst im Jahre 1960 wandte sich Nokia den modernen Kommunikationstechniken zu. In den 80er Jahren stellte das Unternehmen dann elektronische Komponenten und ganze Computer her. Im Jahre 1987 folgte schließlich mit der Entwicklung von Mobilfunktelefonen der Durchbruch und der Beginn einer neuen Ära. Heute besitzt das Unternehmen mehr als 30.000 Patente im Mobilfunkbereich.

Das Unternehmen ist heute in drei wesentliche Kerngeschäftsbereiche unterteilt: Devices and Services, Navteq und der Netzwerksparte (Nokia Siemens Networks).

Nokia erregte in den vergangenen Jahren auch Aufmerksamkeit durch seine Expansion im Netzwerkbereich und entsprechende Firmenzukäufe. So kaufte Nokia unter anderem den GPS- und Kartenspezialisten Navteq im Rahmen einer Milliardentransaktion. Ende 2007 schloss man die Übernahme der Internettauschbörse Avvenu ab. Mitte 2008 kaufte Nokia auch die restlichen Anteile an dem britischen Mobile-Softwarehersteller Symbian. Daneben wurde auch die Übernahme des Softwarespezialisten Trolltech erfolgreich abgeschlossen. Mitte 2010 übernahm NSN die Netzwerkausrüstungssparte von Motorola. Mitte 2010 wurde zudem die Modemsparte (Wireless Modem) veräußert. Mitte 2011 trennte sich Nokia von seiner Operator Branded Messaging-Sparte (OBM). Gemeinsam mit der Siemens AG betreibt Nokia das 50:50 Joint Venture Nokia Siemens Networks (NSN).

Gleichzeitig verkaufte NSN seine Breitband-Festnetzsparte. Mitte 2012 trennte sich Nokia von seiner Luxus-Marke Vertu. Gleichzeitig wurde der Imaging-Spezialisten Scalado übernommen. Im Herbst 2012 kaufte Nokia ein Patentportfolio bestehend aus 500 Patenten und Patentanträgen an Vringo. Zudem wurde Ende 2012 der Kartenspezialist earthmine übernommen. Ende 2012 brachte Nokia seinen eigenen digitalen Kartenservice Here.net an den Start.

Mit seiner eigenen Internet-Plattform Ovi will Nokia im weltweiten Datennetz stärker Fuß fassen. Anfang 2011 schloss Nokia eine Kooperation mit Microsoft, womit Windows Phone zur Hauptplattform im Smartphone-Bereich aufsteigen soll. In diesem Bereich hofft Nokia mit seinen Windows Phone-basierten Lumia-Modellen auf einen Durchbruch.

Zahlen

Im vierten Quartal 2012 konnte Nokia einen Umsatz von 8,04 Mrd. Euro erwirtschaften und verschlechterte sich damit um 20 Prozent verglichen mit 2011. Interessant ist jedoch, dass das operative Ergebnis um 33 Prozent auf 635 Mio. Euro gesteigert werden konnte.

Meldung gespeichert unter: Nokia

© IT-Times 2016. Alle Rechte vorbehalten.

Unternehmen / Branche folgen
Unsere Nachrichten auf Ihrer Website

Sie haben die Möglichkeit, mit unserem Webmaster-Nachrichten-Tool die Nachrichten von IT-Times.de kostenlos auf Ihrer Internetseite einzubauen.

Zugeschnitten auf Ihre Branche bzw. Ihr Interesse.

Unternehmen / Branche folgen
Unsere Nachrichten auf Ihrer Website

Sie haben die Möglichkeit, mit unserem Webmaster-Nachrichten-Tool die Nachrichten von IT-Times.de kostenlos auf Ihrer Internetseite einzubauen.

Zugeschnitten auf Ihre Branche bzw. Ihr Interesse.

Folgen Sie IT-Times auf ...