Nokia bleibt unter Druck - Kassenschlager lässt auf sich warten

Donnerstag, 4. November 2010 13:41
Nokia_new.gif

(IT-Times) - Der finnische Mobilfunkgigant Nokia (NYSE: NOK, WKN: 870737) steht weiterhin vor großen Herausforderungen. Nachdem Wechsel an der Führungsspitze steht der neue CEO Stephen Elop vor einer großen Baustelle.

Nachdem zuvor schon der Handy-Hersteller Sony Ericsson angekündigt hatte, dass Symbian-Betriebssystem nicht mehr unterstützen zu wollen, schlug Anfang Oktober mit Samsung der weltweit zweitgrößte Handy-Hersteller den gleichen Weg ein. Auch die Südkoreaner wollen künftig auf ihr eigenes Betriebssystem Bada setzen und Symbian den Rücken kehren.

Nokia schickt erste Symbian 3 Geräte ins Rennen
Dabei hatte sich Nokia große Mühe gegeben und das komplexe Symbian-Betriebssystem nochmals überarbeitet und mit Symbian 3 im Herbst einen wettbewerbsfähigen Konkurrenten ins Rennen geschickt. Ob Symbian 3 und das neue Flagschiff-Handy N8 den Vormarsch der Konkurrenz stoppen können, bleibt allerdings abzuwarten.

Nicht nur, das Apple mit seinem neuen iPhone seine Vertriebspolitik geändert und nunmehr auf eine Mehr-Carrier-Strategie setzt, auch kommen pünktlich zum Weihnachtsgeschäft eine ganze Armada von neuen Android-Smartphones auf den Markt, die Nokia das Leben schwer machen dürften.

Nokia gewinnt erste Runde im Patentstreit gegen Apple
Nokia versucht nunmehr auf den Rechtsweg den Vormarsch von Apple zu stoppen. Nachdem Nokia im Oktober 2009 eine Patentklage gegen den iPhone-Hersteller eingereicht hatte, haben die Finnen nunmehr die erste Runde in dem Patentstreit gewonnen, wie das Wall Street Journal meldet. Die US-Handelsaufsicht ITC glaubt, dass einige Apple-Patente ungültig sind. Eine endgültige Entscheidung dürfte allerdings frühestens im Februar 2011 fallen. Die Finnen werfen Apple vor, zehn Nokia-Patente verletzt zu haben. Sollte Apple schuldig gesprochen werden, könnte den Kalifornien ein iPhone-Verkaufsstopp in Europa drohen.

Das Intermezzo vor Gericht dürfte Nokia allerdings nur kurzfristig Luft verschaffen. Auch im dritten Quartal 2010 verlor Nokia weiter Marktanteile im schnell wachsenden Smartphone-Markt, während die Konkurrenz in Form von Apple und Android zulegen konnte. Apple stieg im dritten Quartal zum führenden Smartphone-Hersteller in den USA auf, so die Marktforscher aus dem Hause Canalys.

Nokia verteidigt marktführende Position in Schwellenmärkten
Einzig in den BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien, sowie Indonesien und China konnte Nokia seine marktführende Position behaupten. In Indien gilt Nokia mit einem Marktanteil von 65 Prozent nach wie vor als der dominierende Mobiltelefonanbieter. Nokia konnte in Indien seine Auslieferzahlen gegenüber dem Vorjahr um 208 Prozent auf 1,1 Millionen Einheiten steigern. Noch stärker wuchs allerdings der BlackBerry-Hersteller Research In Motion, der seine Auslieferzahlen um 412 Prozent steigern konnte, heißt es bei den Canalys-Marktforschern.

Nach Meinung von Canalys-Experte Pete Cunningham leidet Nokia nach wie vor darunter, dass dem Hersteller derzeit ein echtes high-end Handy fehlt. Mit der Einführung von MeeGo im nächsten Jahr könnte sich das allerdings ändern…

Kurzportrait

Die im Jahre 1865 gegründete und im finnischen Espoo ansässige Nokia stellte nach seiner Gründung ursprünglich Papier her. In den späteren Jahren machte sich Nokia als Hersteller von Gummistiefeln einen Namen. Erst im Jahre 1960 wandte sich Nokia den modernen Kommunikationstechniken zu. In den 80er Jahren stellte das Unternehmen dann elektronische Komponenten und ganze Computer her. Im Jahre 1987 folgte schließlich mit der Entwicklung von Mobilfunktelefonen der Durchbruch und der Beginn einer neuen Ära.

Nokia entwickelte damals das erste Mobilfunktelefon, mit dem Ziel auf Basis des GSM-Netzes ein globales mobiles Kommunikationsnetz in Europa zu schaffen. Heute ist Nokia der weltweit führende Handy-Hersteller. Das Unternehmen ist heute in drei wesentliche Kerngeschäftsbereiche unterteilt: Devices and Services, Navteq und der Netzwerksparte (Nokia Siemens Networks).

Nokia erregte in den vergangenen Jahren auch Aufmerksamkeit durch seine Expansion im Netzwerkbereich. So erwarb der finnische Technologiekonzern in den vergangenen Jahren Beteiligungen an amerikanischen Netzwerkfirmen wie Ipsilon Networks, Aircom International, Rooftop Communications, Ramp Networks und F5 Networks. Später übernahm Nokia den Softwarespezialisten Eizel Technologies. Im Jahr 2004 kaufte Nokia Lizenzen und Technologien der Freescale-Tochter Metrowerks. Im Februar übernahm Nokia schließlich den Mobilfunksoftwareanbieter Intellisync Corporation. Im Jahr 2007 schluckte Nokia den mobilen Marketingspezialisten Enpocket. Anschließend kaufte Nokia den GPS- und Kartenspezialisten Navteq im Rahmen einer Milliardentransaktion. Ende 2007 schloss man die Übernahme der Internettauschbörse Avvenu ab. Mitte 2008 kaufte Nokia auch die restlichen Anteile an dem britischen Mobile-Softwarehersteller Symbian. Gleichzeitig übernahm Nokia den Social-Networking-Anbieter Plazes. Daneben wurde auch die Übernahme des Softwarespezialisten Trolltech erfolgreich abgeschlossen. Im Herbst 2009 schluckte Nokia den Spezialisten Cellity. Mitte 2010 wurde zudem die Modemsparte (Wireless Modem) für 200 Mio. Dollar veräußert. Die Netzwerk-Tochter NSN übernahm im Herbst 2010 die türkische Iris Telecom.

Gemeinsam mit der Siemens AG betreibt Nokia das 50:50 Joint Venture Nokia Siemens Networks (NSN). Mitte 2010 übernahm NSN die Netzwerkausrüstungssparte von Motorola. Gemeinsam mit Texas Instruments und STMicroelectronics will Nokia in Konkurrenz zu Qualcomm treten und den neuentwickelten CDMA-Standard CDMA 2000 1X vermarkten. Mit seiner eigenen Internet-Plattform Ovi will Nokia im weltweiten Datennetz stärker Fuß fassen. Zudem besteht eine Kooperation mit Intel, um mit MeeGo eine neue Linux-basierte Softwareplattform für Mobiltelefone, Tablet PCs und Netbooks zu entwickeln.

Zahlen

Das dritte Quartal 2010 bescherte Nokia einen Umsatzanstieg gegenüber dem Vorjahresquartal von 9,81 Mrd. Euro auf 10,27 Mrd. Euro, was einem Anstieg der Umsatzerlöse von fünf Prozent entspricht. Die Sparte „Devices & Services“ legte dabei von 6,92 Mrd. Euro auf 7,17 Mrd. Euro zu (plus vier Prozent), der Bereich „Navteq“ (Navigationssoftware) verbesserte sich von 166 Mio. Euro auf 252 Mio. Euro (plus 52 Prozent). Auch Nokia Siemens Networks meldete mit einem Anstieg von 2,76 Mrd. Euro auf 2,94 Mrd. Euro ein Umsatzplus von sieben Prozent.

Als operatives Ergebnis des dritten Quartals 2010 nannte Nokia 403 Mio. Euro, nach einem operativen Minus von 426 Mio. Euro ein Jahr zuvor. Die operative Marge verbesserte sich dabei von minus 4,3 Prozent auf plus 3,9 Prozent. Einzig die Sparte Devices erwies sich dabei mit einem Anstieg des operativen Ergebnisses von 785 Mio. Euro auf 807 Mio. Euro als profitabel. Die Sparte Navteq reduzierte das operative Minus von 68 Mio. Euro auf 48 Mio. Euro, blieb damit aber weiter defizitär. Auch das operative Ergebnis bei Nokia Siemens Network fiel mit minus 282 Mio. Euro glimpflicher aus als der Vorjahreswert von minus 1,11 Mrd. Euro. Unter dem Strich verbuchte Nokia im dritten Quartal 2010 ein Nettoergebnis von 322 Mio. Euro, nach einem Vorjahreswert von minus 913 Mio. Euro. Entsprechend verbesserte sich das verwässerte Ergebnis je Aktie gegenüber dem Vorjahresquartal von minus 0,15 Euro auf plus 0,14 Euro.

Meldung gespeichert unter: Nokia

© IT-Times 2016. Alle Rechte vorbehalten.

Unternehmen / Branche folgen
Unsere Nachrichten auf Ihrer Website

Sie haben die Möglichkeit, mit unserem Webmaster-Nachrichten-Tool die Nachrichten von IT-Times.de kostenlos auf Ihrer Internetseite einzubauen.

Zugeschnitten auf Ihre Branche bzw. Ihr Interesse.

Unternehmen / Branche folgen
Unsere Nachrichten auf Ihrer Website

Sie haben die Möglichkeit, mit unserem Webmaster-Nachrichten-Tool die Nachrichten von IT-Times.de kostenlos auf Ihrer Internetseite einzubauen.

Zugeschnitten auf Ihre Branche bzw. Ihr Interesse.

Folgen Sie IT-Times auf ...