JBoss bremst Red Hat ein

Mittwoch, 4. Oktober 2006 00:00

(IT-Times) Obwohl der weltgrößte Linux-Distributor Red Hat (Nasdaq: RHAT<RHAT.NAS>, WKN: 923989<RHI.FSE>) seinen Umsatz abermals deutlich steigern konnte, reagierten Analysten und Investoren enttäuscht auf die Ergebnisse und schickten den Red Hat-Aktienkurs auf Talfahrt.

Der Grund: Die Integration der jüngsten Zukäufe hat die Kosten nach oben getrieben, gleichzeitig ist Red Hat im Linux-Markt insgesamt langsamer gewachsen als erwartet. Im zweiten Quartal habe man sich intensiv mit der Integration der jüngsten Zukäufe in Argentinien, Brasilien und Indien und vor allem mit JBoss beschäftigt, erklärt Red Hat-Finanzchef Chef Charlie Peters, der für die weiteren Quartale wieder ein besseres Cashflow-Ergebnis in Aussicht stellt. Die Neuordnung der asiatischen Vertriebsaktivitäten hätte das Ergebnis zusätzlich belastet, heißt es aus dem Management.

JBoss sorgt für Enttäuschung

Die für 350 Mio. Dollar übernommene JBoss konnte zuletzt insgesamt 112 Mio. Dollar abrechnen (Billings), 11,0 Mio. Dollar weniger als Analysten des Hauses Credit Suisse First Boston (CSFB) erwartet hatten. Zum Gesamtumsatz steuerte die JBoss-Einheit zuletzt rund 7,0 Mio. Dollar bei. Auch der von Red Hat erwirtschaftete Cashflow von 44 Mio. Dollar blieb hinter den Erwartungen der CSFB-Experten (51 Mio. Dollar) zurück.

Im Hause Soleil Securities-Cross Research geht man davon aus, dass JBoss im vergangenen zweiten Fiskalquartal Verluste geschrieben und sich dieses operative Minus im laufenden dritten Quartal noch weiter ausweiten wird. „Ohne Kostensynergien und deutliche Umsatzzuwächse, erwarten wir für JBoss in den nächsten eineinhalb Jahren keinen operativen Gewinn“, schreibt Soleil-Analyst James Gilman.

China und Indien soll Linux auf die Sprünge helfen

Im Hause Goldman Sachs fragt man sich, ob die enttäuschenden Zahlen allein im Zusammenhang mit dem JBoss-Zukauf stehen, oder auch auf ein langsameres Wachstum im Linux-Markt insgesamt zurückzuführen sind. Tatsächlich hat sich das Wachstum im Hinblick auf die Auslieferungen von Linux-basierten Servern in den letzten drei Quartalen verlangsamt. Um diesen Trend entgegen zu treten, setzt Red Hat nicht zuletzt auf den Wachstumsmarkt China (inkl. Hongkong und Taiwan).

Im laufenden Fiskaljahr sollen hier die Umsätze verdoppelt werden. Im nächsten Jahr will man auf dem chinesischen Festland um 85 Prozent wachsen, kündigt Red Hat China Manager Michael Chen an. Auch in Indien steht der Linux-Markt erst am Anfang. Der indische Linux-Markt dürfte nach IDC-Angaben in den nächsten Jahren zwar jährlich um 21 Prozent zulegen, aber im Jahr 2010 erst ein Volumen von knapp 20 Mio. Dollar erreichen - bislang noch ein vergleichsweise kleiner Markt, setzte Microsoft im letzten Jahr allein in Indien 200 Mio. Dollar um.

Kurzportrait

Die im Jahre 1994 von Bob Young und Marc Ewing gegründete Red Hat stieg innerhalb kurzer Zeit zum weltweit führenden Linux-Distributor auf. Verzeichnete die Linux-Gemeinde Anfang der 90er Jahre noch 1,5 Mio. Nutzer, kletterte die Zahl der Linux-Anhänger zur Jahrtausendwende auf weit mehr als 15 Mio. Linux-Anwender weltweit. Das Unternehmen vermarktet eine kommerzielle Version des frei verfügbaren Betriebssystems Linux, wobei das Unternehmen insbesondere über den zur Verfügung gestellten Support und Service Einnahmen erwirtschaftet. Das Geschäftsmodell basiert auf den Open-Source-Gedanken, wobei die freie Verfügbarkeit des Systems für Entwickler und Programmierer zur Verbesserung der Software beitragen soll. Schnelle und maßstabsetzende Innovationen sollen die Folge dieser Strategie sein.

Die Internet-Plattform rund um das Red Hat Network spielt im Zusammenhang mit dem Vertrieb eine tragende Rolle. So liefert das Unternehmen über das weltweite Datennetz nicht nur Updates zu seinen Produkten, sondern bietet auch technischen Support und andere Hilfsmittel über die Internet-Plattform an. Neben der neuesten Version Red Hat Linux offeriert das Unternehmen auch zahlreiche Angebote für Firmenkunden. Neben Datenbank- und Management-Software stehen vor allem Serversoftware und Embedded Applikationen für Mobilfunktelefone und Fax-Dienste im Mittelpunkt der Unternehmensstrategie. Mit seiner Serversoftware Red Hat Advanced Server will das Unternehmen vor allem im Servermarkt Fuß fassen. Subscription-Einnahmen aus dem Vertrieb des kommerziellen Betriebssystems trugen zuletzt mehr als die Hälfte der gesamten Umsatzerlöse der Gesellschaft.

In den vergangenen Jahren ist das Unternehmen vor allem auch durch zahlreiche Übernahmen gewachsen. Nach der Übernahme des Open-Source Pionier Cygnus im Jahre 2000, folgten im selben Jahr die Übernahme von Hells Kitchen Systems, Bluecurve, WireSpeed Communications, sowie der Zukauf von C2Net. Um sein E-Commerce Softwareangebot zu ergänzen kaufte Red Hat Anfang 2001 den Anbieter Akopia auf. Später kaufte Red Hat den Speicherspezialisten Sistina Software. Im Juni 2006 übernahm Red Hat den Open-Source-Softwarehersteller JBoss für 350 Mio. Dollar.

Heute ist Red Hat mit Hauptsitz in Raleigh mit mehr als 25 Niederlassungen weltweit vertreten und arbeitet mit zahlreichen Technologiefirmen, darunter Dell Computer, Intel, Oracle und vor allem mit IBM zusammen.

Zahlen

Für das vergangene zweite Fiskalquartal 2007 meldet Red Hat einen Umsatzsprung auf 99,7 Mio. Dollar, ein Zuwachs von 52 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Subscription-Erlöse konnte Red Hat dabei um 56 Prozent auf 84,9 Mio. Dollar steigern. Die übernommene JBOSS steuerte im jüngsten Quartal bereits sieben Mio. Dollar zum Gesamtumsatz bei.

Der Gewinn brach allerdings zunächst auf 12,0 Mio. Dollar oder fünf US-Cent je Aktie ein, nach einem Plus von 18,1 Mio. Dollar oder neun US-Cent je Aktie im Jahr vorher. Ausgenommen außergewöhnlicher Sonderbelastungen in Form von Aktienkompensationskosten ergibt sich ein operativer Gewinn von elf US-Cent je Aktie. An der Wall Street hatte man im Vorfeld mit Einnahmen von 97,1 Mio. Dollar sowie mit einem Nettogewinn von zehn US-Cent je Aktie kalkuliert.

Die verfügbaren Barreserven summierten sich zum Quartalsende auf 1,0 Mrd. Dollar. Die Bruttomarge kletterte von 82 auf 84 Prozent.

© IT-Times 2016. Alle Rechte vorbehalten.

Unternehmen / Branche folgen
Unsere Nachrichten auf Ihrer Website

Sie haben die Möglichkeit, mit unserem Webmaster-Nachrichten-Tool die Nachrichten von IT-Times.de kostenlos auf Ihrer Internetseite einzubauen.

Zugeschnitten auf Ihre Branche bzw. Ihr Interesse.

Unternehmen / Branche folgen
Unsere Nachrichten auf Ihrer Website

Sie haben die Möglichkeit, mit unserem Webmaster-Nachrichten-Tool die Nachrichten von IT-Times.de kostenlos auf Ihrer Internetseite einzubauen.

Zugeschnitten auf Ihre Branche bzw. Ihr Interesse.

Folgen Sie IT-Times auf ...