Kontron bleibt auf Expansionskurs

Embedded Computer Technologie (ECT)

Freitag, 28. Mai 2010 13:12
Kontron Unternehmenslogo

(IT-Times) - Der Münchner Hersteller von Minicomputern, die Kontron AG (WKN: 605395), hat sich jüngst durch einen Zukauf in den USA verstärkt und den US-Systemintegrator AP Labs übernommen. Der Kaufpreis summiert sich in Abhängigkeit von künftigen Ergebnissen der übernommenen Gesellschaft auf zwischen 30 und 42 Mio. US-Dollar.

Kontron selbst erhofft sich von der Akquisition einen jährlichen Umsatzbeitrag von 30 Mio. US-Dollar. Noch bedeutender sind jedoch die Erträge, welche AP Labs künftig beisteuern soll. AP Labs ist bereits heute mit einer Gewinnmarge von zehn Prozent profitabel. Das Kontron-Management geht davon aus, dass die Gewinnmargen in diesem Geschäftsbereich mittelfristig bei über 15 Prozent liegen werden.

Kontron stärkt Rüstungsgeschäft
Hintergrund ist der Umstand, dass AP Labs im Rüstungssektor sowie in der Luft- und Raumfahrt über eine starke Marktposition verfügt. Hier betreut das Unternehmen nicht nur das US-Verteidigungsministerium, sondern auch andere Großkunden wie Boeing. Daneben entwickelt AP Labs auch entsprechende Technologielösungen für Unmanned Aerial Vehicles (UAVs); unbemannte Luftfahrzeuge, die immer öfter in Krisenregionen zum Einsatz kommen, um menschliche Verluste zu vermeiden und Personen nicht unnötigen Gefahren auszusetzen. Insbesondere dieser Bereich dürfte in den nächsten Jahren deutlich überdurchschnittliche Wachstumsraten aufweisen, glauben zumindest die Analysten aus dem Hause SES Research/Warburg.

Gleichzeitig stärkt Kontron durch den Zukauf auch das Geschäft mit Computersicherheit und High-End-Anwendungen. Hier war Kontron bislang vorwiegend über die übernommene Thales Computers SA präsent, die Kontron Anfang 2008 über seine Tochter Kontron Modular Computers aufgekaufte.

„Die Zukunft liegt im margenstarken und hochkomplexen Systemen und Lösungen, wie sie AP Labs liefert“, erklärt Kontron-Chef Ulrich Gehrmann die Motivation für den jüngsten Zukauf. Als Innovationsführer wolle und müsse man sich auf diesen Bereich konzentrieren, so der Manager.

Analysten bewerten Zukauf positiv
Auch im Analystenlager stößt die jüngste Akquisition auf Wohlwollen. Mit dem Zukauf könne Kontron nicht nur sein Rüstungsgeschäft, sondern auch seine Produktionsbasis weiter stärken, so der allgemeine Tenor im Analystenlager, denn AP Labs produziert unter anderem vom mexikanischen Tijuana aus - einem Niedrigkosten-Produktionsstandort.

Kurzportrait

Die im Jahre 1962 gegründet und in Eching bei München ansässige Kontron AG sieht sich als einer der weltweit führenden Hersteller von Embedded Computer Technologien (ECT). Die eingebetteten bzw. integrierten Rechnertechniken des Unternehmens kommen in verschiedensten Industrien zum Einsatz. So beliefert Kontron heute die Daten-, Telekommunikations-, Automatisierungs- und Medizin-, Militär- und Regeltechnikindustrie mit verschiedenen Computerlösungen und Bauteilen.

Neben Computer-On-Modules, werden unter anderem auch Single Board Computer, Flatpanel-Lösungen, Embedded Motherboards, HMI- und Mobile-Lösungen angeboten. Zur Gruppe gehören die Einheiten Kontron Embedded Modules GmbH, Kontron Modular und Computers GmbH. Das Unternehmen unterhält mehre Standorte in Deutschland, darunter in Kaufbeuren und Deggendorf. Zudem ist Kontron mit Tochterfirmen in Minneapolis/USA, San Diego/USA, Taipei/Taiwan sowie in Moskau/Russland und in Beijing/China präsent. Insgesamt unterhält Kontron Vertriebsgesellschaften in mehr als 20 Ländern weltweit.

In den vergangenen Jahren verstärkte sich Kontron immer wieder durch ausgesuchte Zukäufe. So wurde bereits in 1999 der Spezialist für Single Board Computer und Systemen Teknor Industrial Computers übernommen. Ein Jahr später kaufte Kontron den in Kaufbeuren ansässigen Single Board Computerspezialisten PEP Modular Computers GmbH. Im gleichen Jahr schluckte man die in Taiwan ansässige Taiwan Mycomp Company (TMC) - ebenfalls ein Spezialist im Bereich Single Board Computer. Im Jahr 2001 wurde dann der US-Spezialist ICS Advent akquiriert, ein Spezialist für komplexe Computerlösungen. Im Jahr 2002 folgte dann die Verschmelzung mit der Deggendorfer JUMPtec, ebenfalls ein Spezialist im Bereich Embedded Computer.

Im Jahr 2005 verstärkte sich Kontron in den USA und übernahm den Spezialisten Dolch. Im Herbst 2007 trennte sich die US-Tochter Kontron Americas von dem Geschäft mit mobilen Computern (Mobile Rugged Business) und veräußerte dieses an die Crane Co. Anfang 2008 übernahm Kontron den Spezialisten Thales Computers S.A. Zugleich schloss Kontron ein Joint Venture mit dem taiwanschen Anbieter Quanta Computers, wobei sich Quanta an der Kontron-Tochter Kontron Asia beteiligt. Zusammen mit Quanta betreibt Kontron das Joint Venture Quanmax. Im Herbst 2008 verstärkte sich Kontron durch die Übernahme des Communication Rackmount Server Geschäfts von Intel. Im Herbst 2009 übernahm Kontron mit 78 Prozent die Mehrheit am Schweizer Computerhersteller Digital-Logic AG. Zudem gründete Kontron die Kontron Technology India, an welcher Kontron mit 51 Prozent die Mehrheit hält. Im Frühjahr 2010 übernahm Kontron die kalifornische AP Labs.

Auch die ehemalige INSIDE Technology A/S gehört zum Kontron-Konzern und forciert nunmehr unter dem Namen von Kontron Technology A/S das Skandinavien-Geschäft. Weitere Tochterfirmen sind unter anderem die russische RTSoft (Distributor) sowie die Kontron-Einheit XTRO IT Solutions. In Sachen Vertrieb ist man mit der Kontron Asia, an der man mit 66,7 Prozent beteiligt ist, im asiatisch-pazifischen Raum präsent, während man in Tschechien mit der Kontron Czech s.r.o eine weitere Tochter besitzt. Insgesamt beschäftigte Kontron zuletzt rund 2.500 Mitarbeiter, davon mehr als 800 Ingenieure.

Zahlen

Kontron meldete für das vergangene erste Quartal 2010 einen Umsatz von 98 Mio. Euro, dieser ging damit gegenüber dem Vorjahreswert von 107 Mio. Euro zurück. Das EBIT (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) summierte sich bei drei Mio. Euro nach sieben Mio. Euro in 2009. Entsprechend erwirtschaftete Kontron auch einen geringeren Überschuss: Nach fünf Mio. Euro im ersten Quartal des Vorjahres lag dieser nun bei lediglich zwei Mio. Euro. Neben Effekten aus der schwierigen Konjunkturlage und einer zum Teil vorliegenden Verknappung von benötigten Komponenten kamen im ersten Quartal auch Effekte aus dem eingeleiteten Restrukturierungsprogramm zum Tragen. Diese hätten, so Kontron, das Ergebnis ebenfalls belastet.

Nach Angaben von Kontron war die Umsatzentwicklung im ersten Quartal 2010 von einer schwachen Konjunktur sowie von einer Komponentenverknappung beeinträchtigt worden. Diese hätte dazu geführt, dass Aufträge mit einem Volumen von rund acht Mio. Euro nicht rechtzeitig fertiggestellt werden konnten.

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