Kann Kontron auch von der Krise profitieren?

Embedded Computer Technologie (ECT)

Montag, 9. März 2009 14:40
Kontron Unternehmenslogo

(IT-Times) Das vergangene Jahr war ein Rekordjahr für den weltweit führenden Anbieter von Embedded Computersystemen, die Kontron AG (WKN: 605395), aus Eching bei München. Und auch das Jahr 2009 beginnt ungeachtet der Krise vielversprechend, da sich Kontron bereits mehrere Millionenaufträge sichern konnte.

Großauftrag in den USA

So konnte das Unternehmen bereits mitteilen, dass man für einen großen US-amerikanischen Ausrüster von Telekommunikationsnetzwerken künftig Plattformen auf Basis der ATCA-Technologie liefern wird. ATCA, kurz für Advanced Telecom Computing Architecture, ermöglicht dabei eine schnellere und fehlertolerantere Steuerung der Netzinfrastruktur. Insbesondere in Krisenzeiten sollen diese kostengünstige und leistungsstarke Systeme eine lohnenswerte Investition darstellen. Das Auftragsvolumen gab Kontron mit 80 Mio. Euro an. Der Auftrag läuft über vier Jahre, noch in 2009 sollen erste Prototypen geliefert werden.

Positionierung im Verkehrssegment

Im Januar konnte Kontron bereits einen Auftrag der Wallonischen Verkehrsgesellschaft in Belgien an Land ziehen. Der Kunde setzt zukünftig bei komplexen Anwendungen auf Kontron-Technologien. Der Rahmenvertrag beinhaltet ein Volumen von insgesamt acht Mio. Euro. In einer ersten Stufe sollen ab dem Jahr 2010 mehr als 2.500 Busse mit einem im Bereich öffentlicher Personennahverkehr neuartigen System ausgestattet werden. Die vernetzten Embedded Computer basieren auf den Atom-Prozessoren von Intel. Sie sollen mit GPS-Ortung und GSM-Mobilfunk-Modulen ein reibungsloses Flottenmanagement sowie eine zuverlässige Standortüberwachung und Fahrplanoptimierung ermöglichen. Firewire-Schnittstellen sorgen für den raschen Datenabgleich im Depot und RFID-Technik ermöglicht innovative Formen des bargeldlosen Ticketings. Für Kontron ist dieser Auftrag auch deshalb von Bedeutung, da er das Profil des Unternehmens im Nahverkehrssegment stärkt.  Zahlreiche Anwendungen des Unternehmens sind weltweit beispielsweise bei
der Steuerung führerloser Untergrundbahnen, in Nah- und Hochgeschwindigkeitszügen und in Onboard-PCs von Bussen im Einsatz.

Übernahme von Intel-Geschäft stärkt das Profil

Im vergangenen Herbst hatte Kontron das Rackmount-Server-Geschäfts von Intel übernommen. Hiermit ergibt sich noch immer die Hoffnung, das gesamte Technologiespektrum für internationale Anbieter von Telekommunikationsausrüstung abdecken zu können. Kontron erhofft sich zudem weitere Synergien im Produktionsbereich, da die Rackmount-Server bisher in Penang (Malaysia) hergestellt wurden, wo auch die Produktionsaktivitäten der Kontron AG ansässig sind. Von der aktuellen Konjunkturkrise könnte Kontron als Spezialist profitieren, da der Druck auf Netz- und Telekomausrüstern steigt, die Fertigung von Elektronikbauteilen und Komponenten weiter an Hersteller wie Kontron auszulagern. Ob der deutsche Embedded Computerspezialist davon aber profitieren kann, bleibt aber doch abzuwarten. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten werden die Hersteller eher versuchen, ihre Material- und Komponentenkosten weiter zu drücken und zu Billig-Anbietern wechseln. Gerade im Billig-Sektor hat sich in den letzten Jahren vor allem mit Avantech ein weiterer Konkurrent hervorgetan, der von der taiwanschen Asustek Computer unterstützt wird. Avantech gilt nicht zuletzt durch seine strategische Allianz mit Asustek insbesondere in Asien als sehr gut aufgestellt.

Kurzportrait

Die im Jahre 1962 gegründet und in Eching bei München ansässige Kontron AG sieht sich als einer der weltweit führenden Hersteller von Embedded Computer Technologien (ECT). Die eingebetteten bzw. integrierten Rechnertechniken des Unternehmens kommen in verschiedensten Industrien zum Einsatz. So beliefert Kontron heute die Daten-, Telekommunikations-, Automatisierungs- und Medizin-, Militär- und Regeltechnikindustrie mit verschiedenen Computerlösungen und Bauteilen.

Neben Computer-On-Modules werden unter anderem auch Single Board Computer, Flatpanel-Lösungen, Embedded Motherboards, HMI- und Mobile-Lösungen angeboten. Zur Gruppe gehören die Einheiten Kontron Embedded Modules GmbH, Kontron Modular und Computers GmbH. Das Unternehmen unterhält mehre Standorte in Deutschland, darunter in Kaufbeuren und Deggendorf. Zudem ist Kontron mit Tochterfirmen in Minneapolis/USA, San Diego/USA, Montreal, Taipei/Taiwan sowie in Moskau/Russland und in Beijing/China präsent. Insgesamt unterhält Kontron Vertriebsgesellschaften in mehr als 20 Ländern weltweit.

In den vergangenen Jahren verstärkte sich Kontron immer wieder durch ausgesuchte Zukäufe. So wurde bereits in 1999 der Spezialist für Single Board Computer und Systemen Teknor Industrial Computers übernommen. Ein Jahr später kaufte Kontron den in Kaufbeuren ansässigen Single Board Computerspezialisten PEP Modular Computers GmbH. Im gleichen Jahr schluckte man die in Taiwan ansässige Taiwan Mycomp Company (TMC) - ebenfalls ein Spezialist im Bereich Single Board Computer. Im Jahr 2001 wurde dann der US-Spezialist ICS Advent akquiriert, ein Spezialist für komplexe Computerlösungen. Im Jahr 2002 folgte dann die Verschmelzung mit der Deggendorfer JUMPtec, ebenfalls ein Spezialist im Bereich Embedded Computer. Im Jahr 2005 verstärkte sich Kontron in den USA und übernahm den Spezialisten Dolch. Im Herbst 2007 trennte sich die US-Tochter Kontron Americas von dem Geschäft mit mobilen Computern (Mobile Rugged Business) und veräußerte dieses an die Crane Co. Anfang 2008 übernahm Kontron den Spezialisten Thales Computers S.A. Zugleich schloss Kontron ein Joint Venture mit dem taiwanschen Anbieter Quanta Computers, wobei sich Quanta an der Kontron-Tochter Kontron Asia beteiligt. Zusammen mit Quanta betreibt Kontron das Joint Venture Quanmax. Im Herbst 2008 verstärkte sich Kontron durch die Übernahme des Communication Rackmount Server Geschäfts von Intel. Weiterer Kooperationspartner ist unter anderem der südkoreanische Spezialist MDS Technology.

Auch die ehemalige INSIDE Technology A/S gehört zum Kontron-Konzern und forciert nunmehr unter dem Namen von Kontron Technology A/S das Skandinavien-Geschäft. Weitere Tochterfirmen sind unter anderem die russische RTSoft (Distributor) sowie die Kontron-Einheit XTRO IT Solutions. In Sachen Vertrieb ist man mit der Kontron Asia, an der man mit 66,7 Prozent beteiligt ist, im asiatisch-pazifischen Raum präsent, während man in Tschechien mit der Kontron Czech s.r.o eine weitere Tochter besitzt. Insgesamt beschäftigte Kontron zuletzt mehr als 2.400 Mitarbeiter, davon mehr als 800 Ingenieure.

Zahlen

Für das vergangene Jahr 2008 meldet Kontron einen Umsatzanstieg um rund elf Prozent auf ca. 495 Mio. Euro. Im Vorjahr hatte Kontron Erlöse im Wert von 446,5 Mio. Euro erwirtschaftet. Währungsbereinigt falle das Wachstum höher aus. Insbesondere im vierten Quartal konnte mit einem Umsatz von ca. 139 Mio. Euro ein neuer Rekordwert erzielt werden. Das bedeutet gegenüber dem Vorjahreszeitraum ein nominales Wachstum von rund 13 Prozent. Auch der Auftragsbestand habe zur Jahreswende auf über 290 Mio. Euro (Vorjahr: 268 Mio. Euro) gelegen. Die detaillierten Jahreszahlen will die Kontron AG auf der Bilanzpressekonferenz am 24. März bekannt geben.


Markt und Wettbewerb

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