Nokia bleibt weiter oben auf - vorerst

Dienstag, 22. Juli 2008 13:02
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(IT-Times) Der finnische Mobiltelefonhersteller Nokia (NYSE: NOK, WKN: 870737) bleibt weiter auf der Gewinnerstraße. Trotz Konjunkturflaute und Rezessionstendenzen konnte Nokia deutlich mehr Handys absetzen als im Vorjahr und seinen Marktanteil auf nunmehr rund 40 Prozent ausbauen.

Steigender Marktanteil - fallende Preise
Dabei profitierten die Finnen offenbar vom Niedergang des US-amerikanischen Konkurrenten Motorola, dessen Marktanteil in den letzten Quartalen deutlich eingebrochen war. Nokia konnte hingegen zuletzt in den USA spürbar aufholen und sich auch im wichtigen Boomland China an die Spitze des Marktes setzen. Dies erkaufte sich Nokia teilweise auch durch eine aggressive Preispolitik, was sich negativ auf die Entwicklung des durchschnittlichen Verkaufspreises auswirkte, der zuletzt von 90 auf 74 Euro sank.

Die eigentliche Bewährungsprobe steht dem Unternehmen aber noch bevor. Zwar konnte Apple dem Unternehmen mit seinem iPhone bislang kaum schaden, allerdings war das Apple-Handy bislang aber auch nur in einigen wenigen Ländern verfügbar. Dies wird sich jedoch im zweiten Halbjahr schlagartig ändern, wobei Apple durch die radikale Preissenkung nunmehr auch in den Massenmarkt geht - einem Bereich den Nokia in der Vergangenheit dominierte.

Forschungsabteilung arbeitet auf Hochtouren
Zwar kündigt Nokia in der zweiten Jahreshälfte ebenfalls neue Touchscreen-Modelle an, doch angesichts der riesigen Forschungs- und Entwicklungsabteilung, die etwa 7.500 Ingenieure umfasst, kommt der Vorstoß doch relativ spät. Im Moment gibt Apple den Takt an, was die Innovationsfähigkeit angeht. Doch Nokia gibt sich weiter selbstbewusst und erlaubt erstmals Einblick in seine Forschungs- und Entwicklungsabteilung.

Leo Kaerkkaeinen, der das Nokia Research Center leitet, glaubt weiter an die Zukunft des Handys. Daneben arbeiten Nokia-Forscher aber nicht nur an der Weiterentwicklung bestehender Produkte, sondern auch an völlig neuen Produkten, wie Kaerkkaeinen gegenüber der Nachrichtenagentur AP zugibt. So lote man Möglichkeiten aus, inwiefern Nokia auch in die Fertigung von Haushaltsrobotern oder medizinischer Diagnosesysteme einsteigen könne, so Kaerkkaeinen weiter. Derzeit teste man auch Mobiltelefone, welche Krankheiten diagnostizieren und automatisch Hilfe herbeirufen können. Auch GPS-Sensoren seien im Spiel, um zum Beispiel den Verkehrsfluss mittels eines Handys besser vorhersagen zu können, erklärt Kaerkkaeinen.

Ob und wann derlei Zukunftsvisionen tatsächlich realisiert werden, steht noch in den Sternen. Zunächst soll erst einmal das neue Touchscreen-Handy Tube dem iPhone aus dem Hause Apple Paroli bieten…

Kurzportrait

Die im Jahre 1865 gegründete und im finnischen Espoo ansässige Nokia Oyj stellte nach seiner Gründung ursprünglich Papier her. In den späteren Jahren machte sich Nokia als Hersteller von Gummistiefeln einen Namen. Erst im Jahre 1960 wandte sich Nokia den modernen Kommunikationstechniken zu. In den 80er Jahren stellte das Unternehmen dann elektronische Komponenten und ganze Computer her. Im Jahre 1987 folgte schließlich mit der Entwicklung von Mobilfunktelefonen der Durchbruch und der Beginn einer neuen Ära.

Nokia entwickelte damals das erste Mobilfunktelefon, mit dem Ziel auf Basis des GSM-Netzes ein globales mobiles Kommunikationsnetz in Europa zu schaffen. Heute ist Nokia der weltweit führende Handy-Hersteller. Das Unternehmen ist heute in drei wesentliche Kerngeschäftsbereiche unterteilt: Mobile Devices, Enterprise Solutions und der Netzwerksparte (Nokia Siemens Networks).

Nokia erregte in den vergangenen Jahren auch Aufmerksamkeit durch seine Expansion im Netzwerkbereich. So erwarb der finnische Technologiekonzern in den vergangenen Jahren Beteiligungen an amerikanischen Netzwerkfirmen wie Ipsilon Networks, Aircom International, Rooftop Communications, Ramp Networks und F5 Networks. Später übernahm Nokia den Softwarespezialisten Eizel Technologies. Im Jahr 2004 kaufte Nokia Lizenzen und Technologien der Freescale-Tochter Metrowerks. Im Februar übernahm Nokia schließlich den Mobilfunksoftwareanbieter Intellisync Corporation. Im Jahr 2007 schluckte Nokia den mobilen Marketingspezialisten Enpocket. Anschließend kaufte Nokia den GPS- und Kartenspezialisten Navteq im Rahmen einer Milliardentransaktion. Ende 2007 schloss man die Übernahme der Internettauschbörse Avvenu ab. Mitte 2008 kaufte Nokia auch die restlichen Anteile an den britischen Mobile-Softwarehersteller Symbian. Gleichzeitig übernahm Nokia den Social-Networking-Anbieter Plazes. Daneben wurden auch die Übernahme des Softwarespezialisten Trolltech erfolgreich abgeschlossen.

Gemeinsam mit der Siemens AG betreibt Nokia das 50:50 Joint Venture Nokia Siemens Networks. Gemeinsam mit Texas Instruments und STMicroelectronics will Nokia in Konkurrenz zu Qualcomm treten und den neuentwickelten CDMA-Standard CDMA 2000 1X vermarkten. Nokia setzt in seinen neu entwickelten CDMA-Chips als einziger Mobilfunkhersteller nicht auf Technologie aus dem Hause Qualcomm, sondern auf Eigenentwicklungen.

Zahlen

Umgesetzt hat Nokia im zweiten Quartal 2008 13,15 Mrd. Euro - vier Prozent mehr als im Vorjahr. Wachstumsmotor war der Netzausrüster Nokia Siemens Networks, welcher ein Umsatzwachstum von 20 Prozent erreichte. Im Bereich „Devices & Services“, dem Kerngeschäft von Nokia also, verzeichneten die Finnen einen Umsatzrückgang um zwei Prozent.

Der operative Gewinn ging im zweiten Quartal allerdings um 38 Prozent zurück, verglichen mit dem Vorjahresquartal. Er schrumpfte damit von 2,36 Mrd. Euro auf 1,47 Mrd. Euro. Netto verdiente Nokia im zweiten Quartal 1,1 Mrd. Euro und damit 61 Prozent weniger als noch vor einem Jahr. Im zweiten Quartal 2007 verzeichnete der weltgrößte Hersteller von Mobiltelefonen noch einen Gewinn von 2,83 Mrd. Euro. Auch gegenüber dem Vorquartal, dem ersten Quartal 2008 ging der Nettogewinn zurück, hier um zehn Prozent. Pro Aktie verdiente Nokia im zweiten Quartal 2008 damit 0,29 Euro, 60 Prozent weniger also noch vor einem Jahr.

Meldung gespeichert unter: Nokia

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