Microsoft drängt ins Wohnzimmer

Montag, 24. Juli 2006 00:00
Microsoft Logo (2014)

(IT-Times) Nachdem der Markt für Windows-basierte Produkte langsam ihren Höhepunkt und damit eine gewisse Sättigung erreicht, versucht Microsoft (Nasdaq: MSFT, WKN: 870747) auf einem anderen Wachstumsfeld stärker Fuß zu fassen, der dem Wachstum des Redmonder Softwarehauses in den kommenden Jahren auf die Sprünge helfen soll.

Microsoft gegen Sony und Apple

Das Potential im Unterhaltungsmarkt zeigt sich bereits in den jüngsten Zahlen. Microsoft konnte die Erlöse in seiner Entertainment-Division gegenüber dem Vorjahr nahezu verdoppeln. Gleichzeitig rechnet das Softwarehaus in dieser Division mit einem weiteren Wachstum von 31 bis 46 Prozent im laufenden Fiskaljahr 2007.

Große Hoffnungen setzt Microsoft dabei auf seine Spielkonsole Xbox 360. Bereits heute verzeichnet das Unternehmen für seinen Online-Spieleservice Xbox Live drei Mio. Kunden. Zwar schreibt man pro ausgelieferte Xbox-360-Einheit Verluste, doch geht es hier in erster Linie zunächst um Marktanteile. Nachdem man im jüngsten Quartal 1,8 Mio. Xbox-360-Konsolen ausliefern konnte, visiert Microsoft-Finanzchef Chris Liddell im laufenden Fiskaljahr das Verkaufsziel von 13 bis 15 Mio. Spielkonsolen an. Damit will man den bisherigen Branchenprimus Sony, der in den letzten Jahren mit seiner PlayStation 2-Konsole den Markt dominiert hat, endgültig vom Thron stoßen.

Doch nicht nur Sony muss sich der hartnäckigen Konkurrenz aus Redmond erwehren, sondern auch bald Apple wird sich mit Microsoft bald intensiver auseinander setzen müssen. Microsoft bestätigte jüngste Medienberichte, wonach man einen iPod-Rivalen noch pünktlich zum diesjährigen Weihnachtsgeschäft auf den Markt bringen will. Das Gerät mit dem Namen „Zune“ soll mit einem Download-Service ausgestattet sein und offenbar auf das Online-Musikangebot von URGE und MSN Music aufbauen.

Ob Microsoft mit diesem Vorstoß Erfolg haben wird, bleibt abzuwarten. Denn der Online-Musikservice MSN Music, der vor zwei Jahren unter großem Mediengetöse an den Start ging, war bislang nicht sonderlich erfolgreich. Gleiches gilt für die iPod-Konkurrenten Creative und Samsung. Beide erlitten bislang mit ihrem Vorhaben Schiffbruch, Apple nennenswerte Marktanteile abzunehmen.

Kurzportrait

In den 80er und 90er Jahren gelang dem einstiegen Softwarespezialisten Microsoft der Aufstieg zum weltweit größten Softwarehersteller. Mit seinem Windows Betriebssystem eroberte das Unternehmen schnell die Schreibtischbüros in den Firmen als auch bei den Privatanwendern. Das Kerngeschäft bildet heute der Bereich Desktop- und Client-Systeme, worunter populäre Anwendungen wie Microsoft Office oder Excel fallen, sowie der Geschäftsbereich rund um die bekannte Windows-Plattform. Aber auch andere Geschäftsbereiche, wie das wachstumsstarke Servergeschäft tragen inzwischen maßgeblich zum Unternehmensgewinn bei.

Daneben betreibt das Unternehmen noch den Internetzugangs- und Nachrichtendienst MSN, der zuletzt erstmals schwarze Zahlen ausweisen konnte. Durch das gemeinsam mit Accenture gegründete Joint Venture Avanade versucht Microsoft im Bereich IT-Services Marktanteile zu gewinnen. Gleichzeitig ist Microsoft an dem Musikdienst BET Interactive beteiligt. Mit der Übernahme von Great Plains Software will Microsoft daneben kleinere und mittlere Unternehmen ansprechen, womit sich der Softwarekonzern in direkte Konkurrenz zum Partner SAP begibt. Nach der Übernahme der dänischen Navision, kaufte Microsoft das Startup XDegrees. Zudem wurde der Webkonferenzsystemanbieter PlaceWare übernommen. Im Jahr 2005 folgte die Übernahme von Groove Networks und MessageCast. Mitte 2005 schloss Microsoft die Übernahme des Sicherheitsspezialisten Sybari Software ab. Zum Ende des Jahres 2005 verstärkte sich Microsoft mit der Übernahme des Management-Spezialisten UMC. Auch im Jahr 2006 blieb Microsoft weiter auf Einkaufstour und schluckte den britischen Foto-Katalogsoftwareanbieter iView Multimedia, sowie den Virtualisierungsspezialisten iView Multimedia. Mitte 2006 kaufte Microsoft den Windows-Spezialisten Winternals Software und dessen Sysinternals-Webseite.

Gemeinsam mit dem TV-Sender NBC betreibt Microsoft den Nachrichtenkanal MSNBC. Mit 24-Stunden Berichterstattung will das Unternehmen dem Nachrichten-Pionier CNN Paroli bieten.

Als letztes Abenteuer folgte der Einstieg in das Konsolengeschäft (Xbox), in welchem der japanische Elektronikhersteller Sony mit seiner PlayStation-Konsole den Markt dominiert. Mit seiner neuen Konsolen-Generation Xbox 360 will Microsoft dem Platzhirschen Sony vom Thron stoßen. Unternehmensmitgründer Bill Gates zog sich zwar als Unternehmenschef zurück, hält aber nach wie vor mehr als zehn Prozent der gesamten Anteile an Microsoft.

Zahlen

Für das abschließende vierte Fiskalquartal 2006 meldet Microsoft von einem Umsatzanstieg auf 11,8 Mrd. Dollar, was einem Zuwachs von 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr (10,16 Mrd. Dollar) entspricht. Während sich die Erlöse in der Home- und Entertainment Division gegenüber dem Vorjahr nahezu verdoppelten, konnte Microsoft im Server und Tool-Geschäft seinen Umsatz um 18 Prozent steigern. Besonders stark wuchs das Geschäft mit SQL Server, welches um mehr als 35 Prozent zulegte.

Dabei konnte Microsoft einen Gewinn von 2,83 Mrd. Dollar oder 28 US-Cent je Aktie verbuchen, nachdem im Vorjahr noch ein Plus von 3,7 Mrd. Dollar oder 34 US-Cent je Aktie zu Buche stand.

Ausgenommen außergewöhnlicher Sonderbelastungen ergibt sich für das vergangene Quartal ein operativer Gewinn von 31 US-Cent je Aktie, womit Microsoft die Gewinnerwartungen um einen Cent je Aktie übertreffen konnte. An der Wall Street hatte man im Vorfeld mit Einnahmen von 11,63 Mrd. Dollar sowie mit einem Nettogewinn von 30 US-Cent je Aktie kalkuliert.

Für das somit abgeschlossene Fiskaljahr 2006 meldet Microsoft einen Umsatzanstieg auf 44,28 Mrd. Dollar (Vorjahr: 39,79 Mrd. Dollar) sowie einen Nettogewinn von 12,6 Mrd. Dollar oder 1,20 Dollar je Aktie, nach einem Plus von 1,13 Dollar je Aktie im Jahr vorher.

Gleichzeitig kündigte Microsoft an, im Rahmen eines Tender-Angebots eigene Aktien im Wert von 20 Mrd. Dollar bis zum 17. August 2006 zurückkaufen zu wollen. Im Rahmen einer umgekehrten Auktion nimmt Microsoft Angebote für eigene Aktien zwischen 22,5 bis 24,75 Dollar je Aktie entgegen. Basierend auf die eingehenden Angebote will Microsoft einen Strike-Preis festlegen, zu dem die Anteile dann zurückgekauft werden sollen. Das vorherige Aktienrückkaufprogramm in Höhe von 30 Mrd. Dollar wurde nunmehr abgeschlossen, heißt es. Insgesamt beendete Microsoft das Quartal mit Barreserven von 34,16 Mrd. Dollar.

Markt und Wettbewerb

Meldung gespeichert unter: Microsoft Xbox 360

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