Nokia gibt sich konservativ

Mittwoch, 5. Dezember 2007 12:42
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(IT-Times) Die Begeisterung über den jüngsten Kapitalmarkttag des Mobiltelefonherstellers Nokia (NYSE: NOK, WKN: 870737) hielt sich bei Anlegern und Analysten in Grenzen. Die eher verhaltenen Prognosen für die kommenden zwei Jahre nutzten viele Anleger zu Gewinnmitnahmen.

Analysten bemängeln die eher konservativen Prognosen hinsichtlich der Gewinnmargen. Nokia peilt in den nächsten zwei Jahren im Mobilfunkgeschäft operative Margen von 20 Prozent an. Im Konzern selbst sollen die Margen um ein bis zwei Prozentpunkte höher liegen. Die neuen Margen-Ziele seien nicht so gut, wie für einen weiteren Kursanstieg notwendig, meint etwa SEB-Analyst Seif Pettersson.

Durchschnittspreise dürften weiter fallen
Zudem warnt Nokia vor sinkenden Verkaufspreisen im Handy-Geschäft, nachdem immer mehr Mobiltelefone in Schwellenländern verkauft werden. Hier erfreuen sich insbesondere Billig-Handys großer Beliebtheit, was wiederum auf die durchschnittlichen Verkaufspreise drückt. Schon im vergangenen dritten Quartal fielen die Durchschnittspreise auf 82 Euro von 93 Euro. Dieser Trend dürfte sich auch zunächst weiter fortsetzen, da Nokia in den schnell wachsenden Mobilfunkmärkten wie Indien und China seine Handys für weniger als 30 Euro anbietet, so Nokia-Finanzchef Rick Simonson.

Doch bisher gelang es Nokia die fallenden Durchschnittspreise sehr gut durch die Optimierung des Vertriebs und durch die Nutzung seiner Marktgröße auszugleichen. Ob dies auch in Zukunft gelingen wird, bleibt aber abzuwarten.

Auch sonst machen sich Analysten und Investoren über die Zukunft von Nokia als diversifizierter Technologiekonzern Gedanken. Das Unternehmen will sowohl im Bereich Internet-Services, Musik-Downloads und bei GPS-Services eine führende Rolle spielen. Dieser Strategiewechsel ist nicht nur mit hohen Investitionen verbunden (Navteq-Zukauf), sondern zieht auch gewisse Risiken nach sich, da sich bereits andere Wettbewerber in diesen Segmenten erfolgreich am Markt etabliert haben. Ob sich Nokia in diesen Märkten langfristig behaupten kann, ist derzeit offen.

Prognosen zu konservativ?
Dennoch dürften die Schätzungen der Finnen, wie sooft in den vergangenen Jahren, zu konservativ sein. Schon im Jahr 2006 stellte Nokia ein einheitliches Wachstum der Mobilfunkbranche von etwas mehr als zehn Prozent in Aussicht - Ende 2006 waren es dann 24,5 Prozent. Auch in 2007 ging man zunächst nur von einem Wachstum von bis zu zehn Prozent aus - am Ende dürften es wohl eher 14 Prozent sein. Auch in 2008 rechnet Nokia mit einem Branchenwachstum von rund zehn Prozent. Dank immer neuer Features wie GPS-Funktionen und der anhaltenden Nachfrage in den Schwellenländern stehen die Chancen gut, dass Nokia auch in 2008 mit einem besseren Ergebnis überraschen kann…

Kurzportrait

Die im Jahre 1865 gegründete und im finnischen Espoo ansässige Nokia Oyj stellte nach seiner Gründung ursprünglich Papier her. In den späteren Jahren machte sich Nokia als Hersteller von Gummistiefeln einen Namen. Erst im Jahre 1960 wandte sich Nokia den modernen Kommunikationstechniken zu. In den 80er Jahren stellte das Unternehmen dann elektronische Komponenten und ganze Computer her. Im Jahre 1987 folgte schließlich mit der Entwicklung von Mobilfunktelefonen der Durchbruch und der Beginn einer neuen Ära.

Nokia entwickelte damals das erste Mobilfunktelefon, mit dem Ziel auf Basis des GSM-Netzes ein globales mobiles Kommunikationsnetz in Europa zu schaffen. Heute ist Nokia der weltweit führende Handy-Hersteller. Gleichzeitig ist das Unternehmen in drei wesentliche Kerngeschäftsbereiche unterteilt: Mobile Devices, Enterprise Solutions und der Netzwerksparte (Nokia Siemens Networks).

Die in Kalifornien ansässige Tochter Nokia Venture Partners investiert unter anderem in Startup-Unternehmen, welche sich im Wesentlichen mit Internettechnologien und Kommunikationstechniken beschäftigen. So hält Nokia unter anderem eine 47,9%ige Beteiligung an dem Mobile-Softwarehersteller Symbian. Im Frühjahr 2005 veräußerte Nokia sein mobiles Radiogeschäft an EADS.

Nokia erregte in den vergangenen Jahren auch Aufmerksamkeit durch seine Expansion im Netzwerkbereich. So erwarb der finnische Technologiekonzern in den vergangenen Jahren Beteiligungen an amerikanischen Netzwerkfirmen wie Ipsilon Networks, Aircom International, Rooftop Communications, Ramp Networks und F5 Networks. Später übernahm Nokia den Softwarespezialisten Eizel Technologies. Im Jahr 2004 kaufte Nokia Lizenzen und Technologien der Freescale-Tochter Metrowerks. Im Februar übernahm Nokia schließlich den Mobilfunksoftwareanbieter Intellisync Corporation. Im Jahr 2007 schluckte Nokia den mobilen Marketingspezialisten Enpocket. Anschließend kaufte Nokia den GSP- und Kartenspezialisten Navteq im Rahmen einer Milliardentransaktion. Ende 2007 schloss man die Übernahme der Internettauschbörse Avvenu ab.

Gemeinsam mit der Siemens AG betreibt Nokia das 50:50 Joint Venture Nokia Siemens Networks. Gemeinsam mit Texas Instruments und STMicroelectronics will Nokia in Konkurrenz zu Qualcomm treten und den neuentwickelten CDMA-Standard CDMA 2000 1X vermarkten. Nokia setzt in seinen neu entwickelten CDMA-Chips als einziger Mobilfunkhersteller nicht auf Chips aus dem Hause Qualcomm, sondern auf Eigenentwicklungen.

Zahlen

Der Umsatz belief sich im vergangenen dritten Quartal 2007 auf 12,898 Mrd. Euro, ein Zuwachs von 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Vergleichsquartal 2006 hatte der Umsatz 10,1 Mrd. Euro betragen. Auf die Sparte „Mobil-Telefone“ entfielen dabei 6,131 Mrd. Euro, auf den Multimedia-Bereich 2,58 Mrd. Euro, auf Nokia Siemens Networks 3,674 Mrd. Euro sowie 526 Mio. Euro auf die Sparte „Enterprise Solutions“. Dabei legten vor allem die Enterprise Solutions kräftig zu, und zwar um glatte 105 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Bereich Mobiltelefone wuchs nur leicht um drei Prozent.

Der operative Gewinn erhöhte sich um zwölf Prozent auf 1,862 Mrd. Euro. Der Bereich Mobiltelefone trug dazu 1,388 Mrd. Euro bei, ein Zuwachs von 78 Prozent gegenüber dem dritten Quartal 2006. Der Multimedia-Bereich erzielte einen Nettogewinn von 575 Mio. Euro, 57 Prozent mehr als im Vorjahr. Für Nokia Siemens Networks wurde ein Verlust von 120 Mio. Euro (Vorjahresquartal: plus 130 Mio. Euro) ausgewiesen. Der Bereich Enterprise Solutions schaffte den Sprung aus den roten Zahlen: Ein Gewinn von 88 Mio. Euro im dritten Quartal dieses Jahres steht einem Verlust von 65 Mio. Euro im Vorjahr entgegen.

Der Nettogewinn von Nokia betrug 1,56 Mrd. Euro im abgelaufenen Quartal. Pro Aktie beläuft sich der Nettogewinn damit auf 0,40 Euro, ein Anstieg um 90 Prozent. Der Markt hatte nur einen Gewinn von 0,34 Euro pro Aktie erwartet. Die operativen Margen verbesserten sich durchgehend. Eine Ausnahme macht nur Nokia Siemens Networks mit einer operativen Marge von minus 3,3 Prozent, nach einer positiven Marge von 7,3 Prozent im Vorjahr.

Meldung gespeichert unter: Nokia

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