Netflix setzt auf Watch Now

Mittwoch, 31. Januar 2007 00:00
Netflix

(IT-Times) Der führende amerikanische Online-DVD-Verleiher Netflix (Nasdaq: NFLX, WKN: 552484) musste zuletzt zwar einen deutlichen Gewinnrückgang hinnehmen, konnte aber dennoch die Gewinnerwartungen des Marktes deutlich übertreffen.

Dennoch bleiben Marktbeobachter und Analysten zurückhaltend. Denn derzeit ist noch nicht klar, wer aus dem derzeitigen Konkurrenzgerangel als Gewinner hervorgeht. Nachdem Wal-Markt sein Online-DVD-Verleihgeschäft aufgeben hat, konkurrieren praktisch nur noch drei große Wettbewerber um DVD-Verleih-Kunden: Netflix, Blockbuster und Amazon.com. Insbesondere Blockbuster konnte im vierten Quartal einen Erfolg feiern und dank seiner Kampagne „Total Access“ 700.000 neue Kunden gewinnen. Damit wuchs Blockbuster schneller als der Branchenprimus Netflix, der 654.000 neue Kunden begrüßen konnte.

Mit Watch Now in die Zukunft

Netflix reagierte prompt auf den Vorstoß von Blockbuster und senkte jüngst den Preis für sein Einsteigerangebot um einen auf 4,99 US-Dollar. Gleichzeitig kündigte Netflix mit „Watch Now“ einen Online-Service an, der es Nutzern ermöglichen soll via Streaming-Verfahren Filme auf dem heimischen PC abzuspielen. Der Service ist kostenlos und im Monatsabo der Kunden enthalten.

Voraussetzung ist allerdings das Microsoft-Betriebssystem Windows und eine schnelle Internetanbindung. Nutzer eines Apple-Betriebssystemen bleiben zunächst außen vor. Auch ist das Angebot zunächst auf 1.000 Titel begrenzt. Im laufenden Jahr will Netflix dieses Angebot um weitere 4.000 Titel erweitern. Positiv fallen die kurzen Wartezeiten auf. Innerhalb 10 bis 15 Sekunden soll der Film im Browser-Fenster starten. Während der Abspielzeit lädt das System die entsprechenden Datenmengen nach.

Marktbeobachter bemängeln, dass dieses System sehr hohe Bandbreiten voraussetzt, um hochqualitative Filme abspielen zu können. Vermutlich dürften nur diejenigen Nutzer das Angebot voll auskosten, die über eine Glasfaseranbindung oder ähnliches verfügen. Netflix-Chef Reed Hastings stört das nicht. Vielmehr sieht sich der Netflix-Lenker auf den richtigen Weg. Das Angebot soll nicht nur quantitativ erweitert werden. Nach der Eroberung der PC-Bildschirme will der Netflix-Chef auch die Displays von anderen internetfähigen Geräten wie Handys erobern…

Kurzportrait

Gegründet im Jahre 1998, gilt Netflix heute als weltweit führender Online-DVD-Verleihservice für private Konsumenten. Das im kalifornischen Los Gatos ansässige Unternehmen betreut derzeit mehr als 6,3 Mio. registrierte Kunden, welche aus einer DVD-Datenbank bestehend aus über 70.000 Filmtitel wählen können. Dabei stehen verschiedene Kategorien, von Actionfilme, bis Komödien, Erotik und Thriller zur Auswahl. Auch Nischenangebote, wie Naturfilme und Gesundheitsratgeber hat Netflix im Angebot. Das Geschäftsmodell von Netflix funktioniert denkbar einfach. Die Gesellschaft bietet DVD-Filme ab 4,99 US-Dollar pro Monat zum Verleih an. Die bestellten DVDs treffen innerhalb von ein bis drei Tagen bei der angegebenen Lieferadresse ein. Der Kunde kann die DVDs solange behalten wie er will und zahlt keinen Versäumniszuschlag oder dergleichen. Der Kunde kann dabei permanent maximal drei DVDs im Haus behalten. Erst wenn der Kunde eine DVD zurückgibt, sendet Netflix die nächste DVD auf dem Wunschzettel an den Kunden. Derzeit kann Netflix etwa die Hälfte seiner Kundschaft über den Express-Zustellungsservice erreichen, so dass die ausgeliehenen DVDs bereits am nächsten Tag im Briefkasten liegen.

Nachdem das Unternehmen vor Jahren sein erstes Vertriebszentrum eröffnet hat, kann das Unternehmen heute zahlreiche US-Bundesstaaten erreichen. Insgesamt betreibt Netflix über 18 Vertriebszentren darunter in Atlanta, Boston, Dallas, Denver, Detroit, Fort Lauderdale, Houston, Los Angeles, Minneapolis, New York, Newark, Phoenix, Philadelphia, San Jose, Stamford, Seattle und Washington. Im Frühjahr 2005 übernahm Netflix die Kundenbasis des Mitbewerbers Walmart.com, nachdem der US-Einzelhändler aus dem DVD-Verleihgeschäft ausstieg. Gleichzeitig unterzeichneten beide Unternehmen eine Marketingvereinbarung, die Services des jeweilig anderen Unternehmens zu promoten. Mitte 2006 übernahm Netflix die Nordamerika-Rechte für den Film „Sherrybaby“. Anfang 2007 rief Netflix seinen Online-Download-Service „Watch Now“ ins Leben, der kostenlos im Monatsabo enthalten ist.

Seinen Stammkunden bietet Netflix darüber hinaus durch seinen Datenbankservice CineMatch einen zusätzlichen Service an. Der Kunde kann für Filme ein entsprechendes Rating abgeben, so dass die Software automatisch andere mit dem gleichen Thema verwandten Streifen empfiehlt. Gleichzeitig hat Netflix nach eigenen Angaben ständig aktuelle Hollywood-Produktionen im Angebot.

Zahlen

Für das vergangene vierte Quartal 2006 meldet Netflix einen Umsatzsprung auf 277,2 Mio. US-Dollar, ein Zuwachs von 44 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dabei musste Netflix zunächst einen Gewinneinbruch auf 14,9 Mio. Dollar oder 21 US-Cent je Aktie hinnehmen, nachdem das Unternehmen im Jahr vorher noch ein Plus von 38,2 Mio. Dollar oder 57 US-Cent je Aktie erwirtschaften konnte.

Dennoch konnte Netflix mit den vorgelegten Zahlen die Erwartungen der Analysten übertreffen. An der Wall Street hatte man im Vorfeld lediglich mit einem Nettogewinn von 15 US-Cent je Aktie kalkuliert. Im jüngsten Quartal konnte Netflix 654.000 neue Kunden hinzugewinnen.

Für das somit abgeschlossene Gesamtjahr 2006 meldet Netflix einen Jahresumsatz von 997 Mio. Dollar, ein Zuwachs von 46 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Nettogewinn kletterte auf 49,1 Mio. Dollar oder 71 US-Cent je Aktie, ein Zuwachs von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Insgesamt konnte Netflix im abgelaufenen Jahr 2,1 Mio. neue Kunden hinzugewinnen, womit die Kundenbasis zum Jahresende auf 6,3 Mio. stieg.

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