Nokia holt zum Befreiungsschlag aus

Konzentration auf drei Bereiche: NSN, Here und Advanced Technologies

Mittwoch, 4. September 2013 12:48
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(IT-Times) - Der finnische Mobilfunkgigant Nokia holt zum Befreiungsschlag aus. Um zu überleben, gibt das Unternehmen einen Bereich auf, den das Unternehmen in den vergangenen zwei Jahrzehnten mitgeprägt hat.

Nokia war einst der weltweit führende Mobilfunktelefonhersteller. Die Markteinführung des iPhones im Jahr 2007 läutete das Ende der Ära Nokia ein. Das finnische Unternehmen hatte schlicht und einfach das Thema tastaturlose Smartphones und die Bedeutung des mobilen Betriebssystems unterschätzt.

Zwar hat Nokia (WKN: 870737) noch versucht durch einen Strategiewechsel auf Windows Phone eine Wende herbeizuführen, doch der Wechsel kam für viele Marktbeobachter zu spät, hatten Android und iOS bereits den Smartphone-Markt de facto unter sich aufgeteilt. Der Marktanteil der Finnen kollabierte von rund 30 Prozent in 2009 auf weniger als 4,0 Prozent in 2012, so die Gartner-Marktforscher.

Nokia will sich neu erfinden
Nunmehr versucht Nokia einen Neuanfang. Durch den Verkauf der Mobilfunksparte (Nokia Devices and Services) erwartet Nokia einen Ertrag von rund 3,2 Mrd. US-Dollar. Wäre die Transaktion noch im zweiten Quartal 2013 zum Abschluss gekommen, würden sich die Nettobarreserven auf 7,8 Mrd. Euro summieren, rechnen die Analysten bei Wells Fargo Securities vor.

Zwar tritt Nokia durch den Verkauf etwa die Hälfte des Jahresumsatzes und rund 32.000 Mitarbeiter an Microsoft ab, kann sich aber nunmehr auf die drei verbliebenen Geschäftsbereiche konzentrieren: Nokia Solutions and Networks (NSN), die Kartenplattform HERE, sowie Advanced Technologies (Technik- und Lizenzgeschäft).

NSN gilt als profitabel und solide
Insbesondere die Netzwerkausrüstersparte NSN scheint vielversprechend. Zwar musste NSN im jüngsten Quartal einen Umsatzrückgang von 15 Prozent auf 2,76 Mrd. Euro hinnehmen, allerdings legten die Bruttomargen auf 38,4 Prozent zu, nach 12,2 Prozent im Jahr vorher. NSN gilt als profitabel, wobei die Analysten bei J.P. Morgan erwarten, dass die Kostensenkungsmaßnahmen auch in 2013 weitergehen.

Insgesamt zeigten die Daten in 2013, dass NSN seinen Marktanteil in Kernmärkten stabilisieren konnte und sich die Situation langsam verbessere, heißt es bei der US-Investmentbank. Nach dem NSN im vierten Quartal in Folge profitabel war, glauben Marktbeobachter, dass NSN vom LTE-Trend trotz der Konkurrenz aus China profitieren kann. Große Mobilfunk-Carrier wie China Mobile und Vodafone wollen Milliarden für den Ausbau ihrer 4G-Netze ausgeben.

Zukunftsmarkt Kartensoftware
Nokias Zukunft könnte in seiner Kartenplattform HERE liegen. Das Geschäft rund um HERE generierte zuletzt einen Jahresumsatz von 1,3 Mrd. Dollar und ist damit noch relativ klein. Die Einheit will GPS- und Entertainment-Services an Firmen verkaufen, die nicht von vorne anfangen und eigene Services aufbauen wollen, so Nokia-Finanzchef Ihamuotila.

Im jüngsten Quartal ging der Umsatz in dieser Sparte allerdings um 18 Mio. auf 233 Mio. Euro zurück, nachdem der Absatz von Nokia-Handys einbrach. Doch mit Microsoft hat Nokia nunmehr einen starken Partner, der den Windows Phone Marktanteil in den nächsten Jahren verdoppeln will. Nachdem Microsoft künftig ein Lizenznehmer der HERE-Plattform ist, könnten die Einnahmen aus der Kartensoftware bald kräftiger sprudeln, wenn Microsoft seine Ziele realisieren kann.

Mit einem neuen Connected Driving-Angebot (Here Auto, Here Auto Cloud und Here Auto Companion) versucht Nokia zudem die Automobilindustrie zu erobern. Damit will Nokia Benzinpreisinfos oder Musikservices auf das Dashboard bringen, wenn die einzelnen Autohersteller mitspielen…

Kurzportrait

Die im Jahre 1865 gegründete und im finnischen Espoo ansässige Nokia stellte nach seiner Gründung ursprünglich Papier her. In den späteren Jahren machte sich Nokia als Hersteller von Gummistiefeln einen Namen. Erst im Jahre 1960 wandte sich Nokia den modernen Kommunikationstechniken zu. In den 80er Jahren stellte das Unternehmen dann elektronische Komponenten und ganze Computer her. Im Jahre 1987 folgte schließlich mit der Entwicklung von Mobilfunktelefonen der Durchbruch und der Beginn einer neuen Ära. Heute besitzt das Unternehmen mehr als 30.000 Patente im Mobilfunkbereich.

Das Unternehmen ist heute in drei wesentliche Kerngeschäftsbereiche unterteilt: HERE, der Netzwerksparte (Nokia Solutions and Networks) und Advanced Technologies.

Nokia erregte in den vergangenen Jahren auch Aufmerksamkeit durch seine Expansion im Netzwerkbereich und entsprechende Firmenzukäufe. So kaufte Nokia unter anderem den GPS- und Kartenspezialisten Navteq im Rahmen einer Milliardentransaktion. Ende 2007 schloss man die Übernahme der Internettauschbörse Avvenu ab. Mitte 2008 kaufte Nokia auch die restlichen Anteile an dem britischen Mobile-Softwarehersteller Symbian. Daneben wurde auch die Übernahme des Softwarespezialisten Trolltech erfolgreich abgeschlossen. Mitte 2010 übernahm NSN die Netzwerkausrüstungssparte von Motorola. Mitte 2010 wurde zudem die Modemsparte (Wireless Modem) veräußert. Mitte 2011 trennte sich Nokia von seiner Operator Branded Messaging-Sparte (OBM).

Gleichzeitig verkaufte NSN seine Breitband-Festnetzsparte. Mitte 2012 trennte sich Nokia von seiner Luxus-Marke Vertu. Im Herbst 2012 kaufte Nokia ein Patentportfolio bestehend aus 500 Patenten und Patentanträgen an Vringo. Zudem wurde Ende 2012 der Kartenspezialist earthmine übernommen. Ende 2012 brachte Nokia seinen eigenen digitalen Kartenservice Here.net an den Start. Nachdem Nokia in 2013 die restlichen 50 Prozent der Anteile an dem Netzwerk-Venture von Siemens zurückkaufte, hält Nokia nunmehr 100 Prozent an Nokia Solutions Networks (NSN). Mitte 2013 verkaufte Nokia seine Mobilfunksparte (Nokia Devices and Services) für 5,44 Mrd. Euro an Microsoft.

Mit seiner eigenen Internet-Plattform Ovi will Nokia im weltweiten Datennetz stärker Fuß fassen. Anfang 2011 schloss Nokia eine Kooperation mit Microsoft, womit Windows Phone zur Hauptplattform im Smartphone-Bereich aufsteigen soll. In diesem Bereich hofft Nokia mit seinen Windows Phone-basierten Lumia-Modellen auf einen Durchbruch.

Meldung gespeichert unter: Nokia

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