Motorola übt den Befreiungsschlag

Donnerstag, 27. März 2008 12:42
Motorola Mobility

(IT-Times) Der amerikanische Mobiltelefon-Hersteller Motorola (NYSE: MOT, WKN: 853936) will sich endlich seiner defizitären Handy-Sparte entledigen und plant eine Abspaltung der Einheit. Für nicht wenige Marktbeobachter kommt dies einem Offenbarungseid gleich, zumal Motorola im Vorjahr noch eine Sanierung der Sparte in Eigenregie in Angriff nahm.

Nachdem Erfolg von Razr war es Motorola nicht mehr gelungen, Konsumenten durch Innovationen für seine Produkte zu begeistern. Die Folge waren herbe Marktanteilsverluste, die Motorola auf Platz drei in der Weltrangliste der größten Handy-Hersteller zurückwarfen.

Analysten und Marktbeobachter sind daher skeptisch, ob eine Aufspaltung allein die Wende bringt. Zwar dürfte die Ausgliederung den Wert der Mobilfunksparte erhöhen, dennoch bleiben viele Fragen offen. Bezeichnet ist ein offener Brief des ehemaligen Motorola Think-Tank Numair Faraz auf dem Portal Engadget, der dem Motorola-Management Inkompetenz und Versagen vorwirft. Faraz greift dabei insbesondere den derzeitigen Motorola-Chef Greg Brown scharf an und wirft dem Motorola-Lenker technologieferne vor.

Neuer CEO soll die Wende bringen
Die Hoffnungen ruhen daher auf einen neuen CEO, der die Mobilfunksparte auf die Erfolgsspur zurückführen soll. Marktbeobachter und Analysten, wie American Technology Research Experte Mark McKechnie glauben, dass Motorola die Wende im Handy-Geschäft im Zeitraum 2009 bis 2010 schaffen kann. Voraussetzung sei allerdings, dass Motorola einen kompetenten und soliden CEO für dieses Vorhaben gewinnen könne. McKechnie bewertet das Handy-Geschäft derzeit mit zwei Dollar je Aktie, während das übrige Motorola-Geschäft 8,0 Dollar wert sei.

Wer auch immer das Ruder der angeschlagenen Handy-Sparte übernehmen wird, hat nicht viel Zeit, denn zum einen wollen Wettbewerber wie LG Electronics und Sony Ericsson an Motorola vorbeiziehen, zum anderen ziehen bedrohlich dunkle Wolken am Konjunkturhimmel auf, die den Turnaround zusätzlich erschweren.

Die nächsten zwei bis drei Jahre dürften daher entscheidend sein, ob die Marke Motorola der Mobilfunkwelt weiter erhalten bleibt, oder dem Unternehmen letztendlich das gleiche Schicksal droht wie der Marke BenQ Siemens, die im Mobilfunkmarkt heute kaum noch eine Rolle spielt...

Kurzportrait

Das traditionsreiche Unternehmen wurde ursprünglich im Jahre 1928 von Paul Galvin gegründet. Zwei Jahre später erschien erstmals der Name Motorola im Zusammenhang mit Autoradios. Im Jahre 1947 folgte dann die Umbenennung von Galvin Manufacturing in Motorola. In den 50er Jahren präsentierte sich das Unternehmen bereits als Spezialist für Kommunikationstechniken.

1980 folge dann der Einstieg in den Bereich Mobilfunktechnik. Diese Entscheidung prägt das Unternehmen noch heute. So stellte Motorola im Jahre 1996 mit dem StarTAC eines der kleinsten Mobiltelefone seiner Zeit vor. Heute erwirtschaftet Amerikas führender Mobilfunker zwei Drittel seiner Umsätze durch Mobilfunktelefone und zugehörige Software. Die Halbleitereinheit wurde im Jahr 2004 mit dem Unternehmen Freescale Semiconductor ausgegliedert. Durch die Fusion mit General Instruments präsentiert sich Motorola daneben auch als führender Anbieter von Kabelmodems und set-top Terminals. Heute operiert Motorola aus drei Kerngeschäftsbereichen heraus: Mobile Devices, Networks and Enterprise, sowie Connected Home Solutions.

Um eine effektive technologische Entwicklung sicher zu stellen, betreibt Motorola verschiedene Tochterfirmen und investiert über seinen Kapitalarm Motorola Ventures in vielversprechende Startup-Firmen. Die Motorola-Tochter Metroworks vermarktet unter anderem das Softwarewerkzeug CodeWarrior, welches Entwickler in die Lage versetzen soll, Anwendungen für drahtlose Kommunikationsgeräte zu konzipieren.

Gleichzeitig übernahm Motorola Next Level Communications vollständig. Über die Tochter Printrak International ist Motorola außerdem im Markt für digitale Erkennungs- und Autorisierungssysteme engagiert. Zudem verstärkte sich Motorola durch die Übernahme des Netzwerkspezialisten Winphoria Networks. Nach der Übernahme des FTTP-Spezialisten Quantum Bridge Communications, kaufte Motorola Mitte 2004 die Solectron-Tochter Force Computers. Anfang 2006 übernahm Motorola den schwedischen set top Box-Entwickler Kreatel Communications AB. Mitte 2006 gründete Motorola gemeinsam mit dem indischen IT-Spezialisten Wipro das Joint Venture WMNetServ. Nach der Übernahme von Broadbus Technologies, verstärkte sich Motorola durch den Handheld-Anbieter Symbol Technologies. In 2007 übernahm Motorola unter anderem die Spezialisten Tut Systems Modulus Video, Terayon Communication und Leapstone Systems. Im Herbst 2007 trennte sich Motorola von seinem Embedded Computing-Geschäft und veräußerte dieses an den Hersteller Emerson Electric. Gleichzeitig übernahm Motorola 80 Prozent am japanischen Radio-Kommunikationstechnikanbieter Vertex Standard Co, während an auch mit 12,5 Prozent an den WiMAX-Spezialisten Clearwire beteiligt ist. Im Frühjahr 2008 gab Motorola die Abspaltung seiner Handy-Sparte bekannt.

Zahlen

So meldet Motorola einen Umsatzeinbruch auf 9,65 Mrd. Dollar, nach Einnahmen von 11,79 Mrd. Dollar im Jahr vorher. Dabei konnte Motorola einen Gewinn von 100 Mio. Dollar oder vier US-Cent je Aktie erwirtschaften, ein Rückgang von 84 Prozent gegenüber dem Vorjahr, als Motorola noch einen Profit von 623 Mio. Dollar oder 25 US-Cent je Aktie verbuchte.

Ausgenommen außergewöhnlicher Sonderbelastungen konnte Motorola einen Nettogewinn von 14 US-Cent je Aktie realisieren und damit die Markterwartungen leicht übertreffen. Analysten hatten im Vorfeld mit Einnahmen von 9,6 Mrd. Dollar sowie mit einem Nettogewinn von 13 US-Cent je Aktie kalkuliert.

Die Mobilfunkeinheit schwächelte weiter und musste einen Umsatzrückgang von 38 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 4,8 Mrd. Dollar hinnehmen. Die Mobilfunkeinheit lieferte zwar 40,9 Mio. Handys aus, fuhr dabei allerdings einen operativen Verlust von 388 Mio. Dollar ein. Im TV-Geschäft, welches unter anderem auch das Geschäft mit set-top Boxen umfasst, kletterten die Erlöse um elf Prozent auf 2,7 Mrd. Dollar. Der operative Gewinn der Einheit schrumpfte allerdings um 14 Prozent auf 192 Mio. Dollar.

Meldung gespeichert unter: Motorola Solutions

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