Manz Automation hofft auf neue Dünnschicht-Produktionslinie

Montag, 16. August 2010 13:03
Manz Unternehmenslogo

(IT-Times) - Die Aktien des Reutlinger Anlagenbauers Manz Automation AG (WKN: A0JQ5U) zogen Ende Juli deutlich an, nachdem das Unternehmen ein stärkeres Wachstum für die zweite Jahreshälfte ankündigte und eine Kooperation mit der deutschen Würth Solar schloss.

Ende Juli nannte Manz Automation dann weitere Details zur geplanten Kooperation mit Würth Solar. Der Kapitalbedarf soll sich demnach in Grenzen halten, da einmalig nur 30 Mio. Euro fließen sollen. Weitere 20 Mio. Euro sollen bei der ersten Produktabnahme fällig werden. Zudem seien weitere absatzabhängige Zahlungen im Rahmen des Lizenz- und Kooperationsabkommens vorgesehen, heißt es aus dem Unternehmen.

Manz will mit Dünnschicht-Produktionsanlagen in neue Umatzdimensionen vorstoßen
Die Investitionen in die neue Partnerschaft scheinen angesichts der Absatzchancen als vergleichweise gering. Zwar konnte Manz Automation noch keinen Auftrag im Dünnschichtbereich an Land ziehen, große Hoffnungen macht sich Manz jedoch im Hinblick auf die kommende Solarmesse in Valencia, die Anfang September stattfindet. Im Rahmen der Solarmesse hofft Manz auf einen ersten Auftrag für sein Dünnschicht-Geschäft.

Kann Manz nur eine Dünnschicht-Produktionsanlage verkaufen, würde das Unternehmen schon in neue Umsatzdimensionen vorstoßen, so Manz-Finanzvorstand Martin Hipp. Das Geschäft würde in 2011 mit etwa 100 Mio. Euro Umsatz zu Buche schlagen, schätzt der Finanz-Manager.

Insgesamt will das Unternehmen in den nächsten Jahren seine Kapazitäten soweit ausbauen, dass künftig drei, vier oder fünf Dünnschicht-Produktionslinien pro Jahr gebaut werden können, so Hipp in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFX.

Wettbewerber ziehen sich aus dem Dünnschicht-Geschäft zurück
Manz Automation fährt damit eine konträre Strategie als seine Wettbewerber. Jüngst hat sich der weltweit führende Solarausrüster Applied Materials dazu entschieden, aus dem Geschäft mit Anlagen zur Produktion von Dünnschicht-Solarprodukten auszusteigen. Auch beim chinesischen Marktführer Suntech hält man die Technik nicht mehr für zukunftsfähig. Suntech gab jüngst bekannt, seine Dünnschicht-Fabrik in Shanghai umrüsten zu wollen. Die Anlage soll künftig kristalline Solarzellen herstellen. Zuvor hatten sich bereits die taiwanische Kenmos Photovoltaic sowie Chi Mei Energy aus dem Dünnschichtgeschäft zurückgezogen.

Bei Applied erklärt man den strategischen Schritt damit, dass der Kostenvorteil der Dünnschichttechnik zuletzt gesunken ist. Hintergrund ist der steigende Effizienzgrad von Poly- bzw. Silizium-basierten Produkten, die gleichzeitig immer billiger werden. Dünnschichtprodukte sind zwar noch günstiger in der Herstellung, weisen aber auch einen deutlich geringeren Wirkungsgrad (10 bis 12 Prozent) auf. Fachexperten bezweifeln daher die Zukunftsfähigkeit dieser Technologie, sollten die Rohstoffpreise für Silizium weiter sinken…

Kurzportrait

Die im Jahre 1987 von Dieter Manz gegründete und in Reutlingen ansässige Manz Automation AG ist heute ein führender Hersteller von Automatisierungsanlagen, die sowohl in der Photovoltaik-, der LCD-Fertigungsindustrie, als auch bei der Herstellung von Hartmetallwerkzeugen zum Einsatz kommen. Gleichzeitig stellt Manz Automation auch Systemlösungen für Labor- und Pharmaunternehmen sowie Komponenten (aico) für den Einsatz in der Automationstechnik bereit.

Zu den von Manz Automation vertriebenen Produkten gehören unter anderem Handlingsysteme für LCD-Substrate, sowie Photovoltaik-Automatisierungssysteme, die bei Be- und Entladen von Prozessanlagen für die Herstellung von Solarzellen zum Einsatz kommen. Ferner werden Systeme für die Laborautomation angeboten, die in der Pharmaforschung und der Herstellung von Pharma-Produkten zum Einsatz kommt. Dazu gehören auch standardisierte Laborroboter, sowie Systeme zur Kommissionierung und Verpackung. Ergänzt werden die oben genannten Geschäftsbereiche durch Produkte für die automatisierte Handhabung von Kleinteilen. Über eine Kooperation mit der deutschen Würth Solar ist Manz inzwischen auch in die Produktion von Dünnschicht-Anlagen (CIGS-Module) eingestiegen.

Die Produkte werden über vier strategischen Geschäftsbereich systems.solar (Photovoltaik), systems.lcd (LCD-Technik), systems.aico (Komponenten für OEM-Systeme) und systems.lab (Labortechnik für den Wissenschaftsbereich) vermarktet.

Insgesamt ist Manz Automation nicht nur mit Niederlassungen in Deutschland, sondern auch in den USA, Taiwan, Südkorea, China, Spanien, Spanien, Ungarn und in der Slowakei vertreten. Daneben unterhält Manz Automation auch eine Servicepartnerschaft in Indien. Zuletzt beschäftigte die Manz Automation mehr als 300 Mitarbeiter, davon mehr als die Hälfte Ingenieure und Techniker. Die Mehrheit der von Manz Automation produzierten Produkte geht derzeit in den Export.

Nachdem sich Manz Automation Ende 2007 durch die Übernahme der Tübinger Maschinenbauer Christian Majer GmbH & Co. KG. verstärkt hat, schlug das Unternehmen Anfang 2008 erneut zu und übernahm den taiwanschen Anlagenbauer Intech Machines Co. Ltd. Im Herbst 2009 gab Manz bekannt, Intech vollständig übernehmen zu wollen. Zudem wurde Böhm Electronic Systems Slowakei s.r.o. in der Slowakei sowie die deutsche Majer übernommen. Ende 2008 beteiligte sich Manz an dem Spezialisten CyBio. Daneben erschloss sich Manz zuletzt einen dritten Geschäftsbereich mit der industriellen Fertigung von Litihium-Ionen-Akkus.

Zahlen

In den ersten sechs Monaten 2010 verbuchte Manz Automation einen Umsatz von 67,5 Mio. Euro nach 28,3 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. Beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) erwirtschaftete man einen Wert von plus 1,8 Mio. Euro (2009: minus 7,6 Mio. Euro). Das EBT (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) summierte sich auf minus 1,1 Mio. Euro, der Verlust konnte, verglichen mit dem 2009er Wert von minus 12,1 Mio. Euro, aber deutlich verringert werden. Nachsteuerlich verblieb bei Manz Automation in den ersten sechs Monaten 2010 ein Verlust von 700.000 Euro (Vorjahr: minus 9,3 Mio. Euro).

Dies entspricht einem Ergebnis je Aktie von minus 16 Cent, im ersten Halbjahr 2009 lag das Ergebnis bei minus 2,08 Euro. Manz Automation meldete einen operativen Cash-Flow von minus 5,3 Mio. Euro (2009: minus 2,9 Mio. Euro).

Meldung gespeichert unter: Manz

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