Netflix - Übernahmefantasie sorgt für Kurssprung

Film-Streaming

Freitag, 2. November 2012 14:06
Netflix

(IT-Times) - Die Aktien des Video-Streaming-Spezialisten Netflix zogen in den vergangenen Tagen kräftig an und kletterten am Mittwoch um 14 Prozent, nachdem erneut Gerüchte über eine mögliche Übernahme an der Wall Street aufkamen.

Icahn kauft 10 Prozent der Netflix-Anteile
Grund für die Übernahmespekulationen ist der Einstieg des Großinvestors und Milliardärs Carl Icahn. Icahn hat inzwischen zehn Prozent der Netflix-Anteile erworben, wie Reuters berichtet. Insgesamt gab Icahn 168,9 Mio. US-Dollar aus, um 5,5 Millionen Netflix-Anteile zu kaufen. Der Milliardär begründet den Einstieg mit der guten Marktposition des Unternehmens.

Netflix (Nasdaq: NFLX, WKN: 552484) dürfte vom Wechsel der Zuschauergewohnheiten profitieren, nachdem immer mehr Nutzer Video-Inhalte auf den Fernseher und mobile Endgeräte streamen. Insgesamt hält Icahn Netflix für unterbewertet.

Microsoft und Amazon.com als Übernahmeinteressenten gehandelt
Schon in den vergangenen Tagen waren Netflix-Aktien kräftig gestiegen, nachdem Gerüchte aufkamen, wonach der US-Softwarekonzern Microsoft an Netflix interessiert sein soll, um seine Online-Aktivitäten zu verstärken. So kursieren Spekulationen, wonach Microsoft angeblich bereit sein soll, bis zu 90 US-Dollar pro Netflix-Aktie zu bieten.

Auch der Online-Händler Amazon.com wird immer wieder als möglicher Übernahmeinteressent ins Spiel gebracht. Amazon.com hat sich in Europa bereits den führenden Film-Streaming-Service Lovefilm einverleibt. Mit einer Übernahme von Netflix könnte sich der Online-Händler mit einem Streich auch an die Spitze des US-Marktes katapultierten.

Expansion und Original-Programme kosten Geld
Analysten und Marktbeobachter glauben, dass Netflix einen starken Partner benötigt. Der Grund ist der intensive Wettbewerb in der Branche. Janney Capital Markets Experte Tony Wible erwartet rivalisierende Produkte aus dem Hause Apple sowie einen neuen Video-Services von Verizon und Coinstar im vierten Quartal.

Darüber hinaus verbrennt Netflix derzeit Kapital, nachdem der aggressive Expansionskurs in Europa sowie Investitionen in eigene Programminhalte viel Geld verschlingen. Allein im jüngsten Quartal stand ein negativer Cashflow von 20 Mio. Dollar zu Buche. Die Barreserven dürften von derzeit 800 Mio. US-Dollar auf 450 Mio. Dollar in 2013 fallen, schätzt Lazard Capital Experte Barton Crockett. Der Druck auf Netflix dürfte damit steigen, einen starken Partner ins Boot zu holen.

Kurzportrait

Gegründet im Jahre 1998, gilt Netflix heute als weltweit führender Online-DVD-Verleihservice für private Konsumenten. Das im kalifornischen Los Gatos ansässige Unternehmen betreute zuletzt mehr als 29 Millionen registrierte Kunden, welche aus einer DVD-Datenbank bestehend aus über 100.000 Filmtiteln wählen können. Der Kombi-Service aus DVD-Verleih- und Straming-Service kostet 16 US-Dollar im Monat. Der Streaming only Service ist für 7,99 US-Dollar im Monat verfügbar, gleiches gilt für den DVD-only Service.

Dabei stehen verschiedene Kategorien, von Actionfilme, bis Komödien, Erotik und Thriller zur Auswahl. Auch Nischenangebote, wie Naturfilme und Gesundheitsratgeber hat Netflix im Angebot. Das Geschäftsmodell von Netflix funktioniert denkbar einfach. Die bestellten DVDs treffen innerhalb von ein bis drei Tagen bei der angegebenen Lieferadresse ein. Der Kunde kann die DVDs solange behalten wie er will und zahlt keinen Versäumniszuschlag oder dergleichen. Der Kunde kann dabei permanent maximal drei DVDs im Haus behalten. Erst wenn der Kunde eine DVD zurückgibt, sendet Netflix die nächste DVD auf dem Wunschzettel an den Kunden. Derzeit kann Netflix mehr als die Hälfte seiner Kundschaft über den Express-Zustellungsservice erreichen, so dass die ausgeliehenen DVDs bereits am nächsten Tag im Briefkasten liegen.

Nachdem das Unternehmen vor Jahren sein erstes Vertriebszentrum eröffnet hat, kann das Unternehmen heute zahlreiche US-Bundesstaaten erreichen. Insgesamt betreibt Netflix über 18 Vertriebszentren darunter in Atlanta, Boston, Dallas, Denver, Detroit, Fort Lauderdale, Houston, Los Angeles, Minneapolis, New York, Newark, Phoenix, Philadelphia, San Jose, Stamford, Seattle und Washington. Im Frühjahr 2005 übernahm Netflix die Kundenbasis des Mitbewerbers Walmart.com, nachdem der US-Einzelhändler aus dem DVD-Verleihgeschäft weitgehend ausstieg. Gleichzeitig unterzeichneten beide Unternehmen eine Marketingvereinbarung, die Services des jeweilig anderen Unternehmens zu promoten. Anfang 2007 rief Netflix seinen Online-Download-Service "Watch Now" ins Leben, der kostenlos im Monatsabo enthalten ist. Seit September 2011 ist Netflix offiziell in Lateinamerika an den Start gegangen und nunmehr in 43 Ländern Lateinamerikas mit seinem Streaming-Service aktiv. Seit Anfang 2012 ist Netflix auch in England und Irland mit seinem Streaming-Service am Start. Im Herbst 2012 ging Netflix auch in Skandinavien an den Start.

Seinen Stammkunden bietet Netflix darüber hinaus durch seinen Datenbankservice CineMatch einen zusätzlichen Service an. Der Kunde kann für Filme ein entsprechendes Rating abgeben, so dass die Software automatisch andere mit dem gleichen Thema verwandten Streifen empfiehlt. Gleichzeitig hat Netflix nach eigenen Angaben ständig aktuelle Hollywood-Produktionen im Angebot.

Zahlen

Für das vergangene dritte Quartal 2012 meldet Netflix einen Umsatzanstieg um zehn Prozent auf 905,1 Mio. US-Dollar, nach Einnahmen von 821,8 Mio. Dollar im Jahr vorher. Der Nettogewinn brach dabei um 88 Prozent auf 7,68 Mio. Dollar oder 13 US-Cent je Aktie ein, nach einem Profit von 62,5 Mio. Dollar oder 1,16 Dollar je Aktie im Jahr vorher. Analysten hatten im Vorfeld mit Einnahmen von 905 Mio. Dollar sowie mit einem Nettogewinn von vier US-Cent je Aktie gerechnet.

Meldung gespeichert unter: Internet TV (IPTV)

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