NetApp in der Zwickmühle - Fusion oder selbst zukaufen?

Freitag, 1. Oktober 2010 13:42
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(IT-Times) - Nach der Übernahmeschlacht um den Speicherspezialisten 3Par ist der Speichermarkt wieder in den Mittelpunkt gerückt. Marktbeobachter rechnen mit einer Branchenkonsolidierung in den nächsten Jahren.

Dass sich die Hightech-Branche bereits inmitten einer größeren Konsolidierungswelle befindet, zeigt auch die jüngste Übernahme von Netezza durch IBM. 1,7 Mrd. Dollar ließ sich Big Blue die Verstärkung im Bereich Datenanalyse in Datenzentren kosten. Als einer der wenig verbliebenen Übernahmekandidaten im Speicher-Hardwarebereich wird bereits seit Jahren der weltweit zweitgrößte Speicherhersteller NetApp gehandelt.

Der US-Speicherhersteller NetApp (Nasdaq: NTAP, WKN: 898173) wollte sich im Vorjahr selbst verstärken und den Backup-Spezialisten Data Domain übernehmen - allerdings scheiterte die geplante Übernahme, nachdem NetApp vom Konkurrenten EMC überboten wurde.

IBM, Dell und Oracle als mögliche Aufkäufer gehandelt
Durch den gescheiterten Deal steigen die Chancen, dass sich NetApp selbst zum Kauf stellt bzw. nach einer anderen Alternative suchen wird, glaubt Jefferies & Co Analyst Bill Choi. Als potentielle Käufer kommen allerdings nur wenige Großkonzerne in Frage, die über die entsprechende Finanzkraft verfügen, um einen solchen Deal stemmen zu können, denn mittlerweile wird NetApp mit knapp 18 Mrd. US-Dollar an der Börse bewertet.

Bislang galt der US-Technologiekonzern IBM als Favorit im Bezug auf eine mögliche Übernahme von NetApp. Durch den Aufkauf könnte IBM verhindern, dass NetApp sich einen anderen Partner sucht, nachdem die beiden Firmen seit Jahren zusammenarbeiten, glaubt Strategy Group Experte Brian Babineau. Allerdings hatte sich IBM jüngst erst selbst durch die Übernahme von Netezza verstärkt.

Auch Dell, Cisco und Oracle werden immer wieder als potentielle Bieter genannt. Vor allem bei Dell dürfte die Enttäuschung nach der gescheiterten Übernahme von 3Par tief sitzen, nachdem die Texaner vom Rivalen HP ausgestochen wurden. Dell hatte bereits im Vorjahr den ehemaligen IBM M&A Chef David Johnson angeheuert, um seine aggressive Akquisitionsstrategie in die Tat umzusetzen.

Oracle ist durch die Übernahme von Sun in den Hardware-Markt eingestiegen. Analysten erwarten daher weitere Zukäufe. 60 Prozent des NetApp-Geschäfts werden über Oracle-Datenbanken erzielt. Dieses Geschäft hätte man auch bei Oracle gerne, ließ Oracle-Chef Larry Ellison jüngst durchblicken.

Geht NetApp selbst auf Einkaufstour?
Sollte sich kein Käufer auftun, wird NetApp gezwungen sein, weiter sein Glück im Alleingang zu suchen. Hierzu benötigt das Unternehmen aber Verstärkung, nachdem die Übernahme von Data Domain gescheitert ist. Analysten sehen dabei den Speicheranbieter CommVault Systems, aber auch FalconStor Software und den Backup- und Speicherspezialisten Sepaton als geeignete Ergänzung…

Kurzportrait

Die in Sunnyvale/Kalifornien ansässige NetApp, früher bekannt unter dem Namen Network Appliance, gilt als großer Herausforderer des übermächtig erscheinenden Speichergiganten EMC. Als Pionier im Bereich Server-Software und Speicher für Unix- und Windowssysteme konnte sich das Unternehmen in der Vergangenheit bereits einen Namen machen. Der Speicherspezialist bietet jedoch nicht nur entsprechende Hardware, sondern auch Software und Netzwerk-Tools an. Diese basieren auf dem Betriebssystem Data ONTAP.

Datenmanagement-Software sowie Backup- und Disaster-Recovery-Systeme sollen das Hard- und Softwareangebot von NetApp ergänzen. Im Frühjahr 2004 konnte NetApp die Übernahme von Spinnaker Networks erfolgreich zum Abschluss bringen und damit seine Storage-Grid-Architektur weiter stärken. Mitte 2005 übernahm NetApp den Sicherheitsspezialisten Decru. In 2006 verkaufte NetApp sein NetCache-Geschäft an Blue Coat Systems. Anschließend übernahm NetApp den Softwarespezialisten Topio. Anfang 2008 wurde der Software-Spezialist Onaro aufgekauft. Im Frühjahr 2010 übernahm NetApp den Speichersoftwarehersteller Bycast.

Das Unternehmen vertreibt seine Produkte nicht nur in Nordamerika, sondern auch in Europa und Asien. Dabei spielt der europäische und asiatische Markt zunehmend eine stärkere Rolle als Absatzgebiet, während das Unternehmen in der Vergangenheit etwa 70 Prozent seiner gesamten Umsätze durch das US-Geschäft erwirtschaftete. Das Hardwaregeschäft trägt die Mehrheit der Umsatzerlöse, wobei das wachsende Servicegeschäft zuletzt mehr als zehn Prozent zum Gesamtumsatz beisteuerte.

Zu den namhaften Kunden, welche auf Hard- und Software aus dem Hause NetApp setzen, zählen unter anderem der Telekomriese AT&T, Bechtel Group, der Autohersteller Ford, Audi, Verizon als auch Technologiefirmen, wie Cisco Systems und Texas Instruments. Als einer der größten Zulieferer fungiert der Speicherspezialist Xyratex.

Strategische Partnerschaften bestehen unter anderem mit Agfa, Symantec, McData, FileNet und Fujitsu. Mit mehr als 23.000 installierten Systemen weltweit und einem umfassenden Vertriebsnetz ist die Gesellschaft heute in mehr als 70 Ländern weltweit vertreten.

Zahlen

Für das vergangene Juliquartal meldet der Speicherhersteller einen Umsatzsprung um 36 Prozent auf 1,14 Mrd. US-Dollar. Der Nettogewinn zog dabei auf 141,8 Mio. Dollar oder 39 US-Cent je Aktie an, nach einem Profit von 51,7 Mio. Dollar oder 15 US-Cent je Aktie in der Vorjahresperiode.

Meldung gespeichert unter: Speicher

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