Nokia holt zum Gegenschlag aus

Dienstag, 2. Dezember 2008 13:07
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(IT-Times) Der finnische Mobiltelefonkonzern Nokia (NYSE: NOK, WKN: 870737) hat auf den Erfolg von Apple & Co reagiert. Mit dem Smartphone Nokia N97 hat das Unternehmen den eigenen Angaben zufolge weltweit fortschrittlichsten Mobile Computer präsentiert.

Der Paukenschlag kommt nicht von ungefähr. Zu lange hatte Nokia dem US-Computerspezialisten Apple zugesehen und darauf vertraut, dass sich die Kalifornier mit einem Marktanteil von einem Prozent am Handy-Markt zufrieden geben werden. Doch weit gefehlt. Inzwischen hat Apple den Preis für sein iPhone stark gesenkt und visiert längst den Massenmarkt an. Eine direkte Kampfansage an die Finnen, die dieses Marktsegment lange Zeit dominierten.

N97 vs iPhone - der Kampf ist eröffnet
Das N97 ist nicht nur die direkte Antwort auf das iPhone, sondern auch an die Adresse der kanadischen Research In Motion gerichtet. Der BlackBerry-Hersteller schickte zuletzt mit dem BlackBerry Storm sein erstes Touchscreen-Smartphone ins Rennen. Nokia will mit dem N97 beide Geräte technologisch übertreffen. Das N97 kommt mit einem 3,5-Zoll großen Touchscreen-Bildschirm (Auflösung 640x360 Pixel) daher und verfügt zudem über integriertes QWERTY-Keyboard.

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Das N97 unterstützt sowohl die Standards HSDPA, WiFi und Bluetooth und kommt mit einem integrierten A-GPS Sensor daher, womit das Handy portable Navigationssysteme überflüssig machen soll. Der verfügbare 32GB Speicher kann mit einer microSD-Karte auf bis zu 48GB erweitert werden. Die Batterielaufzeit ermöglicht den Dauerbetrieb und das Abspielen von Videos mit einer Länge von 4,5 Stunden. Daneben verfügt das neue Nokia-Flagschiffprodukt über eine integrierte 5-Megapixel-Kamera mit Carl Zeiss Optik, die Videoaufnahmen in DVD-Qualität ermöglichen soll. Das N97 läuft auf dem S60-Betriebssystem und soll im ersten Halbjahr 2009 für 550 Euro auf den Markt kommen. Das N97 unterstützt natürlich die Nokia-Internetplattform Ovi, so dass Anwender Musik und Videos mit anderen Nutzern teilen können.

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Auf dem Papier sind die Spezifikationen beeindruckend, allerdings bleibt die Frage offen, inwieweit das S60 Betriebssystem diese Techniken in der Praxis nutzen kann. Das dies nicht ganz so einfach ist, musste zuletzt RIM schmerzlich feststellen, dessen BlackBerry Storm im Praxistest der New York Times glatt durchgefallen ist.

Zudem bleibt abzuwarten, inwieweit Mobilfunk-Carrier das neue Nokia-Handy subventionieren werden. Mit 550 Euro ist das Handy nicht gerade preiswert, was in Zeiten der Rezession Konsumenten vom Kauf abhalten könnte. Daneben ist Nokia mit seinem neuen „Wunder-Handy“ vergleichsweise spät dran. Die Finnen räumen dem Mitbewerber Apple indirekt ein halbes Jahr ein, um seinen Verkaufsschlager nachzubessern…

Kurzportrait

Die im Jahre 1865 gegründete und im finnischen Espoo ansässige Nokia Oyj stellte nach seiner Gründung ursprünglich Papier her. In den späteren Jahren machte sich Nokia als Hersteller von Gummistiefeln einen Namen. Erst im Jahre 1960 wandte sich Nokia den modernen Kommunikationstechniken zu. In den 80er Jahren stellte das Unternehmen dann elektronische Komponenten und ganze Computer her. Im Jahre 1987 folgte schließlich mit der Entwicklung von Mobilfunktelefonen der Durchbruch und der Beginn einer neuen Ära.

Nokia entwickelte damals das erste Mobilfunktelefon, mit dem Ziel auf Basis des GSM-Netzes ein globales mobiles Kommunikationsnetz in Europa zu schaffen. Heute ist Nokia der weltweit führende Handy-Hersteller. Das Unternehmen ist heute in drei wesentliche Kerngeschäftsbereiche unterteilt: Mobile Devices, Enterprise Solutions und der Netzwerksparte (Nokia Siemens Networks).

Nokia erregte in den vergangenen Jahren auch Aufmerksamkeit durch seine Expansion im Netzwerkbereich. So erwarb der finnische Technologiekonzern in den vergangenen Jahren Beteiligungen an amerikanischen Netzwerkfirmen wie Ipsilon Networks, Aircom International, Rooftop Communications, Ramp Networks und F5 Networks. Später übernahm Nokia den Softwarespezialisten Eizel Technologies. Im Jahr 2004 kaufte Nokia Lizenzen und Technologien der Freescale-Tochter Metrowerks. Im Februar übernahm Nokia schließlich den Mobilfunksoftwareanbieter Intellisync Corporation. Im Jahr 2007 schluckte Nokia den mobilen Marketingspezialisten Enpocket. Anschließend kaufte Nokia den GPS- und Kartenspezialisten Navteq im Rahmen einer Milliardentransaktion. Ende 2007 schloss man die Übernahme der Internettauschbörse Avvenu ab. Mitte 2008 kaufte Nokia auch die restlichen Anteile an dem britischen Mobile-Softwarehersteller Symbian. Gleichzeitig übernahm Nokia den Social-Networking-Anbieter Plazes. Daneben wurde auch die Übernahme des Softwarespezialisten Trolltech erfolgreich abgeschlossen.

Gemeinsam mit der Siemens AG betreibt Nokia das 50:50 Joint Venture Nokia Siemens Networks. Gemeinsam mit Texas Instruments und STMicroelectronics will Nokia in Konkurrenz zu Qualcomm treten und den neuentwickelten CDMA-Standard CDMA 2000 1X vermarkten. Mit seiner eigenen Internet-Plattform Ovi will Nokia im weltweiten Datennetz stärker Fuß fassen.

Zahlen

Im dritten Quartal 2008 konnte Nokia einen Umsatz in Höhe von 12,23 Mrd. Euro erwirtschaften. Im Vergleichszeitraum 2007 waren 12,89 Mrd. Euro umgesetzt worden. Als Grund für den Rückgang gab das Unternehmen den ungünstigen Wechselkurs von Euro und Dollar an. Der operative Gewinn lag im dritten Quartal 2008 bei 1,46 Mrd. Euro, während es in 2007 noch 1,86 Mrd. Euro gewesen waren.

Damit sank auch die operative Gewinnmarge von 14,4 Prozent im dritten Quartal 2007 auf zwölf Prozent im aktuell abgelaufenen Quartal 2008. Das Unternehmen verzeichnete einen Überschuss in Höhe von 1,09 Mrd. Euro. Das entspricht einem Rückgang um 30,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreswert. Der verwässerte Gewinn pro Aktie belief sich damit auf 0,29 Euro in 2008 und 0,40 Euro im Vergleichszeitraum 2007. Grund für den Gewinnrückgang sei der immer härter werdende Preiskampf.

Meldung gespeichert unter: Nokia

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