Kontron trotz hohen Rückstellungen im Aufwind

Embedded Computer Technologie (ECT)

Montag, 23. August 2010 12:06
Kontron Unternehmenslogo

(IT-Times) - Der Münchner Anbieter von Embedded Computer-Lösungen, die Kontron AG (WKN: 605395), hat turbulente Monate hinter sich gebracht. Zunächst geriet das Unternehmen arg ins Trudeln, als bekannt wurde, dass das Unternehmen zum Betrugsopfer seiner eigenen Kunden geworden ist. Mittlerweile scheinen sich diese Wogen zu glätten und Kontron ist bei der österreichischen Ubitronix System Solutions eingestiegen. Schon im Frühsommer war der US-Systemintegrator AP Labs übernommen worden.

Rückstellungen in Millionenhöhe

Anfang Juli musste Kontron Rückstellungen in Höhe von 34 Mio. Euro bilden - aus Gründen der Risikovorsorge. Diese bezogen sich auf ausstehende Forderungen gegen Kunden in Malaysia, Taiwan und Hongkong. Hintergrund des drohenden Zahlungsausfalls war, dass vertraglich vereinbarte Bankgarantien nicht innerhalb der gesetzten Frist vorgelegt werden konnten. Der Vorstand sah sich daher gezwungen, die Rücklagen zu bilden. Bei den Schuldnern handelte es sich laut Kontron um Kunden der malaysischen Tochtergesellschaft im Electronic Manufacturing Service-Segment. Dies ist ein Bereich, in dem Kontron Projektmanagement, Entwicklungsverifikationen und Auftragsfertigungen in größerem Volumen für Kunden übernimmt. Trotz der hohen, offenen und nicht gesicherten Forderungen betonte Kontron, dass die Geschäftsbeziehungen zu Teilen bereits seit 2007 bestehen. Zahlungsverpflichtungen wurden bislang erfüllt.

Neben den geplanten Rücklagen leitete Kontron parallel hierzu gegen die Schuldner und das lokale Management (von Kontron Malaysia) zivil- und strafrechtliche Maßnahmen ein. Es liege, so Kontron, ein begründeter Verdacht auf Betrug vor: Kunden, Subunternehmer und lokales Management haben offensichtlich betrügerisch zu Lasten von Kontron zusammen gewirkt. Die Wertberichtigung der Forderungen wurden bereits in den Zahlen für das zweite Quartal vorgenommen.

Einstieg bei Ubitronix Systems Solutions

Jüngst meldete Kontron, man habe 40 Prozent an der österreichischen Ubitronix System Solutions GmbH übernommen. Ubitronix System Solutions ist ein Spezialist für das Energiemanagement. Kontron besitzt die Option, die Anteile bis auf über 70 Prozent aufstocken zu können. Die Transaktion verlief nicht cash-wirksam: Kontron hat im Gegenzug Anteile an der Quanmax Inc. übertragen. Diese haben einen Gegenwert nach aktuellem Börsenstand von etwa vier Mio. Euro.

Kontron versteht den Einstieg bei Ubitronix als „strategische Investition“, mit der man sich auf dem Zukunftsmarkt Energie verstärken will. Die österreichische Gesellschaft bietet Energieversorgen und Netzbetreibern Hard- und Softwarelösungen an. Die Lösungen spielen beispielsweise bei dem Aufbau intelligenter Stromnetze eine Rolle, weil diese ein Zählermanagement erfordern. Kontron und Ubitronix sprachen von beidseitigen Synergien. So soll Ubitronix Zugang zur weltweiten Zulieferkette von Kontron erhalten und so bei Material- und Fertigungskosten sparen. Kontron werde im Gegenzug künftig OEM-Lösungen für Smart Grid und Smart Metering anbieten können.

Übernahme von AP Laps - Hoffen auf steigende Margen

Zudem hat sich Kontron durch einen Zukauf in den USA verstärkt und den US-Systemintegrator AP Labs übernommen. Der Kaufpreis summiert sich in Abhängigkeit von künftigen Ergebnissen der übernommenen Gesellschaft auf zwischen 30 und 42 Mio. US-Dollar. Kontron selbst erhofft sich von der Akquisition einen jährlichen Umsatzbeitrag von 30 Mio. US-Dollar. Noch bedeutender sind jedoch die Erträge, welche AP Labs künftig beisteuern soll. AP Labs ist bereits heute mit einer Gewinnmarge von zehn Prozent profitabel. Das Kontron-Management geht davon aus, dass die Gewinnmargen in diesem Geschäftsbereich mittelfristig bei über 15 Prozent liegen werden.

Hoffnungen liegen weiterhin auf dem Rüstungsgeschäft

Hintergrund ist der Umstand, dass AP Labs im Rüstungssektor sowie in der Luft- und Raumfahrt über eine starke Marktposition verfügt. Hier betreut das Unternehmen nicht nur das US-Verteidigungsministerium, sondern auch andere Großkunden wie Boeing. Daneben entwickelt AP Labs auch entsprechende Technologielösungen für Unmanned Aerial Vehicles (UAVs); unbemannte Luftfahrzeuge, die immer öfter in Krisenregionen zum Einsatz kommen, um menschliche Verluste zu vermeiden und Personen nicht unnötigen Gefahren auszusetzen. Insbesondere dieser Bereich dürfte in den nächsten Jahren deutlich überdurchschnittliche Wachstumsraten aufweisen, glauben zumindest die Analysten aus dem Hause SES Research/Warburg.

Gleichzeitig stärkt Kontron durch den Zukauf auch das Geschäft mit Computersicherheit und High-End-Anwendungen. Hier war Kontron bislang vorwiegend über die übernommene Thales Computers SA präsent, die Kontron Anfang 2008 über seine Tochter Kontron Modular Computers aufgekaufte.

Kurzportrait

Die im Jahre 1962 gegründet und in Eching bei München ansässige Kontron AG sieht sich als einer der weltweit führenden Hersteller von Embedded Computer Technologien (ECT). Die eingebetteten bzw. integrierten Rechnertechniken des Unternehmens kommen in verschiedensten Industrien zum Einsatz. So beliefert Kontron heute die Daten-, Telekommunikations-, Automatisierungs- und Medizin-, Militär- und Regeltechnikindustrie mit verschiedenen Computerlösungen und Bauteilen. Neuerdings hofft man auch verstärkt auf den Energiesektor als Zielbranche.

Neben Computer-On-Modules, werden unter anderem auch Single Board Computer, Flatpanel-Lösungen, Embedded Motherboards, HMI- und Mobile-Lösungen angeboten. Zur Gruppe gehören die Einheiten Kontron Embedded Modules GmbH, Kontron Modular und Computers GmbH. Das Unternehmen unterhält mehrere Standorte in Deutschland, darunter in Kaufbeuren und Deggendorf. Zudem ist Kontron mit Tochterfirmen in Minneapolis/USA, San Diego/USA, Taipei/Taiwan sowie in Moskau/Russland und in Beijing/China präsent. Insgesamt unterhält Kontron weltweit Vertriebsgesellschaften in mehr als 20 Ländern.

Wie in den vergangenen Monaten setzte Kontron auch in den vergangenen Jahren verstärkt auf ausgesuchte Zukäufe. So wurde bereits in 1999 der Spezialist für Single Board Computer und Systemen, Teknor Industrial Computers, übernommen. Ein Jahr später kaufte Kontron den in Kaufbeuren ansässigen Single Board Computerspezialisten PEP Modular Computers GmbH. Im gleichen Jahr schluckte man die in Taiwan ansässige Taiwan Mycomp Company (TMC) - ebenfalls ein Spezialist im Bereich Single Board Computer. Im Jahr 2001 wurde dann der US-Spezialist ICS Advent akquiriert, ein Spezialist für komplexe Computerlösungen. Im Jahr 2002 folgte dann die Verschmelzung mit der Deggendorfer JUMPtec, ebenfalls ein Spezialist im Bereich Embedded Computer.

Im Jahr 2005 verstärkte sich Kontron in den USA und übernahm den Spezialisten Dolch. Im Herbst 2007 trennte sich die US-Tochter Kontron Americas von dem Geschäft mit mobilen Computern (MobileRugged Business) und veräußerte dieses an die Crane Co. Anfang 2008 übernahm Kontron den Spezialisten Thales Computers S.A. Zugleich schloss Kontron ein Joint Venture mit dem taiwanschen Anbieter Quanta Computers, wobei sich Quanta an der Kontron-Tochter Kontron Asia beteiligt. Zusammen mit Quanta betreibt Kontron das Joint Venture Quanmax. Im Herbst 2008 verstärkte sich Kontron durch die Übernahme des Communication Rackmount Server-Geschäfts von Intel. Im Herbst 2009 übernahm Kontron mit 78 Prozent die Mehrheit am Schweizer Computerhersteller Digital-Logic AG. Zudem gründete Kontron die Kontron Technology India, an welcher Kontron mit 51 Prozent die Mehrheit hält. Im Frühjahr 2010 übernahm Kontron die kalifornische AP Labs und beteiligte sich kurz darauf mit 40 Prozent an der Ubitronix Systems Solutions.

Auch die ehemalige INSIDE Technology A/S gehört zum Kontron-Konzern und forciert nunmehr unter dem Namen von Kontron Technology A/S das Skandinavien-Geschäft. Weitere Tochterfirmen sind unter anderem die russische RTSoft (Distributor) sowie die Kontron-Einheit XTRO IT Solutions. In Sachen Vertrieb ist man mit der Kontron Asia, an der man mit 66,7 Prozent beteiligt ist, im asiatisch-pazifischen Raum präsent, während man in Tschechien mit der Kontron Czech s.r.o eine weitere Tochter besitzt. Insgesamt beschäftigte Kontron zuletzt rund 2.500 Mitarbeiter, davon mehr als 800 Ingenieure.

Zahlen

Der Betrugsfall in Asien verhagelte Kontron das Ergebnis des zweiten Quartals im laufenden Geschäftsjahr. Der Umsatz lag bei 116,1 Mio. Euro und somit leicht über dem Vorjahreswert von 111,0 Mio. Euro. Das margenschwache Electronic Manufacturing Services-Geschäft (EMS) wurde vollständig eingestellt. Mittlerweile konzentriert man sich bei Kontron auf das margenstärkere Geschäft mit Core-Embedded-Systems. Dies habe im zweiten Quartal zu einer Steigerung der Bruttomarge von 30,4 auf 32,0 Prozent geführt. Das operative Ergebnis (EBIT) im zweiten Quartal 2010 bezifferte das Unternehmen mit acht Mio. Euro und somit auf Vorjahresniveau. Dabei ist die Risikovorsorge von 34 Mio. Euro allerdings nicht mit eingerechnet.

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