Netflix steigt zum größten TV-Sender in den USA auf

Freitag, 6. Juli 2012 13:53
Netflix

(IT-Times) - Mit einem Kursplus von 13 Prozent gehörten Netflix-Aktien am Vortag zu den großen Gewinnern an der New Yorker Nasdaq. Das Beispiel Netflix lässt erkennen, was ein einziger Facebook-Eintrag inzwischen auslösen kann.

Netflix CEO Reed Hastings hatte am Mittwoch über seine Facebook-Seite mitgeteilt, dass Netflix-Nutzer erstmals in der Firmengeschichte in einem Monat mehr als eine Milliarde Videostunden via Streaming konsumiert haben. Jeder Nutzer verbrachte damit durchschnittlich eine Stunde und 20 Minuten pro Tag mit Netflix-Inhalten. Diese Rekorde dürften zudem noch lange nicht das Ende der Fahnenstange sein. Hastings rechnet mit weiteren Rekorden, wenn neue TV-Serien wie "House of Cards" und "Aressted Development" bei Netflix exklusiv an den Start gehen.

TV-Streaming-Geschäft steht erst am Anfang
BTIG Analyst Richard Greenfield sieht Netflix (Nasdaq: NFLX, WKN: 552484) durch die jüngste Bekanntmachung bereits als den am meistgesehendsten TV-Sender in den USA. Jedoch verweist Greenfield auf das saisonale Geschäft, dass im Sommer und Winter immer etwas stärker sei. Zudem profitierte Netflix davon, dass das traditionelle TV-Angebot der Kabel-Netzwerkbetreiber eher schwach sei, wodurch das Unternehmen mit exklusiven TV-Serien wie "House of Cards" und "Arrested Development" punkten könne.

Auch Janney Capital Markets Analyst Tony Wibl sieht die Situation ähnlich. Trotz der Bemühungen der Konkurrenten, sei der Wettbewerb durch andere Streaming-Services eher schwach. Hollywood-Studios dürften auch die Bande zu Netflix nicht kappen, da diese ebenfalls auf die Umsätze angewiesen sind, so Wibl.

Exklusive TV-Serien statt teure Hollywood-Produktionen
Der Netflix-Aktienkurs war im Herbst vergangenen Jahres stark gefallen. Von rund 300 US-Dollar ging es bis 60 US-Dollar im November 2011 nach unten, nachdem das Unternehmen die Preise für seinen Streaming- und DVD-Service von 10 auf 16 US-Dollar angehoben hatte. Durch die Maßnahme leitete Netflix auch gleich einen Strategiewechsel ein. Statt weiter teure Hollywood-Filme einzukaufen - der Vertrag mit dem Kabel-Sender Starz lief im Frühjahr aus - konzentrierte sich Netflix stattdessen auf kostengünstige Eigenproduktionen und TV-Serien.

Dieses Risiko scheint sich nunmehr auszuzahlen. Wie die Los Angeles Times berichtet, zeichnen TV-Programme für 60 Prozent des gestreamten Videomaterials verantwortlich. Auch das Netflix über immer mehr Plattformen (Computer, iPhone, iPad, Xbox, PS3, usw.) verfügbar ist, scheint Netflix-Kunden inzwischen milde gestimmt zu haben.

Kurzportrait

Gegründet im Jahre 1998, gilt Netflix heute als weltweit führender Online-DVD-Verleihservice für private Konsumenten. Das im kalifornischen Los Gatos ansässige Unternehmen betreute zuletzt mehr als 24 Millionen registrierte Kunden, welche aus einer DVD-Datenbank bestehend aus über 100.000 Filmtiteln wählen können. Der Kombi-Service aus DVD-Verleih- und Straming-Service kostet 16 US-Dollar im Monat. Der Streaming only Service ist für 7,99 US-Dollar im Monat verfügbar, gleiches gilt für den DVD-only Service.

Dabei stehen verschiedene Kategorien, von Actionfilme, bis Komödien, Erotik und Thriller zur Auswahl. Auch Nischenangebote, wie Naturfilme und Gesundheitsratgeber hat Netflix im Angebot. Das Geschäftsmodell von Netflix funktioniert denkbar einfach. Die bestellten DVDs treffen innerhalb von ein bis drei Tagen bei der angegebenen Lieferadresse ein. Der Kunde kann die DVDs solange behalten wie er will und zahlt keinen Versäumniszuschlag oder dergleichen. Der Kunde kann dabei permanent maximal drei DVDs im Haus behalten. Erst wenn der Kunde eine DVD zurückgibt, sendet Netflix die nächste DVD auf dem Wunschzettel an den Kunden. Derzeit kann Netflix mehr als die Hälfte seiner Kundschaft über den Express-Zustellungsservice erreichen, so dass die ausgeliehenen DVDs bereits am nächsten Tag im Briefkasten liegen.

Nachdem das Unternehmen vor Jahren sein erstes Vertriebszentrum eröffnet hat, kann das Unternehmen heute zahlreiche US-Bundesstaaten erreichen. Insgesamt betreibt Netflix über 18 Vertriebszentren darunter in Atlanta, Boston, Dallas, Denver, Detroit, Fort Lauderdale, Houston, Los Angeles, Minneapolis, New York, Newark, Phoenix, Philadelphia, San Jose, Stamford, Seattle und Washington. Im Frühjahr 2005 übernahm Netflix die Kundenbasis des Mitbewerbers Walmart.com, nachdem der US-Einzelhändler aus dem DVD-Verleihgeschäft weitgehend ausstieg. Gleichzeitig unterzeichneten beide Unternehmen eine Marketingvereinbarung, die Services des jeweilig anderen Unternehmens zu promoten. Anfang 2007 rief Netflix seinen Online-Download-Service "Watch Now" ins Leben, der kostenlos im Monatsabo enthalten ist. Seit September 2011 ist Netflix offiziell in Lateinamerika an den Start gegangen und nunmehr in 43 Ländern Lateinamerikas mit seinem Streaming-Service aktiv. Seit Anfang 2012 ist Netflix auch in England und Irland mit seinem Streaming-Service am Start.

Seinen Stammkunden bietet Netflix darüber hinaus durch seinen Datenbankservice CineMatch einen zusätzlichen Service an. Der Kunde kann für Filme ein entsprechendes Rating abgeben, so dass die Software automatisch andere mit dem gleichen Thema verwandten Streifen empfiehlt. Gleichzeitig hat Netflix nach eigenen Angaben ständig aktuelle Hollywood-Produktionen im Angebot.

Zahlen

Für das vergangene erste Quartal 2012 meldete Netflix einen Umsatzanstieg auf 870 Mio. US-Dollar, nach Einnahmen von 719 Mio. US-Dollar im Jahr vorher. Dabei verzeichnete Netflix einen Nettoverlust von 4,6 Mio. US-Dollar oder acht US-Cent je Aktie, nachdem im Jahr vorher noch ein Nettogewinn von 60,2 Mio. Dollar oder 1,11 Dollar je Aktie zu Buche stand. Mit den vorgelegten Zahlen konnte Netflix die Markterwartungen der Analysten übertreffen, die im Vorfeld mit Einnahmen von 866 Mio. Dollar und mit einem Nettoverlust von 27 US-Cent je Aktie gerechnet hatten.

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