Motorola vor Comeback?

Mittwoch, 11. November 2009 13:59
Motorola Mobility

(IT-Times) - Der US-Mobilfunkspezialist Motorola (NYSE: MOT, WKN: 853936) kämpft weiter mit sinkenden Marktanteilen im weltweiten Handy-Markt. Im jüngsten Quartal konnte Motorola zwar 13,6 Mio. Handys ausliefern, allerdings schrumpfte damit der Marktanteil der Amerikaner auf gerade einmal 4,7 Prozent.

Mit dem Rücken zur Wand wagt Motorola nunmehr einen weiteren Anlauf und schickt nachdem Cliq sein zweites Android-basiertes Mobiltelefon ins Rennen. Das Droid ist eines der ersten Handys, die mit der von Google entwickelten Turn-by-Turn-Navigationsfunktion daherkommt. Zudem erhält Motorola Rückendeckung durch den Mobilfunk-Carrier Verizon Wireless, der die Markteinführung des Droid-Handys mit einer Promotion-Aktion unterstützt, weiß Citigroup-Analyst Jim Suva.

Motorola erzielt Achtungserfolg - Droid verkauft sich gut
Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Bereits in der ersten Woche konnten rund 100.000 Droid-Smartphones abgesetzt werden, meldet der Mobilfunk-Carrier Verizon. Zwar ist das Droid damit nicht so erfolgreich wie das iPhone aus dem Hause Apple, kann aber damit durchaus mit dem Erfolg des Palm Pre mithalten. Ein erster Achtungserfolg für den geschundenen Mobilfunkkonzern Motorola, der sich nachdem Erfolg des Razr-Handys nur noch in der Defensive sah.

Daneben könnte Motorola ein weiterer Umstand in die Karten spielen. Viele Firmen haben mit einem „Bring Your Own Device” Programm eine eigene Initiative gestartet, um die Hardware-Kosten auf die Mitarbeiter abzuwälzen. Gleichzeitig soll sich damit die Zufriedenheit der Mitarbeiter erhöhen, die durch das Programm ihr eigenes Handy nutzen können. Diese Firmen-Programme wirken sich nachteilig für Motorola-Konkurrenten wie Research In Motion (RIM) aus, die bislang den Firmenkunden-Markt mit ihren BlackBerrys beherrschten.

Doch über den Berg ist Motorola mit dem jüngsten Vorstoß noch lange nicht. Zudem sind die jüngsten Verkaufszahlen kein Beleg dafür, dass sich das neue Motorola-Handy auch im diesjährigen Weihnachtsgeschäft gut verkaufen wird. Kritiker verweisen insbesondere auf die eher dürftige Digitalkamera, das kleine Touch-Display, sowie die ständigen Exchange Email-Serviceausfälle. Ob Motorola die von Analysten taxierten Verkaufsschätzungen von einer Mio. Droid-Handys im laufenden Jahr erreichen kann, scheint daher keineswegs sicher.

Um Marktbeobachter und Investoren nachhaltig zu überzeugen, wird Motorola erst noch beweisen müssen, dass der viel versprechende Ansatz mit dem Droid-Handy keine Eintagsfliege war…

Kurzportrait

Das traditionsreiche Unternehmen wurde ursprünglich im Jahre 1928 von Paul Galvin gegründet. Zwei Jahre später erschien erstmals der Name Motorola im Zusammenhang mit Autoradios. Im Jahre 1947 folgte dann die Umbenennung von Galvin Manufacturing in Motorola. In den 50er Jahren präsentierte sich das Unternehmen bereits als Spezialist für Kommunikationstechniken.

1980 folge dann der Einstieg in den Bereich Mobilfunktechnik. Diese Entscheidung prägt das Unternehmen noch heute. So stellte Motorola im Jahre 1996 mit dem StarTAC eines der kleinsten Mobiltelefone seiner Zeit vor. Heute erwirtschaftet Amerikas führender Mobilfunker den Großteil seiner Umsätze durch Mobilfunktelefone und zugehörige Software. Die Halbleitereinheit wurde im Jahr 2004 mit dem Unternehmen Freescale Semiconductor ausgegliedert. Durch die Fusion mit General Instruments präsentiert sich Motorola daneben auch als führender Anbieter von Kabelmodems und set-top Terminals. Heute operiert Motorola aus drei Kerngeschäftsbereichen heraus: Mobile Devices, Networks and Enterprise, sowie Connected Home Solutions. Die Mobilfunkeinheit Mobile Devices soll aber in 2009 ausgegliedert werden.

Um eine effektive technologische Entwicklung sicher zu stellen, betreibt Motorola verschiedene Tochterfirmen und investiert über seinen Kapitalarm Motorola Ventures in vielversprechende Startup-Firmen. Die Motorola-Tochter Metroworks vermarktet unter anderem das Softwarewerkzeug CodeWarrior, welches Entwickler in die Lage versetzen soll, Anwendungen für drahtlose Kommunikationsgeräte zu konzipieren.

Gleichzeitig übernahm Motorola Next Level Communications vollständig. Über die Tochter Printrak International ist Motorola außerdem im Markt für digitale Erkennungs- und Autorisierungssysteme engagiert. Zudem verstärkte sich Motorola durch die Übernahme des Netzwerkspezialisten Winphoria Networks. Nach der Übernahme des FTTP-Spezialisten Quantum Bridge Communications, kaufte Motorola Mitte 2004 die Solectron-Tochter Force Computers. Anfang 2006 übernahm Motorola den schwedischen set top Box-Entwickler Kreatel Communications. Mitte 2006 gründete Motorola gemeinsam mit dem indischen IT-Spezialisten Wipro das Joint Venture WMNetServ. Nach der Übernahme von Broadbus Technologies, verstärkte sich Motorola durch den Handheld-Anbieter Symbol Technologies. In 2007 übernahm Motorola unter anderem die Spezialisten Tut Systems Modulus Video, Terayon Communication und Leapstone Systems. Im Herbst 2007 trennte sich Motorola von seinem Embedded Computing-Geschäft und veräußerte dieses an Emerson Electric. Gleichzeitig übernahm Motorola 80 Prozent am japanischen Radio-Kommunikationstechnikanbieter Vertex Standard, während man auch mit 12,5 Prozent an den WiMAX-Spezialisten Clearwire beteiligt ist.

Zahlen

Für das vergangene dritte Quartal 2009 meldet Motorola einen Umsatzrückgang um 27 Prozent auf 5,4 Mrd. US-Dollar, nach Einnahmen von 7,5 Mrd. Dollar im Jahr vorher. Dabei verdiente Motorola 12 Mio. US-Dollar oder einen Cent je Aktie, nachdem in der Vorjahresperiode noch ein Verlust von 397 Mio. Dollar oder 18 US-Cent je Aktie entstand.

Meldung gespeichert unter: Motorola Solutions

© IT-Times 2016. Alle Rechte vorbehalten.

Unternehmen / Branche folgen
Unsere Nachrichten auf Ihrer Website

Sie haben die Möglichkeit, mit unserem Webmaster-Nachrichten-Tool die Nachrichten von IT-Times.de kostenlos auf Ihrer Internetseite einzubauen.

Zugeschnitten auf Ihre Branche bzw. Ihr Interesse.

Unternehmen / Branche folgen
Unsere Nachrichten auf Ihrer Website

Sie haben die Möglichkeit, mit unserem Webmaster-Nachrichten-Tool die Nachrichten von IT-Times.de kostenlos auf Ihrer Internetseite einzubauen.

Zugeschnitten auf Ihre Branche bzw. Ihr Interesse.

Folgen Sie IT-Times auf ...